Ex-Chef von Schalke 04 auf der Tribüne

Clemens Tönnies in der Allianz Arena: FC Bayern und Schalke trampeln auf der Seele der Fans herum

Der Auftritt von Clemens Tönnies in der Allianz Arena sorgt für Verärgerung. Schalke 04 verharmlost den Besuch des Ex-Chefs. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen/München – Dass der Auftritt des FC Schalke 04 in München völlig indiskutabel war, ist nach der 0:8-Niederlage zum Bundesliga-Start gegen den FC Bayern München völlig klar. Doch dass dann auch noch der Ex-Schalke-Boss Clemens Tönnies (64) auf der Tribüne saß, setzte dem Ganzen die Krone auf, meint RUHR24-Redakteur Marcel Witte.

Name

Clemens Tönnies

Geboren

27. Mai 1956 (Alter 64 Jahre), Rheda, Rheda-Wiedenbrück

Vermögen

2,4 Milliarden US Dollar

Ehepartnerin

Margit Tönnies

Kinder

Maximilian Tönnies, Julia Tönnies

Geschwister

Bernd Tönnies, Annette Hermann, Andrea Tönnies

FC Schalke 04: Auftritt von Clemens Tönnies als Hohn und Spott für die Fans

Keine Frage: Clemens Tönnies hat viel für den FC Schalke 04 geleistet und den Klub als Aufsichtsratsvorsitzender 19 Jahre lang durch Höhen und Tiefen geführt. Er hat zweifellos das Recht, bei Spielen des S04 im Stadion anwesend sein zu dürfen.

Doch dieses Bild, das sich in der Allianz Arena in München zeigte, ist an Hohn und Spott für die Fans der Königsblauen kaum zu überbieten. Clemens Tönnies sitzt gemütlich direkt neben der Führungsriege des FC Schalke 04 (alle S04-Artikel auf RUHR24.de). So als wäre in den vergangenen Wochen nichts passiert.

FC Schalke 04: Alexander Jobst verteidigt den Auftritt von Clemens Tönnies

S04-Aufsichtsratschef Jens Buchta (57) sagte nach dem Bayern-Spiel gegenüber der WAZ (Bezahlinhalt), dass Clemens Tönnies nicht Teil der Schalker Delegation gewesen sei. Dennoch saß er direkt neben seinen ehemaligen Vorstandskollegen. "Ich hätte es eher als komisch empfunden, wenn er nicht bei uns gesessen hätte, sondern im Kreis der Bayern", so Jens Buchta.

Stimmt, das wäre komisch gewesen. Allerdings war der gesamte Auftritt von Clemens Tönnies komisch, der aufgrund einer Einladung von Uli Hoeneß (68), seinem Fleisch-Kumpel, in der Allianz Arena war. Doch warum musste der Ex-Vereinsboss während der Corona-Pandemie überhaupt dieser Einladung folgen?

Dicht an dicht: Die Bayern-Führungsriege um Uli Hoeneß sowie daneben der Schalke-Vorstand. Abstand zueinander halten die Personen nicht.

Die Schalke-Fans am Fernseher, die im Gegensatz zu den Fleischproduzenten aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht im Stadion sein durften, werden beim Anblick von Clemens Tönnies auf der Tribüne wahrscheinlich ihr Veltins-Bier direkt wieder ausgespuckt haben.

FC Schalke 04: Vereinsbosse treten den eigenen Drei-Stufen-Plan mit Füßen

Kurz nach dem Rücktritt des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden feierten einige S04-Fans, angeführt von den Ultras Gelsenkirchen, das Ende der Ära von Clemens Tönnies auf Schalke. Nun zeigen sich die Bosse der Königsblauen mit dem 64-Jährigen nach dem Motto "heile Welt" auf der Tribüne. So viel Naivität hätte wohl eigentlich niemand den Schalker Vereinschefs zugetraut.

RUHR24-Redakteur Raphael Wiesweg fasste den Drei-Stufen-Plan, den Alexander Jobst und Jochen Schneider (50) für den FC Schalke 04 ausgearbeitet hatten, am Freitagabend (18. September) nach dem Bayern-Spiel via Twitter noch einmal zusammen:

  • 1) Sportlich & wirtschaftlich stabilisieren. 
  • 2) Vertrauen der Fans zurückgewinnen. 
  • 3) Über eine andere Rechtsform diskutieren.

"Fragt sich, wie er wegen des Bayern-Spiels und der Tönnies-Nummer je bei Nummer drei ankommen will", lautete das Fazit von Raphael Wiesweg. Und tatsächlich: Mit Aktionen wie dieser wird sich der FC Schalke 04 das Vertrauen der Fans in naher Zukunft nicht mehr zurückholen können. Vom Auftritt des Teams ganz zu schweigen.

FC Schalke 04: Die Ultras Gelsenkirchen wenden sich vom Verein ab

"Es gibt eine breite Ablehnung und emotionale Lossagung vom Fußball und den Vereinen, welche für viele Menschen in diesem Land sonst ein Dreh- und Angelpunkt in ihrem Leben sind", beschreiben die Ultras Gelsenkirchen auf ihrer Homepage ihre derzeitige Gefühlslage.

Wenn selbst die treuesten Anhänger, die ihren Klub jederzeit auch in die Ukraine nach Donetsk oder nach Helsinki in Finnland begleiten würden, sich von ihrem Verein abwenden, haben die Vereinsbosse das Vertrauen nahezu komplett verspielt.

Oliver Kahn findet die Kritik an der Führungsriege des FC Bayern nicht gerechtfertigt, wie er im Interview mit dem ZDF sagte.

Doch nicht nur der Auftritt von Clemens Tönnies sorgte für großen Ärger bei den Fans. Wie sich die Bosse des FC Bayern und FC Schalke 04 auf der Tribüne präsentierten, war ein Schlag ins Gesicht für alle Fußballfans in ganz Deutschland.

FC Bayern - FC Schalke 04: Oliver Kahn verteidigt Nähe der Vorstandschefs

Dicht an dicht saßen Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge (64), Michael Reschke (62), Jochen Schneider und Co. auf den gepolsterten VIP-Sitzen und verfolgten als einzige Zuschauer in der Allianz Arena gemütlich das Spiel – ohne Mund-Nasen-Schutz.

"Es gab keine Vorgaben, weil wir uns da an die bayerische Verordnung gehalten haben, die genau das erlaubt", sagte der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn (51) nach dem Spiel im ZDF. Hätten sich die Führungsriegen des FC Bayern und des FC Schalke 04 die Corona-Schutzverordnung des Landes Bayern doch besser noch einmal durchgelesen.

Darin heißt es nämlich: "Der Veranstalter hat durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass grundsätzlich ein Mindestabstand von 1,5 m zwischen allen Zuschauern [...] eingehalten werden kann."

FC Bayern - FC Schalke 04: Vereinsbossen ist die Vorbildfunktion egal

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) fasste dieses Bild der Vereinsbosse via Twitter gut zusammen: "Kinder sollen in der Klasse im Unterricht Maske tragen. Die FC-Bayern-Manager genießen den Fußball und es ist ihnen offenbar völlig egal, dass sie Vorbild für keinen sind. Darauf kann niemand stolz sein."

Die Fans müssen auf ein Spiel ihres geliebten Klubs verzichten, die Vereinschefs lachen, klatschen und feiern (zumindest die Münchener) auf der Tribüne und spielen die Szenerie im Nachhinein auch noch herunter. 

Es bleibt zu hoffen, dass sich niemand der Beteiligten mit dem Coronavirus (alle Entwicklungen im NRW-Ticker) angesteckt hat. Denn dem Aufschrei, der danach entstehen würde, könnten die Bosse des S04 und des FC Bayern nicht trotzen.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa