Kommentierende Analyse

Schalke-Auftakt macht Sorgen: Vier Punkte auf S04-Mängelliste

Der VAR-Ärger überschattete den schwachen Auftritt des FC Schalke 04 in Köln. Doch S04 muss sich den Problemen stellen. Eine kommentierende Analyse.

Gelsenkirchen/Köln – Es war ein Bundesliga-Auftakt zum Vergessen für den FC Schalke 04. Mit 1:3 verlor der S04 beim 1. FC Köln. Zehn Königsblaue konnten elf Kölnern am Sonntagabend (7. August) nicht mehr viel entgegensetzen. In Unterzahl, aber auch schon zuvor mit voller Mannschaftsstärke offenbarten die Blau-Weißen Schwächen, wie RUHR24-Redakteur Marcel Witte analysiert.

VereinFC Schalke 04
Gründung4. Mai 1904
OrtGelsenkirchen
StadionVeltins-Arena

Schalke-Auftakt macht Sorgen: Die Mängelliste des S04 umfasst vier Punkte

Das größte Thema war am Sonntag der mehrfache VAR-Einsatz in Köln, nicht nur S04-Sportdirektor Rouven Schröder kochte vor Wut. „Wir sind benachteiligt worden. Wir brauchen einen Video-Assistent – einen Assistenten und keinen Oberschiedsrichter“, so der 46-Jährige am DAZN-Mikro.

Nach der Roten Karte gegen Dominick Drexler (35. Minute) spielte Schalke 04 nur noch zu zehnt – auswärts in Köln. Kein leichtes Unterfangen für die „Knappen“, die aber immerhin auf eine Grundtugend hätten zurückgreifen müssen. So macht der Bundesliga-Auftakt des S04 aber Sorgen. Die Mängelliste umfasst vier Punkte, angefangen bei der schwachen Zweikampfquote.

Schalke 04 hat Zweikampf-Defizit: Nur 32 Prozent gewonnene Duelle

Dass der FC Schalke 04 mit einem Mann weniger auf dem Platz keine Sterne vom Himmel spielen würde, zeigten bereits die vorangegangenen 34 Minuten gegen den 1. FC Köln. Die S04-Profis warfen sich zwar in die Zweikämpfe, den nötigen Einsatz kann man ihnen nicht absprechen. Doch erfolgreich gestalteten sie die Duelle oftmals nicht – ein klares Defizit im Abstiegskampf.

Der S04 gewann beim Liga-Auftakt nur 32 Prozent aller Zweikämpfe (31 von 97 Duellen) – die mit Abstand schlechteste Quote aller Bundesligisten am ersten Spieltag. Eintracht Frankfurt kam trotz des 1:6 gegen den FC Bayern sogar auf 51 Prozent gewonnene Duelle. Der FC Augsburg lag nach der 0:4-Niederlage gegen den SC Freiburg bei 43 Prozent.

Alex Kral (r.) und seine Teamkollegen vom FC Schalke 04 verloren viele Zweikämpfe gegen den 1. FC Köln.

Schalke 04 fehlt die defensive Stabilität: Verteidigung und Sechser ohne Zugriff

Punkt zwei auf der S04-Mängelliste ist ein Resultat aus den verlorenen Zweikämpfen und umfasst die fehlende defensive Stabilität. Insgesamt 32 Torschüsse des Gegners (Vereinsrekord für den 1. FC Köln) sind auch in Unterzahl zu viel.

Torwart Alexander Schwolow konnte beim 0:2 nicht richtig zugreifen, die Innenverteidiger Maya Yoshida und Marcin Kaminski bekamen im Verbund auch mit Sechser Alex Kral keinen Zugriff auf die Kölner Offensive. Das Resultat: Besser als Note 4 war kein S04-Profi in der RUHR24-Einzelkritik gegen den 1. FC Köln. Das muss sich gegen die spielfreudige Offensive von Borussia Mönchengladbach am Samstag (13. August) dringend ändern.

Schalke 04 hat Geschwindigkeits-Defizit: Sebastian Polter ist schnellster Offensivspieler beim S04

Doch selbst wenn der S04 die Bälle gegen den 1. FC Köln erobert hatte, fehlte beim Konter vor allem eines: die Geschwindigkeit – der dritte Punkt auf der Mängelliste. Schnellster Spieler gegen den 1. FC Köln war Sechser Alex Kral mit 32,67 km/h.

Sebastian Polter (r.) war beim FC Schalke 04 der schnellste Offensivspieler gegen den 1. FC Köln.

Nach Thomas Ouwejan (32.29 km/h), Florian Flick (31,93 km/h), Marcin Kaminski (31,79 km/h) und Maya Yoshida (31,67 km/h) folgt erst mit Stürmer Sebastian Polter (31,6 km/h) der erste Offensivspieler des FC Schalke 04 in dieser Rangliste. Zugutehalten muss man dem S04 aber: Auch Bayern-Angreifer Sadio Mané kam lediglich auf maximal 31,31 km/h am ersten Bundesliga-Spieltag.

Schalke 04 mit nur 25 Prozent Ballbesitz: Fehlende Spielkontrolle und Probleme im Spielaufbau

Allerdings profitierte der Senegalese beim FC Bayern vom Ballbesitzfußball, der in nur wenigen Situationen ein schnelles Umschalten in der Offensive benötigte. Die Münchener kamen auf 63 Prozent Ballbesitz. Der S04 wiederum wies gegen den 1. FC Köln nur 25 Prozent Ballbesitz auf – erneut der schlechteste Wert aller Bundesligisten am ersten Spieltag.

Zwar sagt die Ballbesitzquote nur bedingt etwas aus, doch gepaart mit der fehlenden Kontrolle und Problemen im Spielaufbau des S04 kann sie durchaus als Punkt vier auf der Mängelliste gesehen werden. Spielerische Elemente gab es beim FC Schalke 04 zu selten. Bezeichnend dafür: Das nicht-gegebene Tor von Rodrigo Zalazar sowie das 1:2 von Marius Bülter entstanden jeweils aus einem Standard.

Der Bundesliga-Auftakt des FC Schalke 04 macht Sorgen.

Schalke 04 hat zwei Hoffnungsträger im Kader – auch die Standardstärke spielt eine große Rolle

Festzuhalten ist: Der FC Schalke 04 muss schleunigst ein anderes Gesicht zeigen. Vor heimischer Kulisse müssen gegen Borussia Mönchengladbach vor allem deutlich mehr direkte Duelle gewonnen werden.

Hoffnungen machen dem S04 aber auch zwei Punkte. Zum einen die möglichen Startelf-Optionen Simon Terodde und Neuzugang Jordan Larsson. Zum anderen die Standardstärke, die Schalke 04 bereits im Zweitliga-Jahr einige Zähler einbrachte. Ausruhen sollten sich die Königsblauen darauf aber nicht, ansonsten könnte aus der Aufstiegsfreude schnell der Bundesliga-Frust resultieren.

Diese kommentierende Analyse entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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