Rassismus-Eklat: Fortuna-Boss Röttgermann schießt gegen Tönnies: "Ich wäre zurückgetreten"

Thomas Röttgermann, Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf, schießt gegen Clemens Tönnies, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des S04. Foto: Federico Gambarini/dpa
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Thomas Röttgermann, Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf, schießt gegen Clemens Tönnies, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des S04. Foto: Federico Gambarini/dpa

Zum ersten Mal hat ein Klub-Chef aus der Bundesliga Tönnies für seine rassistischen Aussagen öffentlich kritisiert. Das hat Röttgermann gesagt.

Der Rassismus-Eklat rund um Clemens Tönnies (63) beschäftigt schon längst auch die Bundesliga. Nun hat sich zum ersten Mal öffentlich ein Klub-Chef dazu geäußert und scharfe Kritik geübt. Thomas Röttgermann (58), Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf, hätte vor allem andere Konsequenzen gezogen.

  • Der Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf, Thomas Röttgermann, hat Clemens Tönnies öffentlich scharf kritisiert.
  • Nach den rassistischen Äußerungen wäre er zurückgetreten.
  • Trotzdem versuchte er, die Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden des S04 einzuordnen.

Zum ersten Mal hat ein Klub-Chef aus der Bundesliga öffentlich die rassistischen Aussagen von Clemens Tönnies scharf kritisiert. Thomas Röttgermann, Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf, hätte danach sogar andere Konsequenzen gezogen, als es der Vorstandsvorsitzende des S04 getan hat.

Röttgermann wäre an Stelle von Tönnies zurückgetreten

"Ich bin nicht Clemens Tönnies. Für mich kann ich aber sagen: Ich wäre zurückgetreten", so der Fortuna-Boss gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Weiter führte Röttgermann aus: "Beim Thema Rassismus und Diskriminierung gibt es für mich keinen Puffer. Wenn jemand so etwas gesagt hat, steckt hinter diesen Worten Geringschätzung gegenüber anderen Gruppen."

Tönnies mit Rassismus-Eklat beim "Tag des Handwerks"

Tönnies, der nach dem Rassismus-Eklat von Kevin-Prince Boateng (32) scharf kritisiert wurde, hatte am 2. August in seiner Rede beim "Tag des Handwerks" in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimagipfel kritisiert und stattdessen vorgeschlagen, lieber 20 Kraftwerke in Afrika zu finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau (38) wolle dem Aufsichtsratsvorsitzenden des S04 aber eine zweite Chance geben.

Schauspieler Peter Lohmeyer ist aus dem Verein ausgetreten

Der bekannte deutsche Schauspieler Peter Lohmeyer (57) hingegen trat als Mitglied aus dem Verein aus und kritisierte den Klub sowie Tönnies. Damit war der 57-Jährige nicht allein.

Die S04-Fans zeigten Tönnies beim DFB-Pokal-Spiel symbolisch die Rote Karte und dürften wohl auch beim ersten Bundesliga-Heimspiel der neuen Saison am Samstag (24. August) gegen den FC Bayern München sich zu Wort melden. Der bekannte Sterne-Koch und Deutsch-Afrikaner Nelson Müller (40) konnte den Tönnies-Worten aus bestimmten Gründen hingegen etwas Gutes abgewinnen.

"Wenn man sich diesen Satz zuvor überlegt, steckt ja Substanz dahinter. Dann ist diese Aussage definitiv rassistisch", so Röttgermann gegenüber der dpa.

Wenn man sich diesen Satz zuvor überlegt, steckt ja Substanz dahinter. Dann ist diese Aussage definitiv rassistisch.

Thomas Röttgermann

Der Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf sagt aber ebenfalls, dass Tönnies, den die Fans bei der neuen Anlaufstelle #stehtauf melden wollen, "in seiner Wahrnehmung vielleicht eine Rolle einnimmt, die es ihm nicht erlaubt zurückzutreten." Eine Begründung liefert er gleich hinterher.

Röttgermann glaubt, dass Tönnies selbst erschrocken gewesen sein könnte

"Vielleicht auch, weil er selbst erschrocken darüber ist, dass ihm eine solche Aussage vor Augen gehalten wird. Ihm dürfte vielleicht nicht klar gewesen sein, welche Geringschätzung aus den Aussagen spricht", so Röttgermann weiter.

Trotzdem beschäftigt sich die DFB-Ethikkommission mit den Aussagen von Tönnies. Eine Entscheidung wurde zuletzt aber vertagt.