Kommentar

Debakel offenbart: Schalke-Bosse leben an der Realität vorbei und sind das wahre Problem

Der FC Schalke 04 wankt zum zweiten Mal binnen zwei Jahren gewaltig. Die S04-Bosse leben derzeit an der Realität vorbei. Ein Kommentar.

  • Nicht zum ersten Mal binnen kürzester Zeit steckt der FC Schalke 04 in einer großen sportlichen Krise.
  • Die S04-Verantwortlichen glauben aber, dass der Klub nach wie vor regelmäßig international spielen sollte und kann.
  • Der Gipfel des Ganzen ist, zu glauben, dass eine Ausgliederung aus der Misere hilft, findet RUHR24-Redakteur Raphael Wiesweg.

Gelsenkirchen - 0:5, 0:0, 1:1, 0:0, 0:5, 0:3, 1:1, 0:4, 0:3 – so lauten die Ergebnisse der vergangenen neun Bundesligaspiele vom FC Schalke 04 (alle Artikel unter RUHR24.de). Kein Sieg, zwei mickrige Tore erzielt und 22 Gegentreffer kassiert.

Name

FC Schalke 04

Trainer

David Wagner

Arena/Stadion

Veltins-Arena

Ort

Gelsenkirchen

FC Schalke 04: Bilanz des S04 erinnert an Tasmania Berlin und nicht die Europa League

Der S04, der vor gar nicht all zu langer Zeit hinter dem FC Bayern München und dem BVB die dritte Kraft in Deutschland sein wollte, ist derzeit nur noch peinlich und noch dazu maximal Mittelmaß. Die Bilanz in der aktuell laufenden Bundesliga-Rückrunde erinnert eher an Tasmania Berlin, als an eine mögliche Qualifikation für die Europa League oder gar Champions League.

Kümmerliche sieben Zähler hat der FC Schalke 04 in zehn Spielen dieses Jahr ergattert und weist in der Zeit ein Torverhältnis von 4:22 auf. Nur der SC Paderborn ist noch schlechter. Dabei waren nicht nur Peinlich-Pleiten gegen den FC Bayern (0:5), RB Leipzig (0:5) und den BVB (0:4) dabei, sondern ebenso verdiente gegen die Creme de la Creme der Beletage, 1. FC Köln (0:3) und FC Augsburg (0:3). Dass die "Knappen" derzeit trotzdem nur zwei Punkte hinter dem sechsten Platz liegen, sagt übrigens auch etwas über die Liga aus.

FC Schalke 04: Jochen Schneider stellt den S04 neu auf – Erfolg stellt sich nicht deswegen ein

Sportvorstand Jochen Schneider (49) kann noch am wenigsten für die Misere in Gelsenkirchen. Der 49-Jährige ist erst vor einem Jahr ans Berger Feld gekommen und soll den Scherbenhaufen einsammeln.

Dass er die Kompetenzen beim FC Schalke 04 auf mehrere Schultern verteilt, ist richtig und überfällig gewesen. Erfolg stellt sich deswegen aber nicht binnen zwölf Monate ein.

Der Vorstand des FC Schalke 04, bestehend aus Alexander Jobst, Jochen Schneider und Peter Petetrs (v.l.).

FC Schalke 04: Trainer David Wagner gerät beim S04 mehr und mehr in die Kritik

Zur Wahrheit gehört aber ebenso, dass er David Wagner (48) als Trainer verpflichtet hat. Dass dieser fähig ist, den Millionären auf Schalke Beine zu machen, hat die sehr gute Bundesliga-Hinrunde gezeigt.

Allerdings muss er sich nun auch die berechtigte Kritik gefallen lassen, dass sein Team keine Ideen in der Offensive hat. Und das nicht erst beim S04-Debakel gegen den FC Augsburg (der Ticker zum Nachlesen). Jener FC Augsburg, der früher mal für die Puppenkiste und Helmut Haller bekannt war, oder als Punktelieferant für Schalke. Bis zum 27. Spieltag war es der FCA, der das schlechteste Team in 2020 war und (nach wie vor) die meisten Gegentore in der Rückrunde kassiert hatte.

FC Schalke 04: Schlechte S04-Planung vor der Bundesliga-Saison

David Wagner erwähnt berechtigterweise, dass monatelang wichtige Spieler ausfielen. Der Trainer des FC Schalke 04 darf zu Recht darauf hinweisen, dass eine zweimonatige Zwangspause ohne Testspiele und mit nur einer Woche Mannschaftstraining nicht dafür sorgt, dass zurückgekehrte Stammspieler automatisch wieder so funktionieren, wie ein halbes Jahr vorher.

Schalke-Trainer David Wagner gerät mehr und mehr in die Kritik.

Doch andere Teams haben ebenso Ausfälle zu beklagen. Im Moment, in der Hinrunde und auch in Zukunft. Dass wichtige Spieler jede Saison ausfallen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das muss also in jeder Planung berücksichtigt werden.

FC Schalke 04: Argumente auf Transfermarkt gehen S04 mehr und mehr aus

Dass der S04 die ausgefallenen Spieler ganz offenkundig nicht adäquat ersetzen konnte, liegt an schlechter Planung. Doch Jochen Schneider und der Technische Direktor Michael Reschke (62) sind die Hände gebunden.

Entweder ihnen fehlt das Geld - oder aber die sportlichen Argumente, einen günstigen, aber guten Spieler mit Potenzial nach Gelsenkirchen zu locken. Ein Teufelskreis, wenn der FC Schalke 04 nicht mehr international spielt.

FC Schalke 04: Alexander Jobst und Peter Peters sind für eine Ausgliederung beim S04

Deswegen glauben unter anderem Marketing- und Kommunikationsvorstand Alexander Jobst (46) sowie Finanz-Vorstand Peter Peters (57), dass eine Ausgliederung, und damit verbunden frisches Geld, helfen würde. Dabei ist es beinahe schon anmaßend zu glauben, dass eine Ausgliederung das Allheilmittel ist. 

Das Problem sind die handelnden Personen. Bei 250 Millionen Euro Umsatz oder gar mehr ist es einfach nur noch peinlich, dass der S04 binnen zwei Jahren zweimal wie ein Abstiegskandidat spielt. 2019 konnte im letzten Moment noch der Abstieg abgewendet werden. Wie 2020 ausgeht, ist derzeit noch unklar.

FC Schalke 04: Vorstand kann bei diesen S04-Verlusten nicht entlastet werden

Bei 250 Millionen Euro Umsatz 26 Millionen Euro Verlust einzufahren, ist ein dickes Stück. In einem Jahr wird wieder ein zweistelliges Millionen-Minus erwartet – da sind die Folgen des Coronavirus noch gar nicht mit einberechnet. In jedem anderen Unternehmen hätten die Verantwortlichen schon längst ihren Hut nehmen müssen.

Bei der nächsten Mitgliederversammlung darf der Vorstand unter diesen Voraussetzungen nicht entlastet werden. Ein 'Weiter so' geht nicht. Deswegen zu glauben, schon wieder den Trainer oder den Manager austauschen zu müssen, wie viele Fans schon wieder fordern, bringt derzeit nichts. Wie viel Erfolg das im vergangenen Jahrzehnt gebracht hat, kann jeder nachlesen.

FC Schalke 04: Bosse vom S04 leben an der Realität vorbei

Der FC Schalke 04 ist schon längst kein Kandidat für die Champions League mehr. Auch nicht für die Top 5, wie Peter Peters seit Jahren nicht müde wird zu betonen.

Dass der S04 in fünf Jahren dreimal international spielen sollte, ist Wunschdenken von Alexander Jobst. Die Bosse leben an der Realität vorbei. Der S04 darf, wenn überhaupt, nur noch mit Klubs wie den VfL Wolfsburg, SC Freiburg und TSG Hoffenheim um Platz sechs konkurrieren. Das ist die königsblaue Wahrheit.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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