Keine Revolution beim Schalke 04?

„Pro-Rangnick-Gruppe“ kassiert Wahl-Pleite: Wirbel um Kandidaten für S04-Aufsichtsrat

So heftig wie selten zuvor wird derzeit über die Gremien des FC Schalke 04 diskutiert. Der Wahlausschuss hat eine Auswahl von Aufsichtsratskandidaten getroffen.

Gelsenkirchen - Unabhängig vom bevorstehenden Abstieg des FC Schalke 04 in die zweite Liga geht es rund um das Berger Feld in Gelsenkirchen weiter turbulent zu. Denn neben der sportlichen Herausforderung, dem Kader der Königsblauen ein komplett neues Gesicht geben zu müssen, haben zudem die Gremien sowie die Mitglieder des S04 alle Hände voll zu tun.

FC Schalke 04 vor Mitgliederversammlung: Wahlausschuss gibt zehn Aufsichtsratskandidaten bekannt

Die Mitgliederversammlung 2021 des FC Schalke 04 wirft ihre Schatten schon seit Monaten weit voraus. Am 13. Juni gibt es viele Tagesordnungspunkte, die es wegen der Corona-Pandemie auf digitale Art und Weise zu besprechen gilt. Nicht nur, weil die im vergangenen Jahr wegen des Virus abgesagt werden musste.

Unter anderem sind fünf von elf Posten im Aufsichtsrat neu zu vergeben. Knapp 30 Bewerbungen trudelten nach RUHR24-Informationen fristgerecht bis zum 31. Januar dafür ein. Der Wahlausschuss darf laut Satzung doppelt so viele Kandidaten zulassen, wie es zu vergebene Stellen gibt. In diesem Fall also zehn.

FC Schalke 04: Wahlausschuss und Aufsichtskandidaten sorgen für S04-Diskussionen

Am Sonntag (9. Mai) nun gab der FC Schalke 04 die zehn Aufsichtsratskandidaten bekannt. Die Auswahl, die der Wahlausschuss laut Satzung nicht begründen muss, sorgte sowohl unter Fans als auch unter Experten für Diskussionen.

Ulrich Paetzel (l.) und Frank Haberzettel, die Sprecher der Gruppe „FC Schalke 04 - Tradition und Zukunft“, hatten sich für den Aufsichtsrat beworben.

Vier Tage lang mussten die Bewerber im „Blauen Salon“ der Veltins-Arena vorsprechen. Jeder Kandidat bekam 30 Minuten Zeit. Ein klassisches Vorstellungsgespräch ist es aber nicht, vielmehr ein Austausch zwischen dem achtköpfigen S04-Gremium und dem jeweiligen Gegenüber über sich und seine Pläne.

FC Schalke 04: Das sind die zehn Kandidaten für fünf Plätze im S04-Aufsichtsrat

Der Wahlausschuss hatte den Kandidaten nach RUHR24-Informationen mitgeteilt, dass es am Montag (10. Mai) eine Entscheidung gibt und diese vom Verein danach auch offiziell verkündet wird. Das wurde dann aber bereits am Abend zuvor geregelt. Sowohl das Kontaktieren der Bewerber als auch die Mittelung des FC Schalke 04, welcher zehn Kandidaten für den Aufsichtsrat zugelassen hat:

  • Holger Brauner
  • Moritz Dörnemann
  • Prof. Dr. Stefan Gesenhues
  • Rolf Haselhorst
  • Axel Hefer
  • Heinz-Jürgen Kallerhoff
  • Sven Kirstein
  • Matthias Rüter
  • Johannes Struckmeier
  • Dr. Meinolf Weidenbach

FC Schalke 04: Uwe Kemmer, Uli Paetzel und Frank Haberzettel alle vom S04 abgelehnt

Auffällig: Von der „Pro-Rangnick-Gruppe“ namens „Tradition und Zukunft“ wurden die Sprecher Prof. Dr. Uli Paetzel und Frank Haberzettel abgelehnt. Der im Dezember vom Aufsichtsrat des FC Schalke 04 zurückgetretene Uwe Kemmer, der der Gruppe nicht angehörte, den Plan um Ralf Rangnick aber nach Informationen dieser Redaktion befürwortete, kommt für das Kontrollgremium ebenfalls nicht infrage.

Prof. Dr. Stefan Gesenhues ist im März aus dem Aufsichtsrat zurückgetreten, wurde nun aber vom Wahlausschuss erneut zu einer möglichen Kandidatur zugelassen.

Prof. Dr. Stefan Gesenhues, der ebenfalls aus dem S04-Aufsichtsrat zurückgetreten war, wurde hingegen zugelassen. Dabei hatte das ehemalige Mitglied des Sporteilausschusses den Plan der damals noch geheimen Gruppe im Aufsichtsrat ohne Ankündigung vorgestellt und das Kontrollgremium um den Vorsitzenden Dr. Jens Buchta damit massiv verärgert. Stefan Gesenhues erwog nach seinem Rücktritt dann sogar seine Bewerbung an den Wahlausschuss zurückzuziehen.

FC Schalke 04: Peter Peters und Hans Sarpei ebenfalls vom S04-Wahlausschuss abgelehnt

Ebenfalls nicht vom Wahlausschuss zugelassen wurden unter anderem der langjährige Ex-Finanzvorstand des FC Schalke 04, Peter Peters, sowie Ex-Profi Hans Sarpei. Mit Moritz Dörnemann, Axel Hefer sowie Matthias Rüter bekommt hingegen ein Trio die Chance, sich von den Mitgliedern wählen zu lassen, das (teilweise) bereits im Laufe der vergangenen Monate wegen Rücktritte anderer in den Aufsichtsrat nachrückte.

Von den übrigen Kandidaten ist ansonsten nur Hein-Jürgen Kallerhoff bekannter, der vor seinem Ruhestand (2018) Vertriebsvorstand des langjährigen S04-Sponsors R+V-Versicherungen war. Unbekannter hingegen sind Holger Brauner, Rolf Haselhorst, Sven Kirstein, Johannes Struckmeier und Dr. Meinolf Weidenbach.

FC Schalke 04: Keine S04-Opposition wegen fehlender „Pro-Rangnick-Gruppe“?

Unter Fans, Experten und den Kandidaten, die eine Absage erhalten haben, ist schon längst eine Debatte entbrannt. Fällt die Revolution beim FC Schalke 04 nun kleiner aus oder gar ganz? War nur die Gruppe „Tradition und Zukunft“ als Opposition anzusehen? Wie sehr nimmt der Wahlausschuss den S04-Mitgliedern die Chance, über die Zukunft mitentscheiden zu dürfen?

„Die Entscheidungen sind im Kontext zu betrachten. Es gibt einen Wahlausschuss, der entscheidet und die Entscheidungen sind unanfechtbar und müssen nicht begründet werden. Das gilt es zu akzeptieren“, sagt Uli Paetzel gegenüber RUHR24. Der gebürtige Gelsenkirchener, der von 2004 bis 2016 Bürgermeister der Stadt Herten war und beim Kuratorium der Stiftung „Schalker Markt“ mitwirkt, „hätte gerne für einen Neuanfang mitgeholfen“.

FC Schalke 04: Aufsichtsratskandidat Axel Hefer hat gute S04-Chancen

Nach RUHR24-Informationen kommt die Absage an Uwe Kemmer, Uli Paetzel und Frank Haberzettel aber nicht von ungefähr. Demnach wird dem Trio vereinsschädigendes Verhalten vorgeworfen. Der aktuelle Aufsichtsrat des FC Schalke 04 dürfte die Vorauswahl vom Wahlausschuss zumindest als ersten Sieg für sich betrachten.

Dass ein Neuanfang oder Visionen deswegen trotzdem gänzlich ausgeschlossen werden können, erscheint angesichts einiger unbekannten Mitstreiter trotzdem nicht komplett schlüssig. Zudem war zum Beispiel Axel Hefer in seiner ersten Amtszeit zwischen 2014 und 2017 ein Gegner von Clemens Tönnies, dem langjährigen Vorsitzenden des Kontrollgremiums.

Axel Hefer (r.), hier mit Dr. Jens Buchta, war bereits zwischen 2014 und 2017 Mitglied im Aufsichtsrat des FC Schalke 04.

Axel Hefer, CEO der Hotel-Suchmaschine „Trivago“, fliegen schon jetzt viele Vorschusslorbeeren entgegen. Ganz gleich, ob von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern des S04 oder gar von Mitbewerbern um den Aufsichtsrat. Erste Stimmen werden sogar bereits laut, wonach er der neue Aufsichtsratsvorsitzende werden könnte. Vorausgesetzt, die Mitglieder wählen ihn am 13. Juni.

Rubriklistenbild: © Raphael Wiesweg/RUHR24

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