S04 bezieht Stellung

Schalke 04 wegen Fans in Sorge: Hässlicher Volkssport nimmt zu

Es ist kein exklusives Problem, das der FC Schalke 04 hat. Doch auch der S04 macht sich über zunehmende Fan-Gewalt Sorgen.

Gelsenkirchen – Schon seit geraumer Zeit nutzt der FC Schalke 04 bei Heimspielen die Halbzeitpause, um über Fan-Projekte oder Auswärtsfahrten zu sprechen. Dabei bringen Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann und der Fan-Beauftragte Thomas Kirschner die königsblauen Anhänger immer auf den neuesten Stand. Zuletzt überraschte das Duo aber alle Anwesenden in der Veltins-Arena.

VereinFC Schalke 04
Gründung4. Mai 1904, Gelsenkirchen
TrainerDimitrios Grammozis
Arena/StadionVeltins-Arena
Liga2. Fußball-Bundesliga

FC Schalke 04 wegen Fan-Gewalt in Sorge: Hässlicher Volkssport nimmt zu

Denn Thomas Kirschner nutzte das letzte Heimspiel des Jahres, das der S04 mit 4:1 gegen den 1. FC Nürnberg gewann, für einen Appell an die eigenen Fans. Dabei zeigte sich der ehemalige Vorsitzende der „Ultras Gelsenkirchen“ sehr offen und selbstkritisch.

Die Rede war von häufiger werdenden Zwischenfällen, Beschimpfungen, Schlägen und körperlichen Angriffen unter den Anhängern des FC Schalke 04. Daher sei der Wunsch da, dass sich alle wieder mehr respektieren würden. In einem Interview bezog der Fan-Beauftragte nun noch einmal ausführlicher Stellung über die Sorgen von Fan-Gewalt und einem hässlichen Volkssport, der zunähme.

FC Schalke 04 hat kein Fan-Problem: S04 beobachtet aber falsche Entwicklung

Dabei betonte Thomas Kirschner gegenüber der Funke Mediengruppe zunächst, dass der FC Schalke 04 kein Fan-Problem habe. Schließlich habe gerade die Zeit in der ersten Corona-Hochphase sowie jetzt in der 2. Liga gezeigt, wie wichtig und unterstützend die Anhänger für die Mannschaft sein können – oder eben, wie sehr sie fehlen.

Dennoch „haben wir den Eindruck, dass an manchen Stellen gerade etwas in die falsche Richtung läuft. Das Thema Zusammenhalt und Solidarität unter den Fans ist aus unserer Sicht derzeit nicht immer so da, wie es eigentlich sein sollte. Und wie es vor Corona war“, so der Fan-Beauftragte des S04.

Der FC Schalke 04 ist wegen zunehmender Fan-Gewalt in Sorge.

FC Schalke 04: Fans berichten von Beschimpfungen, Bedrohungen und Gewaltanwendung

Eine Familie mit Kindern hätten ihm und seinen Kollegen aus der Abteilung Fanbelange von Beschimpfungen und Bedrohungen beispielsweise nach dem Auswärtsspiel gegen Werder Bremen (1:1) berichtet. „Das ging bis zur Gewaltanwendung. Das hat uns schockiert. Wir kennen die Familie persönlich, es war für uns unbegreiflich.“

Das königsblaue Motto „1000 Freunde, die zusammenstehen“ leidet derzeit etwas. Das sei aber kein exklusives Problem des FC Schalke 04, wie Thomas Kirschner betont. „Wenn man mit den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Vereinen spricht, dann ist es da auch so.“

FC Schalke 04: Wegen Corona kommen einige Fans häufiger ins Stadion, während andere fehlen

Doch die „Zuschauerstruktur in den Stadien hat sich grundsätzlich ein bisschen gewandelt“, versucht der Fan-Beauftragte nach Gründen zu suchen. „Man merkt natürlich, dass momentan viele Fans nicht da sind, die sonst regelmäßig zu den Spielen gefahren sind und eine gewisse Struktur fehlt. Vor allem bei Auswärtsspielen fällt das auf. Darunter sind natürlich die Ultras, die fehlen, aber auch andere Allesfahrer oder Fanclubs. Dafür sind neue, oft junge Fans hinzugekommen, was ja erstmal durchweg positiv ist.“

Dennoch fehle der gegenseitige Respekt und die gegenseitige Wertschätzung. Das äußere sich bei Klagen nicht nur von Fans, sondern ebenso von Journalisten und Fotografen, die beispielsweise immer häufiger mit vollen Bierbechern beworfen werden oder diese abbekommen, weil nach jemand anderem geworfen wird.

FC Schalke 04: Bierbecher-Würfe werden zum hässlichen Volkssport

Thomas Kirschner kann das selbst bestätigen. „Aktuell scheint das Bierbecherwerfen in der Tat zu einer Art Volkssport geworden zu sein. Dass da schon mal im Torjubel ein Becher verschüttet wird, das kennt man. Aber ich habe selbst erlebt, wie Fotojournalisten fortgesetzt 90 Minuten lang beworfen werden.“

Ein noch krasseres Beispiel gab es beim Nebelspiel des S04 in Heidenheim (0:1). Dort wurde „ein Fotograf von zwei Heranwachsenden mit einem Bier nach dem anderen übergossen wurde. So etwas geht einfach nicht.“

FC Schalke 04 appelliert an Fans: Hinsehen und gegenseitig helfen

Dem Fan-Beauftragten ginge es nicht darum, mit dem Finger auf Einzelne zu zeigen. Doch da Ordnungsdienst, Polizei und die Fanbelange des FC Schalke 04 nicht alles mitkriegen können, appelliert Thomas Kirschner an die Fans, wieder mehr aufeinander achtzugeben.

Dabei ginge es auch darum, nicht wegzuschauen und sich gegenseitig zu schützen und zu helfen. Denn auch dem S04 ist natürlich klar, dass die Fankultur unter den Corona-Vorgaben leide und nicht dieselbe sei wie vorher. Dafür wurden Kumpels, die seit 20 Jahren gemeinsam in der Kurve stehen, zu sehr auseinandergerissen. Doch bis wieder Normalität einkehrt, heißt es bis dahin, wieder solidarischer zueinander zu sein.

Rubriklistenbild: © Tim Rehbein/RHR-FOTO

Mehr zum Thema