Chaoten greifen S04 an

Beängstigende Fan-Gewalt nach Abstieg: Jetzt schildert Schalke dramatische Details

Die Fan-Gewalt auf Schalke geht Gerald Asamoah nicht mehr aus dem Kopf. Gemeinsam mit Sportvorstand Peter Knäbel schildert er erschreckende Szenen.

Gelsenkirchen – Der FC Schalke 04 befindet sich seit Dienstag (20. April) im Schockzustand. Nach den Jagd-Szenen, bei denen S04-Spieler angegriffen wurden, ist bei den Königsblauen noch keine Normalität eingekehrt. Am Freitag (23. April) kam die Mannschaft erstmals seit den Vorfällen zusammen. Doch in Gedanken ist sie noch bei der Abstiegsnacht.

VereinFC Schalke 04
AufsichtsratsvorsitzenderJens Buchta
SportvorstandPeter Knäbel
TrainerDimitrios Grammozis
OrtGelsenkirchen

FC Schalke 04: S04 schildert dramatische Details von der Fan-Gewalt nach dem Bundesliga-Abstieg

Nach der 0:1-Niederlage des S04 bei Arminia Bielefeld drehte sich zunächst alles um den Bundesliga-Abstieg der Königsblauen. Das hatte sich zwar abgezeichnet, dennoch war es für die Spieler, Verantwortlichen und Fans ein harter Schlag, den FC Schalke 04 künftig in der 2. Liga zu sehen.

Schalke-Talent Timo Becker (24) vergoss auf der Ersatzbank bittere Tränen. Getrübt ging die Reise zurück nach Gelsenkirchen, wo 500 bis 600 Fans, darunter Teile der aktiven Fanszene, auf die Mannschaft gewartet haben. Die Situation eskalierte, manch ein Profi musste vor den gewaltbereiten Personen flüchten, sogar manch ein Mitarbeiter bekam Schläge und Tritte ab.

FC Schalke 04: Peter Knäbel sorgt sich um die Spieler und Mitarbeiter des S04

„Für mich ist das Wichtigste: Wie geht es den Leuten? Buyo, Asamoah, dem Staff, den Spielern, von denen einige im Hotel übernachten mussten. Das ist für mich ein absolutes No-Go, dass wir uns damit beschäftigen müssen“, sagte Sportvorstand Peter Knäbel, der dadurch ein folgenschweres Problem für den FC Schalke 04 sieht, einen Tag nach den Vorfällen auf der Vereinshomepage.

Viele Details zur Fan-Gewalt waren bis dato aber für die Öffentlichkeit noch unklar. Am Donnerstag (22. April) brachten Teammanager Gerald Asamoah (42) und Peter Knäbel (54) bei einer Medienrunde Licht ins Dunkel.

Peter Knäbel (r.) und Gerald Asamoah (m.) schildern dramatische Szenen zur Fan-Gewalt beim FC Schalke 04.

FC Schalke 04: Gerald Asamoah schildert, warum der S04 zur Veltins-Arena gefahren ist

So hätten die Verantwortlichen bereits auf dem Rückweg aus Bielefeld davon erfahren, dass sich eine größere Gruppe an der Veltins-Arena versammelt hätte. „Wir haben auf dem Rastplatz mit dem Trainerteam und den Kapitänen entschieden, dass wir hinfahren“, schilderte Gerald Asamoah.

Unter anderem soll Kapitän Sead Kolasinac (27) an der Entscheidung mitgewirkt haben. Wie RUHR24 weiß, hat der Bosnier enge Kontakte zur aktiven Fan-Szene und lud nach seinem Wechsel zum FC Arsenal enge Freunde immer wieder mal nach London ein.

FC Schalke 04: Gerald Asamoah ist schockiert vom Gewalt-Ausbruch der Fans

Mit solch schockierenden Gewalt-Szenen hätte der 27-Jährige aber genauso wenig wie Gerald Asamoah gerechnet, der am Donnerstag erzählte: „Ich war von der ersten Minute überzeugt, dass hier nichts passiert. Ich kenne die Fans. Es war viel Polizei da, das hat mir Sicherheit gegeben.“ Die Sicherheitskräfte vor Ort hätten die Lage zudem im Vorfeld als „friedlich“ eingeschätzt.

An der Veltins-Arena angekommen, stieg die Mannschaft mit den Trainern und Betreuern aus dem Bus und hörte zwei Sprechern aus der großen Fan-Gruppierung zu. „Wir wussten, dass wir die Klappe halten und zuhören sollen. Dann ist alles Weitere passiert. Ich hatte keine Angst, ich war mir sicher, dass nichts passiert“, so Gerald Asamoah.

FC Schalke 04: Gerald Asamoah sah die Angst in den Augen von Mike Büskens

Vom eigentlichen „Gute-Laune-Bär“ ist aktuell nichts mehr zu sehen, zu schockierend waren die Ereignisse in der Nacht zum Mittwoch (21. April). Gerald Asamoah offenbarte in der Medienrunde, dass es ihm immer noch nicht gut gehe.

„Ich selber bin nicht geschlagen worden“, so der frühere Profi. Dafür aber unter anderem ein ehemaliger Eurofighter, der eigentlich als Legende unter den S04-Fans verehrt wird: Mike Büskens (53) soll Tritte abbekommen haben.

Gerald Asamoah war mittendrin beim Gewalt-Ausbruch der Fans, nachdem der Bundesliga-Abstieg des S04 in Bielefeld perfekt wurde.

„Die Angst in Buyos Augen („Buyo“ ist der Spitzname von Büskens, Anm. d. Red.) werde ich nicht vergessen“, verriet Gerald Asamoah. Dabei galt der aktuelle Co-Trainer des FC Schalke 04 stets als Fan-nah, hat gute Kontakte zu verschiedenen Gruppierungen, wie etwa dem Supporters Club.

FC Schalke 04: Gerald Asamoah sah einen Mitarbeiter am Boden, der von Fans getreten wurde

Noch viel schlimmer erging es aber wohl den Spielern und weiteren S04-Mitarbeitern. „Ein Mitarbeiter lag auf dem Boden und wurde getreten“, so Gerald Asamoah, der die Bilder immer noch im Kopf habe.

Neben den physischen Schäden, Sportvorstand Peter Knäbel sprach in der Medienrunde von „blauen Flecken und kleineren Verletzungen“, sei der „emotionale Schaden“ bei den Beteiligten noch viel größer. Auch Trainer Dimitrios Grammozis (42) sei „sauer und enttäuscht“ gewesen und habe sich „erstmal sammeln“ müssen.

FC Schalke 04: Peter Knäbel möchte die Vorfälle gemeinsam mit der Polizei aufarbeiten

Der FC Schalke 04 wolle die Vorfälle komplett mithilfe der Polizei aufarbeiten. So werde Peter Knäbel auch an einem Gespräch mit der Polizei teilnehmen. „Warum die Polizei dann nicht mit reingefahren ist, ist eine Frage, die wir nochmal intern aufarbeiten müssen“, sagte der Sportvorstand.

Der S04 habe sich laut Peter Knäbel bereits seit einiger Zeit mit diversen möglichen Szenarien für den Abstiegsfall beschäftigt und dafür sogar Arbeitsgruppen gebildet. Mit solch einer Gewalt hätte aber niemand gerechnet. Aufhalten hätte man die große Gruppierung allerdings im Vorfeld nicht: „Die Leute sind über den Zaun geklettert. Das war Einbruch.“

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