Nach rassistischer Entgleisung: Rauball fordert Konsequenzen für Tönnies

Clemens Tönnies (li.) und Reinhard Rauball kennen sich bereits. Nun äußerte sich Rauball kritisch gegenüber den Aussagen des Schalke-Aufsichtsratsvorsitzenden. Foto: Bernd Thissen/dpa
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Clemens Tönnies (li.) und Reinhard Rauball kennen sich bereits. Nun äußerte sich Rauball kritisch gegenüber den Aussagen des Schalke-Aufsichtsratsvorsitzenden. Foto: Bernd Thissen/dpa

DFB-Präsident Reinhard Rauball hat sich kritisch gegenüber den Aussagen von Clemens Tönnies geäußert. Er fordert Konsequenzen von Schalke. Hier mehr lesen.

Nach den rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies (63) kritisierte nun auch DFB- und BVB-Präsident Reinhard Rauball (72) die Aussagen des S04-Aufsichtsratsvorsitzenden.

Im Juni 2019 wurde Tönnies erst wiedergewählt. Nach seiner Entgleisung mit der Aussage, man solle Kraftwerke in Afrika finanzieren, „dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren", erntete er nun Kritik von vielen Seiten. Jetzt hat sich auch der DFB-Präsident dazu geäußert.

Rauball: War sehr überrascht

Am Rande des Supercups zwischen Bayern München und dem BVB zeigte sich Rauball überrascht. Vor allem von der Reaktion des Vereins selbst.

"Ich war sehr überrascht, dass ihm das so passiert ist, und das kann man nicht durchgehen lassen, kommentarlos", erklärte der 72-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Nun hat sich der Ehrenrat von Schalke der Sache angenommen. Die Entscheidung des Gremiums stieß auf harte Kritik der Ultras GE.

Leider viel Applaus im Publikum

Aber nicht nur die mangelnde Reaktion des Vereins kritisierte Rauball. Für ihn sei die positive Reaktion des Publikums, welche auf Tönnies, dem Neffe Robert (41) Größenwahn vorwirft, rassistische Aussage mit Applaus antwortete, das größere Problem.

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Weiterhin verwies der BVB-Präsident auf die Werte des Fußballs und sagte: "Das ist etwas, was man in keinster Weise akzeptieren kann und was auch mit den Werten des Fußballs, so wie er in den Vereinen und wie er beim DFB und bei der DFL gelebt wird, überhaupt nicht in Einklang ist." Die Ethikkommission beriet sich über die Aussagen von Tönnies. Eine Entscheidung wurde vertagt.

Schneider und Wagner akzeptieren Entschuldigung

Nach den Testspielen in Mittersill, bei denen sich Schalke in guter Form zeigte, versuchten Sportvorstand Jochen Schneider (48) und Trainer David Wagner (47) zu schlichten. Schneider sagte: "Unsere Gesellschaft funktioniert so, dass sich ein Mensch entschuldigen kann und es danach weiter geht."

Er scheint Tönnies, der erst kürzlich weitere Transfers ankündigte, eine zweite Chance geben zu wollen. Von Gerald Asamoah (40) gab es indes scharfe Kritik an Tönnies.

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Wagner erklärte, dass die Äußerungen von Tönnies, der wohl für einen Rücktritt im Ehrenrat von Schalke gesorgt hat, zu verurteilen seien. Danach stimmte er seinem Sportvorstand jedoch zu und plädierte für eine zweite Chance. "In der Regel nehme ich Entschuldigungen an, weil ich sehe, dass die Menschen sehen, dass sie Fehler gemacht haben und das war in diesem Fall genau so." Alexander Nübel verteidigte Tönnies auch.

Update, Samstag (10. August), 13.21 Uhr:Jetzt meldet sich auch Nelson Müller zu Wort. Der bekannte TV-Koch meint, es sei gut, dass die Aussagen von Tönnies so gefallen seien. Das lege das Gedankengut vieler Menschen offen. Beim DFB-Spiel von Schalke protestierten die Fans zudem mit einer Choreographie. Der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau dagegen will Tönnies "eine zweite Chance geben".