Vorstandsvorsitzender der „Knappen“

Schalke-Boss Schröder sieht S04 besser als RB Leipzig – und fordert mehr TV-Geld

Schalke 04 zählt zu den Top drei in Deutschland, sagt S04-Vorstand Bernd Schröder. Das solle auch bei der Verteilung der TV-Gelder sichtbar werden.

Gelsenkirchen – Der FC Schalke 04 steht sportlich wie finanziell nicht gut dar. Der Bundesliga-18. weist Verbindlichkeiten von über 180 Millionen Euro auf. Der Wiederaufstieg war wichtig für den Klub, um die Einnahmen wieder steigern zu können, wie etwa bei den TV-Geldern.

Schalke 04 fordert mehr Geld: Boss Schröder sieht S04 besser als RB Leipzig

„Im Unterschied zur Erstliga-Saison mussten wir ein Minus von über 50 Millionen Euro bei den Fernsehgeldern verzeichnen. Dass wir allein in diesem Bereich dank des Aufstiegs einen Anstieg von rund 20 Millionen verzeichnen, unterstreicht, wie wichtig die Rückkehr in die Bundesliga für Schalke 04 war“, sagte S04-Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers, die kürzlich ihren Vertrag verlängerte, mit Blick auf die Halbjahreszahlen im Herbst.

Bernd Schröder, im Januar 2022 von Bayer Leverkusen zum FC Schalke 04 gekommen, spricht in einem Bild-Interview jetzt über die Verteilung der TV-Gelder. Der Vorstandsvorsitzende ist unzufrieden mit der Verteilung und fordert ein anderes Konzept. So sei der S04 stärker zu gewichten, als etwa RB Leipzig.

Schalke-Boss Bernd Schröder fordert eine andere Verteilung der TV-Gelder.

Schalke 04 kassiert 44,2 Millionen Euro an TV-Gelder

Die DFL schüttet in der Saison 2022/23 insgesamt 1,053 Milliarden Euro an die 18 Bundesliga-Klubs aus. Schalke 04 steht mit Blick auf die Einnahmen aus der nationalen und internationalen Vermarktung mit 44,2 Millionen Euro auf dem 15. Platz. Nur der VfB Stuttgart (41,7), SV Werder Bremen (36,8) und VfL Bochum (33,3) kassieren weniger. Angeführt wird die Rangliste vom FC Bayern (90,2), Borussia Dortmund (80,1) und RB Leipzig (78,3).

„Wir wollen eine Diskussion über eine gerechtere Verteilung der TV-Gelder anstoßen. Wer mehr Quote garantiert, sollte auch mehr Geld bekommen“, so Bernd Schröder gegenüber der Bild. Der Vorstandsvorsitzende führt neben dem S04 auch Bayern, Dortmund, Frankfurt, Bremen und Köln als Klubs an, die „die Bundesliga attraktiv halten und Tausende von Fans in die Stadien und vor den Fernseher locken“.

Schalke-Boss Bernd Schröder möchte stärkere Gewichtung des Faktors „Interesse“ bei den TV-Geldern

Bei der Verteilung setzt die DFL auf ein Vier-Säulen-Modell. Bislang werden 53 Prozent der nationalen TV-Geld-Erlöse gleich verteilt, jeder Bundesligist erhält einen Sockelbetrag von 26 Millionen Euro. Weitere 42 Prozent werden aufgrund der „Leistung“ der Klubs verteilt. Drei Prozent fallen unter den Faktor „Nachwuchs“, zwei Prozent gehen auf das „Interesse“ zurück.

Laut dem S04-Boss solle künftig dem Faktor „Interesse“ eine stärkere Gewichtung zukommen, der S04 zähle zu den Top drei in Deutschland. „Welche Spiele gucken denn die Fans? Das sind insbesondere die Spiele von Bayern, Dortmund und Schalke. Wir sind ein großer Player im deutschen Fußball, wissen um unseren Wert“, so Bernd Schröder gegenüber der Bild.

Schalke-Vorstand Bernd Schröder möchte höhere TV-Quote „auf unserer Abrechnung sehen“

Ein Blick in die Vergangenheit gibt Bernd Schröder recht: In der letzten Bundesliga-Saison mit S04-Beteiligung, 2020/21, stand der FC Schalke 04 in der Quotentabelle von Sky auf Platz drei. 635.645 Zuschauer sahen im Schnitt bei Einzelspielen der Königsblauen zu. Nur der FC Bayern (1,05 Millionen) und Borussia Dortmund (778.161) hatten eine noch bessere Quote.

RB Leipzig folgte dem S04 auf Platz vier (553.933 Zuschauer), den VfL Wolfsburg (340.366), die TSG Hoffenheim (311.500) oder den SC Freiburg (278.267) hängten die „Knappen“ deutlich ab. Das solle laut Bernd Schröder auch in der Verteilung der TV-Gelder zu sehen sein: „Dafür zahlen die Rechteinhaber, also muss man das am Ende auch auf unserer Abrechnung sehen.“

TV-Gelder der Bundesliga-Klubs: Aufschlüsselung bis Saison 2024/25 fix

Vorerst wird sich aber an der Verteilung nichts ändern. Das DFL-Präsidium hat bereits die Aufschlüsselung der TV-Gelder inklusive der Spielzeit 2024/25 festgelegt.

Der FC Schalke 04 hat sowieso andere Sorgen. Als Tabellen-18. der Bundesliga muss sich der S04 für die zweite Liga wappnen, wie WA.de berichtet.

Die vier Säulen der TV-Gelder und die internationalen Erlöse

Säule 1 („Gleichverteilung“): Jeder Klub erhält den gleichen Sockelbetrag. Umfasst in den Saisons 2021/22 und 2022/23 jeweils 53 Prozent der Erlöse, 2023/24 und 2024/25 sind es jeweils 50 Prozent.

Säule 2 („Leistung“): Gerechnet wird nach einer getrennten Fünf-Jahres-Wertung der Klubs für die Bundesliga und zweite Liga im Verhältnis 5:4:3:2:1, beginnend mit der zuletzt gespielten Saison (24,5 Prozent). Weitere 17 Prozent entfallen auf eine nach derselben Gewichtung errechnete, aber durchgängige Fünf-Jahres-Wertung aller 36 Klubs. Die restlichen 0,5 Prozent entfallen auf eine durchgängige Zehn-Jahres-Wertung aller 36 Clubs, bei der alle Spielzeiten (beginnend mit der zuletzt gespielten) gleich gewichtet werden.

Säule 3 („Nachwuchs“): Zwei Drittel entfallen auf Einsatzminuten für junge Talente. Berücksichtigung finden alle Begegnungen, einschließlich der Saison des 23. Lebensjahres. Ausländische Spieler müssen vor Vollendung des 15. Lebensjahres bei einem im Bereich des DFB befindlichen Klub registriert sein. Das weitere Drittel entfällt auf die Ausbildung der eingesetzten jungen Spieler. Der betrachtete Zeitraum beginnt mit der Spielzeit des 12. Lebensjahres. Die jeweils aktuelle Saison wird nicht einbezogen, da diese bereits über den Einsatz eines Spielers honoriert wird. 

Säule 4 („Interesse“): Drei Prozent werden proportional gemäß dem Interesse an den Klubs auf Basis der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse verteilt. Die AWA fragt hierfür das Interesse an den Clubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga unter der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren mittels einer repräsentativen Stichprobe auf Basis von rund 23.000 befragten Personen ab.

Internationale Erlöse: 35 Prozent der Erlöse werden als Sockelbetrag gleichmäßig an alle 18 Klubs der Bundesliga ausgeschüttet. Weitere 50 Prozent werden anhand einer Fünf-Jahres-Wertung mit Blick auf das internationale Abschneiden ausgekehrt. Dabei erfolgt die Verteilung proportional zu den in dieser Wertung erzielten Punkten. Die weiteren 15 Prozent werden für die Teilnahme an UEFA-Klubwettbewerben in den vergangenen zehn Jahren ausgeschüttet, wobei jede Teilnahme einen Punkt bedeutet.

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