Kommentar

Rangnick-Förderer erhalten jetzt die Quittung: S04-Wahl mit klarem Wink der Demokratie

Die Demokratie hat gewonnen: Bei der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 gab es einen klaren Sieger. Die „Herzblut-Gruppe“ bekam für ihr Verhalten die Quittung, wie RUHR24-Redakteur Marcel Witte kommentiert.

Gelsenkirchen – Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Der FC Schalke 04 hat seine Mitgliederversammlung mit Wahlen abhalten können. Bei der außerordentlichen Variante am Samstag (17. Juli) lief zwar ebenfalls nicht alles rund, doch jetzt könnten sich die S04-Fans und -Mitglieder endgültig auf einen Neuanfang freuen.

VereinFC Schalke 04
Gründung4. Mai 1904
AufsichtsratsvorsitzenderAxel Hefer
StadionVeltins-Arena
OrtGelsenkirchen

FC Schalke 04: Rangnick-Förderer ohne Chance – S04-Aufsichtsratswahl mit klarem Wink der Demokratie

Viele Positionen hat der FC Schalke 04 in den vergangenen Monaten bereits ausgetauscht – im Vorstand, beim Trainer-Team, im Staff sowie vor allem auch im Kader. Doch ein kompletter Neuanfang war vor Abschluss der Wahlen bei der Mitgliederversammlung noch nicht möglich. So war mit dem scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Jens Buchta noch eine Person im Amt, die durchaus umstritten war.

Jetzt ist der Neuanfang möglich: Fünf Kandidaten wurden in den S04-Aufsichtsrat gewählt, Axel Hefer ist der neue Vorsitzende, Moritz Dörnemann sein Stellvertreter. Dass vor allem Ersterer den Posten bekommen könnte, hatte sich bereits im Vorfeld angedeutet. Ebenfalls prognostizierte sich früh, dass der Rangnick-Förderer Prof. Dr. Stefan Gesenhues ohne Chance bei den Mitgliedern sein wird – aufgrund seiner Nähe zu einer bestimmen Gruppe.

FC Schalke 04: Gruppe „Tradition und Zukunft – Herzblut auf Schalke“ schießt sich ins Abseits

Bereits im Vorfeld der Mitgliederversammlung kassierte die „Pro-Rangnick-Gruppe“ eine Pleite bei der Ernennung der Kandidaten für den Aufsichtsrat. Uli Paetzel und Frank Haberzettel gehörten nicht dazu, beide fungierten in den vergangenen Monaten als Sprecher der offiziell genannten Gruppe „Tradition und Zukunft – Herzblut auf Schalke“. Die Öffentlichkeit scheuten sie nicht. Das wurde bereits Clemens Tönnies in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen.

Mithilfe von Stefan Gesenhues als Aufsichtsratsmitglied wollte sich die Gruppe beim S04 Gehör verschaffen und Ralf Rangnick als Sportvorstand und letztlich den wichtigsten Mann in Sachen sportlichen Belangen installieren. Der Versuch scheiterte, Gesenhues trat aus dem Aufsichtsrat zurück. Hatte die Initiative zunächst noch viele Schalke-Fans auf ihrer Seite, die den früheren Trainer ebenfalls zurück bei den Königsblauen sehen wollten, schoss sie sich letztlich aber bereits vor der Mitgliederversammlung ins Abseits.

Rangnick-Förderer Stefan Gesenhues bekam bei der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 die Quittung.

FC Schalke 04: Gruppierung wirft mit angeblichen Fakten um sich und kritisiert Axel Hefer

Auf einer eigens eingerichteten Homepage holte die Gruppe zum Rundumschlag in einem „Faktencheck“ aus. Mit einem Blick in die Satzung des Vereins hätten sich einige „Fakten“ direkt als falsch herausgestellt und waren somit unnötigerweise aufgeführt, wie etwa Verweise auf das Rederecht von Mitgliedern bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung oder aber dem fehlenden Tagesordnungspunkt „Entlastungen“.

Letztlich setzten unter anderem Vorwürfe gegen den neuen Aufsichtsratschef Axel Hefer dem Ganzen die Krone auf. „Ein Aufsichtsrat, der sich mit seinem Unternehmen Trivago als Sponsor von Chelsea London brüstet, für unseren FC Schalke 04 aber keinen einzigen Cent als Sponsoring übrig hat. Wir finden: Das geht gar nicht!“, heißt es auf der Homepage.

FC Schalke 04: Axel Hefer will keinen „Klamauk“ – Stefan Gesenhues bekommt Quittung von Mitgliedern

Eine Unterstellung, zu der Axel Hefer sich nicht äußerte. Schließlich sind das Amt beim FC Schalke 04 und sein Posten bei Trivago zwei verschiedene Paar Schuhe. Bei seiner Vorstellung bei der Mitgliederversammlung richtete er lieber den Blick nach vorne: „Der Kader-Umbau nimmt Gestalt an und die Arbeit wird besonnen, professionell und ohne Klamauk im Hintergrund gemacht.“ Das kann auch als Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung „Herzblut-Gruppe“ gesehen werden, vor allem Professionalität ließ sie vermissen, wie der „Faktencheck“ zeigte.

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende des FC Schalke 04: Axel Hefer.

Rangnick-Förderer Stefan Gesenhues, der im Gegensatz zu Uli Paetzel und Frank Haberzettel zur Wahl zugelassen wurde, wurde bei seiner Rede von den S04-Mitgliedern gnadenlos ausgebuht und beschimpft und war letztlich ohne Chance. Er bekam nur 316 von 3750 möglichen Stimmen und lag damit weit hinter den anderen Kandidaten. Axel Hefer bekam 2439 Stimmen, die Störfeuer der Gruppe fruchteten nicht, die Demokratie ließ sich davon nicht beeinflussen.

FC Schalke 04: „Herzblut-Gruppe“ wird von aktiver Fanszene abgelehnt

Im Gegenteil sogar: Zwar verteilte die „Herzblut-Gruppe“ vor der Mitgliederversammlung emsig Flyer mit vielen Hinweisen auf die angeblichen Probleme beim FC Schalke 04. Sie hefteten die Flyer sogar an parkende Autos auf den Parkplätzen. Doch das brachte wenig bis gar nichts. Die aktive Fanszene sorgte nach RUHR24-Informationen dafür, dass viele Flyer gar nicht erst den Weg in die Hände der Mitglieder schafften – sondern direkt im Müll landeten. Die Wahl von Axel Hefer bestätigte, dass die Meinung der Gruppe nur wenig Gehör fand.

Die Demokratie hat beim FC Schalke 04 jetzt den Weg frei gemacht für einen Neuanfang. Dass sich Personen nur aufgrund ihres Namens oder ihres finanziellen Hintergrunds beim S04 einbringen wollen, soll der Vergangenheit angehören. Die „Herzblut-Gruppe“ sprach stets von Investitionen, die sie beisteuern würde – angeblich ohne dafür etwas verlangen zu wollen. Axel Hefer und seine Aufsichtsratskollegen werden einen anderen Weg gehen.

FC Schalke 04 gegen „Herzblut-Gruppe“: Die Demokratie gewinnt beim S04

So kündigte der neue Aufsichtsratschef bei seiner Rede bereits an: „Wetten auf die Zukunft müssen der Vergangenheit angehören. Wir müssen den Verein modernisieren und professionalisieren.“ Das soll jetzt geschehen, in Ruhe und ohne Einfluss einer Gruppierung, die am Samstag deutlich zu spüren bekam, warum eine Demokratie so wichtig ist.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Tim Rehbein/RHR-FOTO

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