Jordan Torunarigha von Hertha betroffen

Nach Rassismus-Vorfall im DFB-Pokal: DFB verkündet Strafmaß gegen den FC Schalke 04

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Jordan Torunarigha (r.) von Hertha BSC musste beim DFB-Pokal-Achtelfinale auf Schalke von seinen Mitspielern nach rassistischen Lauten gegen ihn beruhigt werden.

Der DFB hat den FC Schalke 04 im Rassismus-Eklat gegen Jordan Torunarigha zu einer Geldstrafe verdonnert. Die Ermittlungen selbst dauern aber noch an.

  • Jordan Torunarigha von Hertha BSC soll von Fans des FC Schalke 04 rassistisch beleidigt worden sein.
  • Das DFB-Sportgericht hat nun gegen den S04 ein Strafmaß verkündet.
  • Unabhängig davon dauern die Ermittlungen aber noch an.

Update, Dienstag (11. Februar), 15.46 Uhr: Gelsenkirchen - Jordan Torunarigha (22) von Hertha BSC hatte nach dem DFB-Pokal-Achtelfinale beim FC Schalke 04 angegeben, rassistisch beleidigt worden zu sein. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat deswegen nun ein Urteil gefällt.

Rassismus gegen Jordan Torunarigha: FC Schalke 04 kassiert Geldstrafe

Demnach muss der FC Schalke 04 wegen unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro zahlen. Der S04 "begrüßt die schnelle Urteilsfindung und akzeptiert das Strafmaß des DFB vollumfänglich", ließ der Klub mitteilen.

Die Königsblauen hatten schon vor der Urteilsverkündung in der Causa Jordan Torunarigha beantragt, einen Teilbetrag für ein konkretes Projekt im Kampf gegen Rassismus verwenden zu dürfen. Der DFB gab dem Antrag statt.

FC Schalke 04 setzt weiteres Geld für Kampf gegen Rassimus ein

Der FC Schalke 04 darf und wird bis zu 16.000 Euro für die Durchführung von "Qualifizierungs­workshops, in denen Verhaltensleitfäden zum Umgang mit Rassismus und Diskriminierung erarbeitet werden, nutzen". Das muss bis zum 30. September diesen Jahres nachgewiesen werden.

Der Vorstand des FC Schalke 04 zeigt sich erfreut, dass die Anlaufstelle in der Veltins-Arena sinnvoll genutzt wird. So ging nach dem Vorfall gegen Jordan Toruranigha auch ein Hinweis ein.

Rassimus-Vorfall gegen Jordan Torunarigha: Ermittlungen dauern noch an

Eine offizielle Bestätigung des Rassismus-Vorfalls, der sich ganz ähnlich auch in der Dritten Liga im Spiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers zugetragen hat, bleibt aber noch immer aus. Die Ermittlungen dauern noch an, heißt es in der Mitteilung des S04.

Update, Donnerstag (6. Februar), 16.20 Uhr: Jordan Torunarigha (22) hat sich mit einem Statement auf Instagram zu den unrühmlichen Vorfällen in der Veltins-Arena im Rahmen des DFB-Pokalspiels zwischen Schalke 04 und Hertha BSC (3:2 n.V.) geäußert. Das Statement im Wortlaut.

Jordan Torunarigha: So eine Situation wie auf Schalke wühlt mich auf

"Ich wollte mich zu den Ereignissen nicht aus der Emotion heraus äußern, aber jetzt möchte ich das gerne nachholen. Ich bin in Deutschland geboren, ich bin hier aufgewachsen, habe hier mein Abitur gemacht, spreche Deutsch wie alle anderen, deshalb kann ich diese Äußerungen, wie sie von einigen Idioten während des Spiels gemacht wurden, in keinster Weise verstehen (so äußert sich Schalke-Boss Clemens Tönnies zu den Vorfällen beim S04).

Viele können nicht nachvollziehen, was das bedeutet und was sie damit bei den Menschen anrichten. Ich bin froh, dass ich das Glück habe, so einen Rückhalt durch meine Familie, meine Mitspieler und den Verein zu haben! Das haben vielleicht nicht alle in einer solchen Situation.

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Ich wollte mich zu den Ereignissen nicht aus der Emotion heraus äußern, aber jetzt möchte ich das gerne nachholen. Ich bin in Deutschland geboren, ich bin hier aufgewachsen, habe hier mein Abitur gemacht, spreche Deutsch wie alle anderen, deshalb kann ich diese Äußerungen, wie sie von einigen Idioten während des Spiels gemacht wurden, in keinster Weise verstehen. Viele können nicht nachvollziehen, was das bedeutet und was sie damit bei den Menschen anrichten. Ich bin froh, dass ich das Glück habe, so einen Rückhalt durch meine Familie meine Mitspieler und den Verein zu haben! Das haben vielleicht nicht alle in einer solchen Situation. Ich bin in Chemnitz geboren, habe das alles schon in der Jugendzeit durchlebt. Meine Eltern wurden beleidigt. Deshalb wühlt mich so eine Situation wie auf Schalke so auf und deshalb habe ich so emotional reagiert. Man kann sich seine Hautfarbe bei der Geburt nicht aussuchen und sie sollte auch völlig egal sein. Genauso selbstverständlich wie unterschiedliche Hautfarbe, Religion oder Herkunft unter uns Sportlern in der Kabine ist sollte es auch in unserer Gesellschaft sein!

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Ich bin in Chemnitz geboren, habe das alles schon in der Jugendzeit durchlebt. Meine Eltern wurden beleidigt. Deshalb wühlt mich so eine Situation wie auf Schalke so auf und deshalb habe ich so emotional reagiert. Man kann sich seine Hautfarbe bei der Geburt nicht aussuchen und sie sollte auch völlig egal sein. Genauso selbstverständlich, wie unterschiedliche Hautfarbe, Religion oder Herkunft unter uns Sportlern in der Kabine ist, sollte es auch in unserer Gesellschaft sein!"

In der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den SC Paderborn äußerte sich auch S04-Coach David Wagner zu dem Vorfall und hielt einen emotionalen Appell gegen Rassismus.

Erstmeldung vom 5. Februar, 12.34 Uhr: Sein emotionaler Ausbruch in der 99. Spielminute stand spätestens nach Abpfiff für alle Außenstehenden in einem ganz anderen Licht dar. Jordan Torunarigha (22) sah dennoch für unsportliches Verhalten in der Verlängerung die Gelb-Rote Karte.

Rassismus-Skandal: Jordan Torunarigha von Hertha BSC von Schalke-Fans beleidigt

Dabei war diese Szene noch nicht einmal der unrühmliche Höhepunkt beim DFB-Pokal-Achtelfinale zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC (der Ticker zum Nachlesen). Ebenso wenig die Rote Karte, die in dem Zusammenhang gegen S04-Trainer David Wagner (48) verhängt wurde. Dessen Hilfe, dem Berliner Abwehrspieler hoch helfen zu wollen, wurde ihm als Tätlichkeit ausgelegt.

Viel schlimmer war jedoch das Geschehen rund um die 69. Spielminute. Nicht, weil das Spiel kurzzeitig unterbrochen werden musste, weil aus der Nordkurve Gegenstände auf den Platz flogen. Sondern vor allem, weil Jordan Torunarigha rassistisch beleidigt wurde.

Jordan Torunarigha laut Hertha-Kapitän Niklas Stark "heulend" auf dem Platz

Der gebürtige Chemnitzer hatte sich zuvor den Zorn der königsblauen Anhänger auf sich gezogen, die ihm Schauspielerei und Zeitschinderei unterstellten. "Ich habe es nicht gehört, aber Jordan war heulend auf dem Platz, da haben wir natürlich sofort nach gehört, was los sei", sagte Hertha-Kapitän Niklas Stark (24) nach dem Spiel.

Jordan Torunarigha berichtete seinen Mitspielern unter anderem von Affen-Lauten aus einer Fankurve des FC Schalke 04, der am 21. Bundesliga-Spieltag auf den SC Paderborn trifft (wir berichten im Live-Ticker), und war daraufhin ab sofort extrem aufgewühlt. "Ihr kennt ihn. Jordan ist ein emotionaler Spieler. Wenn aber so etwas mir gegenüber passiert wäre, wäre ich vermutlich auch ausgerastet. So etwas geht gar nicht. Das ist abstoßend", so Niklas Stark weiter.

Jordan Torunarigha: Gelb-Rote Karte in der Verlängerung auf Schalke

Das Spiel lief aber weiter. Für Jordan Torunarigha aber nur bis zur 99. Minute. Dann sah er von Schiedsrichter Harm Osmers (35) wegen unsportlichen Verhaltens die Gelb-Rote Karte.

Der Abwehrspieler von Hertha BSC war nach einer heftigen Grätsche von Omar Mascarell an der Seitenlinie auch mit Trainer David Wagner zusammengestoßen. Beim Aufstehen schmiss der 22-Jährige mit einer Getränkekiste um sich und riss sich vom helfenden S04-Trainer los.

Rassismus-Eklat auf Schalke: Hertha BSC informierte Schiedsrichter-Team

Die Gäste waren nach der Entscheidung außer sich - vor allem wegen der Vorgeschichte. Demnach hatte Hertha BSC das Schiedsrichter-Team auf die rassistischen Vorfälle hingewiesen. Schiedsrichter Harm Osmers reagierte aber offenbar nicht.

"Er wurde mehrfach rassistisch beleidigt. Er hat auf dem Platz geweint", sagte nach Spielschluss auch Trainer Jürgen Klinsmann (55). Er hatte, wie auch Schalke-Trainer David Wagner, von den rassistischen Äußerungen aber zunächst nichts mitbekommen.

Rassismus-Eklat auf Schalke: Trainer David Wagner entschuldigt sich stellvertretend

"So etwas dürfen wir nicht dulden. Wir müssen gegen Rassismus die Stimme erheben, das geht gar nicht", ergänzte Niklas Stark.

David Wagner, der von Schiedsrichter Harm Osmers zur Roten Karte gleich zwei kuriose Erklärungen erhielt, hatte bereits auf der obligatorischen Pressekonferenz nach Spielende reagiert und wiederholte später auf Nachfrage von RUHR24 seine Worte. "Ich wollte mich noch persönlich bei dem Jungen im Namen des FC Schalke 04 entschuldigen, aber er war schon im Bus. Ich habe nichts davon gehört, um ehrlich zu sein und während des Spiels haben wir nichts mitbekommen", sagte der 48-Jährige zunächst.

Nach dieser Szene sah Schalke-Trainer David Wagner die Rote Karte und Jordan Torunarigha von Hertha BSC die Gelb-Rote Karte.

Rassismus-Eklat auf Schalke gegen Jordan Torunarigha: S04 reagiert

"Wir wurden nicht informiert. Aber wenn solche Vorwürfe fallen, ist da entsprechend etwas dran und dementsprechend möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Das geht nicht und das brauchen wir nicht."

Am Tag nach dem Spiel reagierte der FC Schalke 04, dessen Partie gegen den SC Paderborn live im TV und im Live-Stream zu sehen ist, mit einer Stellungnahme. Die Aussagen "hinsichtlich rassistischer Aussagen und Laute" würden "sehr ernst" genommen werden. "Gemeinsam mit der Polizei Gelsenkirchen, dem Sicherheitsdienst und internen Quellen, wie beispielsweise der kürzlich eröffneten #stehtauf-Anlaufstelle, wird der Fall ausführlich geprüft."

"Vollidioten!" Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider verurteilt Rassismus-Vorfall

Bereits unmittelbar nach dem Spiel hatte auch schon Sportvorstand Jochen Schneider (49) Stellung bezogen. Der hatte zuvor schon mit Hertha-Manager Michael Preetz (52) gesprochen und sich informieren lassen, wie es Jordan Torunarigha gehe.

"Ich kann mich im Namen des FC Schalke 04 bei dem Jungen nur entschuldigen. Da gibt es null Toleranz, das ist nicht akzeptabel. Es ist überhaupt nicht zu verstehen. Da fehlt mir jegliches Verständnis, für Vollidioten dieser Art", so Jochen Schneider auf Nachfrage von RUHR24.

Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider entschuldige sich bei Jordan Torunarigha und Hertha BSC für den Rassismus-Eklat.

Rassismus-Eklat gegen Jordan Torunarigha: Schalke will Verantwortliche ausfindig machen

Beweise, dass es tatsächlich rassistische Vorkommnisse gegen Jordan Torunarigha gab, hatte der FC Schalke 04, der darüber hinaus eine erschütternde E-Mail mit Verweis auf einen Rassismus-Vorfall erhielt, zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch das spielte für den 49-Jährigen überhaupt keine Rolle.

Nach Rassismus-Eklat um Jordan Torunarigha: Schalke entschuldigt sich

"Ich war nicht dabei und ich habe es nicht gehört, aber ich gehe nicht davon aus, dass der Spieler das erfunden hat. Da bin ich voll bei dem Spieler. Warum soll er das in die Welt setzen, wenn da nichts dran ist? Wir können uns bei dem Jungen nur entschuldigen und alles dafür tun, dass wir diejenigen, die dafür verantwortlich sind, ausfindig machen und entsprechend mit den Konsequenzen belegen."

Jochen Schneider: Rassismus-Vorfall überschattet Schalke-Comeback gegen Hertha BSC

Vor dem Hintergrund, dass bei den Profis des FC Schalke 04 auch mehrere Kulturen und Hautfarben zusammenkommen, erscheint der Rassismus-Eklat in einem noch weniger nachvollziehbaren Licht. "Das passt gar nicht hier her. Ich habe auch noch nie gehört, dass so etwas hier in dem Stadion passiert ist", sagte Jochen Schneider.

Auf RUHR24-Nachfrage, ob der Vorfall das DFB-Pokalspiel zuvor überschatten würde, zögerte der Sportvorstand des S04 keine Sekunde. "Finde ich ja. Ja. Ja. Ja!"

Ob irgendwann noch mehr Freude aufkommt? Alle Informationen zur DFB-Pokal-Auslosung für das Viertelfinale 2020 gibt es hier. 

Am Sonntag (9. Februar) steht dann auch fest, auf wen der FC Schalke 04 in der nächsten Runde trifft. Doch auch dann wird das Achtelfinale über alles schweben.