Kommentar

Schalke 04: Malocherfußball kann erschreckende Finanz-Lage vergessen machen

Kein Ko Itakura, kein Robert Glatzel – die Finanzen des FC Schalke 04 können nicht schöngeredet werden. Doch es gibt Hoffnung beim S04. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen – Die fetten Jahre sind vorbei. Zeiten, in denen der FC Schalke 04 binnen eines Tages kurz vor Schließung des Transferfensters Spieler wie Benjamin Stambouli (von PSG) und Nabil Bentaleb (von Tottenham) verpflichten konnte, wird es (vorerst) nicht mehr geben. Die Lage beim S04 ist erschreckend, aber nicht aussichtslos. Sie macht sogar Hoffnung, meint RUHR24-Redakteur Marcel Witte.

VereinFC Schalke 04
Gründung4. Mai 1904
OrtGelsenkirchen
StadionVeltins-Arena

Schalke 04 in erschreckender Finanz-Lage: Malocherfußball macht jetzt Hoffnung

Wenn die vergangenen Jahre eines gezeigt haben, dann dass der S04 mit viel Geld nur selten umgehen konnte. Dass der Itakura-Kauf des FC Schalke 04 auch anhand der Transfer-Altlasten bei Sebastian Rudy scheiterte, spiegelt das komplette Dilemma der 2010er-Jahre in Gelsenkirchen wider.

Auch ein Transfer von HSV-Stürmer Robert Glatzel zum S04 scheiterte offenbar am Geld – der Zweitligist Hamburger SV bot dem Angreifer laut Medienberichten schlichtweg mehr. Ein Warnsignal für den FC Schalke 04 und vor allem für die Fans der „Knappen“. Die finanzielle Lage ist erschreckend und nicht zu beschönigen. Wie können die Königsblauen so überhaupt eine konkurrenzfähige Mannschaft in der Bundesliga aufbauen? Es gibt aber ein Beispiel, das auch den Anhängern Hoffnung machen dürfte.

Schalke 04: Der VfL Bochum dient den S04 auch in Sachen Fußballromantik als Vorbild

Allen voran dürfte an dieser Stelle der S04-Rivale VfL Bochum genannt werden. Wer den Begriff „Fußballromantik“ schätzt, der wird an den Blau-Weißen nicht vorbekommen. „Keine Nadelstreifen, kein weißes Ballett, kein Brimborium – einfach Castroper Straßenfußball!“, lautete der Slogan des Klubs zur Vorstellung der Trikots zur Saison 2021/22. Und er passte komplett zur Spielzeit der Bochumer.

Ohne große finanzielle Mittel schaffte es der VfL Bochum am Ende auf Tabellenplatz 13 zu landen. Ein fulminantes 4:2 gegen den FC Bayern sowie ein 4:3 über Borussia Dortmund waren nur zwei von vielen Highlights. Das muss auch ein Vorbild für den FC Schalke 04 sein!

Die finanzielle Lage des FC Schalke 04 ist erschreckend, doch es gibt Hoffnung.

Schalke 04 kann VfL Bochum als Vorbild nehmen: Fußballromantik steht vor dem Bankkonto

Die erschreckende finanzielle Lage des FC Schalke 04 ist zwar ein Warnsignal, doch eine konkurrenzfähige Mannschaft lässt sich so trotzdem aufbauen. Womöglich zeigt sich etwa Torwart Stefan Ortega als Fußballromantiker und wechselt zum S04 – trotz lukrativerer Angebote. So hat es der VfL Bochum vorgemacht.

„Es gibt Spieler, die bessere Angebote hatten, aber sich für den VfL Bochum entschieden haben. Klar gibt es diese Romantik nicht immer. Aber es gibt Spieler, die andere Werte in den Vordergrund stellen als das Bankkonto“, sagte Hans-Peter Villis, Vorstandsvorsitzender des VfL Bochum, zuletzt bei einer Talk-Veranstaltung im benachbarten Castrop-Rauxel beim Westfalenligisten SV Wacker Obercastrop.

Schalke 04: „Kumpels, Mythos, Tradition – einfach Schalker Malocherfußball“

Das Potenzial, die Spieler mit anderen Werten zu überzeugen, hat der FC Schalke 04 zweifellos. Das bewiesen bereits unter anderem die Verpflichtungen von Rodrigo Zalazar und auch Ko Itakura, der gerne beim S04 geblieben wär, aber jetzt andere Zukunftspläne schmieden muss. Rouven Schröder schwärmte immer wieder davon, wie es ihm gelang, Zalazar mit emotionalen Videos von einem Wechsel zu überzeugen (alle S04-Transfer-News bei RUHR24).

Mit dem Erfolg und solider Arbeit kehren auch andere finanziellen Möglichkeiten zurück. Vorerst sollte sich der S04 jedoch auf seine Grundtugenden besinnen. Das schließt den Ursprung des Tiki-Taka, den Schalker Kreisel, nicht aus, aber ein Motto wie „Kumpels, Mythos, Tradition – einfach Schalker Malocherfußball“ muss die Zukunft sein. Das macht Hoffnung auf bessere Zeiten in Gelsenkirchen.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Ulrich Hufnagel/Imago

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