Kommentar

Schalke 04 stimmt gegen Clemens Tönnies: S04-Aufsichtsrat zeigt endlich Rückgrat

Der FC Schalke 04 lehnt ein neues Investment von Clemens Tönnies ab. Zwei von elf Aufsichtsratsmitgliedern stimmten dagegen. Die richtige Entscheidung – ein Kommentar.

Gelsenkirchen – Der Aufsichtsrat des FC Schalke 04 hat sich gegen die Unterstützung von Clemens Tönnies (64) entschieden. Der S04 lehnt ein Hilfsangebot des ehemaligen Vorsitzenden des Gremiums ab. Damit beweist der Aufsichtsrat endlich mal Rückgrat, meint RUHR24-Redakteur Marcel Witte.

NameClemens Tönnies
Geboren27. Mai 1956 (Alter 64 Jahre), Rheda, Rheda-Wiedenbrück
EhepartnerinMargit Tönnies
KinderMaximilian Tönnies, Julia Tönnies
GeschwisterBernd Tönnies, Annette Hermann, Andrea Tönnies
NeffeRobert Tönnies

FC Schalke 04: Der S04 kommt aus der Tönnies-Falle nicht heraus

Der FC Schalke 04 befindet sich einer der schlimmsten Lagen, die der Klub je durchmachen musste. Das Jahr 2020 zeigte deutlich: Der S04 steckt in der Tönnies-Falle, immer wieder kommen brisante Details ans Licht. War noch im Juni von einer „Zäsur“ die Rede, wie es Marketingvorstand Alexander Jobst (47) ausdrückte, ist Clemens Tönnies dennoch weiterhin ein großes Thema bei den Königsblauen.

Jahrelang standen sich auf Schalke zwei Seiten gegenüber: Auf der einen Seite die Anhänger von Clemens Tönnies, die froh darüber waren, dass ein Milliardär seinem Herzensverein Geld spendiert, um ihn am Leben zu halten und Transfers tätigen zu können. Auf der anderen Seite war vor allem die aktive Fanszene rund um die Ultras Gelsenkirchen, die in CT, wie sie ihn nur nannten, ein großes Problem sahen.

FC Schalke 04: Clemens Tönnies bietet ein erneutes Investment beim S04 an

Am 30. Juni 2020 trat Clemens Tönnies als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04 zurück – nach 19 Jahren. Die Fanszene feierte das ausgiebig auf dem Vereinsgelände in Gelsenkirchen. Ruhe sollte einkehren beim S04, vor allem auch nach 16 Spielen in Folge ohne Sieg in der Bundesliga.

Doch die Lage verschlimmerte sich drastisch, der FC Schalke 04 steht als Tabellenletzter der Bundesliga mit dem Rücken zur Wand. Der vierte Abstieg in die 2. Liga droht, womöglich steht sogar die Existenz des Klubs auf dem Spiel. Clemens Tönnies bot sich mit einem erneuten Investment, wie er es bereits früher getan hatte, als großer Retter an. Um etwa der dringenden Forderung von Schalke-Trainer Christian Gross (66) nach Transfers gerecht werden zu können.

Clemens Tönnies hat dem FC Schalke 04 erneut finanzielle Hilfe angeboten. Der Aufsichtsrat des S04 lehnte das Angebot jedoch ab.

Der Aufsichtsrat des S04 entschied sich aber am Mittwochabend (6. Januar) gegen das Angebot von Clemens Tönnies. Und das ist auch richtig so!

FC Schalke 04: Jochen Schneider und Clemens Tönnies haben einen großen Anteil am Missmanagement

Der Verein geht durch jahrelanges Missmanagement am Stock. Ein Verantwortlicher ist Sportvorstand Jochen Schneider (50), der als Nächster sein Schalke-Aus unter einer Bedingung in Betracht zieht. Er hat es sportlich seit seinem Antritt im März 2019 nicht geschafft, den S04 mit klugen Entscheidungen in ruhiges Fahrwasser zu lenken.

Jedoch gehören nicht nur die aktuell handelnden Personen dazu: Clemens Tönnies hat einen riesigen Anteil an der Misere des Klubs. Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende hat dem Klub zwar in der Vergangenheit mit Millionen-Spenden ausgeholfen, doch die Liebe zum FC Schalke 04 schien begrenzt – das Geld wollte der 64-Jährige stets mit Zinsen zurückbekommen. Ein Minusgeschäft für den S04.

Wer jetzt in Clemens Tönnies einen Retter sieht, der ist genauso im Strudel gefangen, wie große Teile des Aufsichtsrats. Lediglich zwei von elf Mitgliedern stimmten gegen eine erneute Finanzspritze des Fleisch-Moguls – wie die Bild berichtet, soll es sich dabei um zwei bekannte Tönnies-Gegner handeln.

FC Schalke 04: Die fragwürdige Beschluss-Forderung von Clemens Tönnies an den Aufsichtsrat

Das Ergebnis zeigt die Machtverhältnisse innerhalb des Klubs: Von einer Zäsur und einer Abkehr vom 64-Jährigen ist nichts zu sehen. Andererseits dürfte auch die Frage gestellt werden, ob Clemens Tönnies wirklich helfen und sich nicht einfach nur als Retter aufspielen wolle. Denn, dass er einen einstimmigen Beschluss des Aufsichtsrats bekommen würde, wie von ihm gewünscht, war vornherein zum Scheitern verurteilt.

Stattdessen ging Clemens Tönnies wieder einmal an die Öffentlichkeit und sprach im Interview mit RTL über sein Hilfsangebot – so, wie er es des Öfteren auch als Aufsichtsratsvorsitzender getan hatte. Eine ruhige und interne Aufarbeitung des möglichen Investments wäre schließlich auch langweilig gewesen.

Proteste der aktiven Fanszene des FC Schalke 04 gegen Clemens Tönnies gab es in den vergangenen Jahren immer wieder.

Doch wie geht es nun weiter auf Schalke? Ohne Geld keine Neuzugänge. Ohne neue Spieler wohl auch kaum Hoffnung auf den Klassenverbleib. Jochen Schneider wäre gefordert, um mit dem wenigen Geld, das verfügbar ist, kluge Transfers zu tätigen.

FC Schalke 04: Die angekündigte Transparenz des S04 fehlt komplett

Aber genau dort schließt sich auch der Teufelskreis: Der Sportvorstand hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er nicht dazu in der Lage ist, aus wenig Geld Gold zu machen. Dabei hatte Jochen Schneider beim FC Schalke 04 kreative Transfer-Lösungen angekündigt. Funktioniert hat das jedoch bislang nicht. Wie es mit viel Geld aussehen würde, lässt sich aktuell nicht beurteilen.

Von der ursprünglich angekündigten Transparenz des FC Schalke 04, im Falle solcher Entscheidungen wie bei Clemens Tönnies „proaktiv“ agieren zu wollen, ist aktuell keine Spur zu sehen. Und damit ist auch nicht klar, um welches Angebot es sich genau beim ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden handelte.

FC Schalke 04: Tönnies-Investment über die Firma Böklünder als Ausweg aus der Misere?

Denn auch eine zweite Lösung war laut übereinstimmenden Medienberichten ein Thema: eine Ausweitung des Sponsoring-Vertrags der Firma Böklunder, die ebenfalls Clemens Tönnies gehört. Die zusätzlichen Millionen des Wurst-Unternehmens wären nicht an eine Rückzahlung gekoppelt und stünden somit komplett für Transfers zur Verfügung.

Sollte der Aufsichtsrat auch dieses Angebot abgelehnt haben, könnte eine andere Denkweise in Betracht gezogen werden. Würde beispielsweise die Veltins-Brauerei nun zusätzlich mehrere Millionen in den Klub stecken wollen, würden wohl viele Schalke-Fans jubeln. In Sachen Böklünder wäre das aufgrund der Verbindung zu Clemens Tönnies wohl anders.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/Kirchner-Media

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