Kommentar

Beispielloser Niedergang: Jobst-Rücktritt ist für den S04 beschämend

Jetzt wird auch Alexander Jobst auf Schalke Geschichte sein. Die Art und Weise stimmt bedenklich. Jetzt müssen Kritiker Taten folgen lassen, meint RUHR24-Redakteur Raphael Wiesweg. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen - Der Rücktritt von Alexander Jobst beim FC Schalke 04 ist die berühmte Kirsche auf der Torte. Allerdings eine hässliche, platt getretene und ausgequetschte.

FC Schalke 04: Alexander Jobst tritt nach Bedrohungen gegen seine Familie zurück

Innerhalb eines Jahres werden alle drei Posten im Vorstand unfreiwillig komplett neu besetzt. Hinzu kommen die Rücktritte und noch weiter anstehende tiefgreifende Veränderungen im Aufsichtsrat. Ganz zu schweigen von dem sportlichen und kommunikativen Versagen auf und neben dem Platz. Der FC Schalke 04 lässt seit Anfang 2020 kaum ein Fettnäpfchen aus und erfährt einen beispiellosen Absturz.

Es ist zu 100 Prozent nachvollziehbar, wenn Alexander Jobst wegen Bedrohungen gegen seine Familie und sich zurücktritt. Damit sei „endgültig eine rote Linie überschritten“ worden, wie der Marketing-Vorstand auch in einer persönlichen Nachricht an die Partner und Sponsoren, die RUHR24 vorliegt, verlautbaren ließ.

FC Schalke 04: Vor Alexander Jobst erhielt schon S04-Boss Jens Buchta ebenfalls Bedrohungen

Die Bedrohungen, die Alexander Jobst anonym per E-Mail und SMS erhalten hat, werfen am Ende einen dunklen Schatten auf den FC Schalke 04 und sind beschämend. Schon der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Jens Buchta und seine Familie erhielten Bedrohungen.

Wie kann es nur so weit kommen? Haben die Verantwortlichen Fehler gemacht? Mit Sicherheit! Sollten sie kritisiert werden? Absolut! Aber in Maßen. Respektvoll. Ohne Beleidgungen. Und schon gar nicht mit Bedrohungen.

FC Schalke 04: Alexander Jobst hat die S04-Erlöse in acht Jahren um 45 Prozent gesteigert

Unter der Führung von Alexander Jobst konnte der FC Schalke 04 die Erlöse in der Vermarktung in den vergangenen Jahren um 45 Prozent steigern. „Übrigens unabhängig vom sportlichen Erfolg“, wie der 47-Jährige unlängst bei „mitGEredet“ betonte.

Alexander Jobst ist ab Sommer 2021 beim FC Schalke 04 Geschichte.

Es gibt zwar kritische Stimmen, die behaupten, dass der S04 das auch in einer anderen Besetzung erreicht hätte. Doch klar ist auch: Unter seiner Federführung hat das Ressort Marketing im vergangenen Jahrzehnt einen klaren Plan verfolgt, der nicht für eine Saison, sondern langfristig ausgelegt war.

FC Schalke 04: Alexander Jobst ist für die Transfers und Finanzen beim S04 nicht verantwortlich

Ein solcher Plan wurde bei den Finanzen und erst recht im Sport vermisst. Trägt Alexander Jobst für die Krise, die sich seit Jahren sukzessive vergrößert hat, deswegen gar keine Verantwortung? Doch. Aber nur zu Teilen.

Sollte er sich in Transfers einmischen oder die Verantwortung dafür tragen? Nein. Sollte er den Durchblick über die finanziellen Wirrungen im XXL-Schuldenberg auf Schalke haben und dafür Verantwortung tragen? Nein. Sein Fachgebiet war und ist das Marketing.

FC Schalke 04: Fehler von Alexander Jobst in der Organisation des S04

Dort hinterlässt Alexander Jobst ein sehr gut bestelltes Feld. Obwohl der FC Schalke 04 (wahrscheinlich) in die 2. Liga absteigen wird. Wahr ist aber auch, dass er in der Organisationsstruktur Fehler begangen hat, die auch in seine Verantwortung fiel. Wenn auch nicht immer durchgehend in den vergangenen Jahren, weil der Aufsichtsrat die Ressort-Zugehörigkeit so oft gewechselt hat, wie die Schalker Trainer ihren Torwart auf dem Platz.

Dennoch war man in den vergangenen Monaten immer häufiger geneigt, dem Marketing-Spezialisten zuzurufen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Tat er aber nicht.

FC Schalke 04: Alexander Jobst brach beim S04 mit dem Tabu-Thema Ausgliederung

Das Tabu-Thema Ausgliederung war trotzdem für ihn kein Tabu-Thema mehr (nachdem Clemens Tönnies es in einem TV-Interview öffentlich ausgerechnet nach einer Derby-Klatsche aus dem Stadion in Dortmund kundtat). Clever ist Alexander Jobst das Thema aber nicht angegangen. Dabei scheinen die vielen Anhänger vom FC Schalke 04 grundsätzlich für Veränderungen sehr offen zu sein, wie die Posse rund um die Einmischung der „Pro-Rangnick-Gruppe“ zeigte.

Die Veränderungen kann es jetzt geben. Im ganz großen Stil. Der Aufsichtsrat wird im Sommer nahezu komplett neu besetzt. Das Gesicht des Vorstands hat sich schon verändert.

Kritiker des alten S04-Systems sehen die Voraussetzungen jetzt als gegeben an, tatsächlich einen Neuanfang am Ernst-Kuzorra-Weg vollziehen zu können. Die Frage wird sein, ob die vielen Nachfolger die Qualität dazu haben, den FC Schalke 04 langfristig wieder nach oben zu führen. Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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