Kommentierende Analyse

Schalke 04 in Gazprom-Patsche: S04 und die Kehrseite der dreckigen Medaille

Die Kritik an Gazprom und dem FC Schalke 04 nimmt zu. Die Angst überwiegt dem guten Gewissen.

Gelsenkirchen – Die Gazprom-Kritik von Marketing-Experte Raphael Brinkert an den FC Schalke 04 ist angekommen. Der S04 reagierte am Dienstagmittag (22. Februar) umgehend und wolle die Entwicklungen des Hauptsponsors Gazprom Germania „beobachten, bewerten und nachdrücklich zum Frieden appellieren“. Klar wird trotz des Russland-Ukraine-Konflikts: Einen Ausstieg aus dem Vertrag mit dem Unternehmen kann sich der Klub aktuell nicht leisten, analysiert RUHR24-Redakteur Marcel Witte.

UnternehmenGazprom
GründungAugust 1989
HauptsitzSt. Petersburg, Russland
BrancheErdöl, Erdgas, Satellitenkommunikation

Schalke 04 im Gazprom-Dilemma: S04 und die Kehrseite der dreckigen Medaille

Rund 10 Millionen Euro überweist Gazprom in der 2. Liga für das Sponsoring auf der Trikotbrust und etwa an prominenten Stellen in der Veltins-Arena sowie im Social-Media-Bereich. Zu Bundesliga-Zeiten waren es sogar noch 20 Millionen Euro jährlich – jener Betrag, der aktuell das Budget für das Profi-Team nach dem Abstieg darstellt. Im März 2021 verlängerte Gazprom den Vertrag mit dem FC Schalke 04 – ein Zeichen der Treue in schweren Zeiten.

Andersherum steht der S04 jetzt auch in schweren Zeiten zu seinem Hauptsponsor. Auf der einen Seite der Medaille glänzt der finanzielle Aspekt. Auf der anderen, der beschmutzen Seite, das Bild des russischen Unternehmens. Gazprom Germania ist eine hundertprozentige deutsche Tochterfirma des Erdöl-Giganten, der wiederum zu 50 Prozent in Staatsbesitz ist.

Schalke 04 und Gazprom: Die große Angst vor dem finanziellen Ruin

Löst der FC Schalke 04 den Vertrag auf, dürfte Gazprom Regressansprüche kenntlich machen, sofern das Unternehmen die Zahlung der jährlichen 10 Millionen Euro bereits geleistet hat. Die „Knappen“ müssten eine Rückzahlung in Millionenhöhe leisten. Ein Problem für den finanziell arg angeschlagenen Klub. Nicht ohne Grund verkündete Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers bereits Anfang Februar, dass der S04 erneut Lizenz-Auflagen erhalten wird.

Die Angst vor dem kurzfristigen Bankrott wäre größer, als die Chance, mit einem neuen Hauptsponsor „zu einem anderen Wertekosmos in der Unternehmenspyramide zu kommen“, wie es Raphael Brinkert ausdrückt.

Die Kritik an Gazprom und dem FC Schalke 04 nimmt zu.

Schalke 04 und Gazprom: Welches Unternehmen zahlt dem S04 sonst 10 Millionen Euro in der 2. Liga?

Natürlich könnte anstelle von Gazprom sofort ein neues Unternehmen an dessen Stelle rücken. Interessenten gäbe es garantiert, womöglich auch bereits aus dem aktuellen Sponsorenkreis. Ob diese jedoch auch in der 2. Liga 10 Millionen Euro jährlich investieren würden, bliebe fraglich. Für die Zukunft des S04 könnte ein Schnellschuss den Todesstoß bedeuten.

Daher sieht es so aus, dass der FC Schalke 04 zunächst auch weiterhin mit der Kehrseite der Medaille leben muss – trotz zunehmender Kritik und Russland-Ukraine-Konflikt. Zumindest bis zum Sommer. Bis dahin könnte sich der S04 im Hintergrund neu aufstellen und womöglich einen neuen Hauptsponsor akquirieren. Dass das Thema auf der Mitgliederversammlung am 12. Juni spätestens bei der Aussprache der Mitglieder zur Sprache kommt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Diese kommentierende Analyse entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Tim Rehbein/RHR-FOTO

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