S04 bangt um den Klassenerhalt

Schalke 04 vor dem Abstieg: Der kompletten Bundesliga drohen drastische Konsequenzen

Die Lage des FC Schalke 04 erscheint aussichtslos, der Bundesliga-Abstieg droht. Das hätte Konsequenzen für alle Teams in der Liga.

Gelsenkirchen – Der FC Schalke 04 steht kurz vor dem vierten Bundesliga-Abstieg. Angesichts von neun Punkten nach 22 Spieltagen erscheint eine Rettung utopisch. Das zeigt auch ein Blick in die Historie. Sollte der S04 tatsächlich den Gang in die zweite Liga antreten, hätte das auch Auswirkungen auf andere Klubs – vor allem in finanzieller Hinsicht.

VereinFC Schalke 04
TrainerChristian Gross
StadionVeltins-Arena
Kapazität62.271 Zuschauer
OrtGelsenkirchen

FC Schalke 04: Der S04 ist aktuell noch schlechter als bei den bisherigen drei Bundesliga-Abstiegen

Das Derby des S04 gegen den BVB am Samstag (20. Februar) könnte das letzte Duell der beiden Revierklubs für eine längere Zeit gewesen sein. Ein Vergleich zeigt, wie schlecht der FC Schalke 04 in der aktuellen Bundesliga-Saison dasteht. Bei den drei Abstiegen 1981, 1983 und 1988 hatten die Königsblauen am 22. Spieltag, auf die Drei-Punkte-Regel umgerechnet, 21, 17 und 24 Punkte. Jetzt sind es neun.

Bislang schlechtester Erstligist überhaupt war Tasmania Berlin mit umgerechnet zehn Punkten in der Saison 1965/66. Selbst wenn es der FC Schalke 04 noch bis auf 20 Punkte schaffen würde, wäre der S04 unter den schlechtesten zehn Absteigern der Bundesliga.

FC Schalke 04: Ein Abstieg des S04 hätte Auswirkungen auf die gesamte Bundesliga

Aktuell plant der S04 bereits seinen Kader für die 2. Liga, aufgrund der Situation müssen die Königsblauen zweigleisig planen. Noch machen die Spieler öffentlich Hoffnungen auf den Klassenerhalt. Doch angesichts von neun Punkten Rückstand zum rettenden Ufer sowie erst einem Sieg auf dem Konto erscheint das Unterfangen eher unwahrscheinlich.

Stattdessen droht dem FC Schalke 04 tatsächlich der vierte Bundesliga-Abstieg in der Vereinsgeschichte. Und das hätte Auswirkungen auf die gesamte Liga.

Dem FC Schalke 04 droht der vierte Bundesliga-Abstieg in der Geschichte. Das hätte Auswirkungen auf die gesamte Liga.

„Für die Attraktivität der Liga wäre Schalkes Abstieg ein Drama“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (61) dem kicker. Auch Ex-S04-Stürmer Vedad Ibisevic (36), der zuletzt Manuel Baum (41) heftig kritisierte, sagte: „Der Klub gehört in die Bundesliga.“

FC Schalke 04: Etwa 24 Millionen Menschen in Deutschland interessieren sich für den S04

Belegt wird die Aussage von Hans-Joachim Watzke mit vielen Zahlen, wie der Spiegel berichtet. So interessieren sich laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Allensbach etwa 24 Millionen der 71 Millionen Deutschen ab 14 Jahren für den FC Schalke 04, 7,44 Millionen „ganz besonders“. Nur der FC Bayern und der BVB haben bessere Zahlen.

Die Werte des Hamburger SV, der im Jahr 2018 erstmalig aus der Bundesliga abstieg, sind nur unwesentlich geringer als die des S04. Die Zahlen des FC Schalke 04 sind angesichts der Mitgliederzahl von über 155.000 Personen kein Wunder. Nur der FC Bayern hat mehr Mitglieder (293.000).

Das alleine bringt den anderen Bundesligisten noch keine finanziellen Vorteile ein. Doch der FC Schalke 04 sorgt mit seinem Image auch dafür, dass die TV-Rechte der Liga einen gewissen Wert haben. Denn laut Angaben des Branchendienstes Meedia.de auf Anfrage des Spiegel seien die Zuschauerzahlen von Spielen des S04 bei Sky in dieser Saison sogar höher, als noch im Vorjahr.

FC Schalke 04: Über 1,2 Millionen Zuschauer verfolgen den S04 im Derby gegen den BVB

So schauten beispielsweise 1,24 Millionen Menschen das Derby gegen den BVB am 20. Februar und sogar fast 900.000 Zuschauer das Duell mit Union Berlin am 13. Februar, wie Sky mitteilte. Damit lag der S04 am Ende der Saison 2019/20 auf dem dritten Rang der Sky-Zuschauertabelle, lediglich hinter dem FC Bayern und Borussia Dortmund. Ein Jahr zuvor zeigte sich das gleiche Bild.

Der S04 ist und bleibt ein Publikumsmagnet, selbst vor dem Fernseher. Auch dank der Königsblauen machen die 1,2 Milliarden Euro pro Saison an TV-Geldern aktuell eine große Einnahmequelle der Vereine aus. Sollte der FC Schalke 04 langfristig in der 2. Liga bleiben und beispielsweise auch der Hamburger SV nicht aufsteigen, könnte das Interesse an den Übertragungsrechten sinken. Vor dem Sommer 2025 muss die DFL als Vermarkter neu verhandeln.

Schalke-Jubel vor vollen Rängen: Der S04 gilt als Publikumsmagnet in der Bundesliga.

Zwar könnten die Einnahmen für die zweite Liga steigen, doch die Spiele im Bundesliga-Unterhaus sind vermarktungstechnisch weniger wert als die Partien in der höchsten deutschen Spielklasse. Letztlich wäre es dennoch ein Verlustgeschäft für die ganze Liga.

FC Schalke 04: Kein Zweitligist hat so einen hohen Zuschauerschnitt wie der S04

Zudem spielt bei der Vermarktung der Bundesliga auch die hohe Auslastung der Stadien eine Rolle. Sofern Zuschauer zugelassen wären, wäre die Veltins-Arena in Gelsenkirchen bei jedem Spiel nahezu ausverkauft. So hat der S04 mit einem Fassungsvermögen von 62.271 Fans in seinem Stadion seit der Eröffnung der Arena im Jahr 2001 immer über 60.000 Anhänger im Schnitt vorweisen können.

Diese Zahlen kann kein Zweitligist auffangen. Daher sagt auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen (72), gegenüber dem Spiegel: „Auf Dauer sind Vereine wie Schalke und der HSV unverzichtbar für die Bundesliga.“

Rubriklistenbild: © Anke Waelischmiller/Sven Simon/Kirchner-Media

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