Ein Kommentar

Die Kritik am möglichen Bundesliga-Restart ist scheinheilig - Lasset die Geisterspiele beginnen

Die DFL will die Bundesliga ab Mai mit Geisterspielen fortsetzen - die Gegenstimmen sind laut.
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Die DFL will die Bundesliga ab Mai mit Geisterspielen fortsetzen - die Gegenstimmen sind laut.

Die Kritik an einem möglichen Wiedereinstieg in die Fußball-Bundesliga ist scheinheilig. Die Geisterspiele sollten schnellstmöglich starten. Ein Kommentar.

  • Die Kritik an der Wiederaufnahme der Bundesliga im Mai ist groß.
  • Trotz des Konzepts der DFL halten viele die Fortsetzung für ein falsches Signal.
  • Die Debatte ist scheinheilig - die Spiele mögen beginnen, fordert RUHR24-Redakteur Christian Keiter.

Dortmund - "Panem et circenses" ("Brot und Zirkusspiele"). Schon in der Antike erkannte der römische Dichter Juvenal, wenn auch seinerzeit als Kritik an der Politikverdrossenheit der Bevölkerung vorgetragen, dass Brot und Spiele für die Laune der Menschen von essenzieller Bedeutung sind. Seit jeher dienen sportliche Wettkämpfe der Unterhaltung und sind aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken.

Trotz Coronavirus: Geisterspiele zur Fortsetzung der Bundesliga sind für alle ein Gewinn

In Zeiten der Coronavirus-Pandemie scheint diese Erkenntnis aktueller denn je zu sein. Dabei geht es anders als im alten Rom nicht mehr darum, mit Brot und Spielen vom zweifelhaften politischen Handeln der Machthaber abzulenken. Vielmehr sollte es das Ziel sein, in einer schwierigen Zeit für ein Stück Normalität und Ablenkung zu sorgen. Die Bundesliga kann das - wenn man sie denn lässt.

Trotzdem ist die Kritik am angedachten Wiederbeginn der Bundesliga im Mai laut. Oft ist von einem verheerenden Signal an andere Bereiche der Gesellschaft die Rede. Das deutsche Fußball-Oberhaus würde eine Sonderrolle beanspruchen, die angesichts der zahlreichen Einschränkungen, welche etliche Bürger Tag für Tag in Kauf nehmen müssen, nicht zu vertreten sei. Was für ein Quatsch.

DFL legt ausführliches Konzept vor: Geisterspiele in der Bundesliga wegen Corona sind keine "Sonderrolle"

Aus freien Stücken hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Spielbetrieb in der Bundesliga vorerst eingestellt. Aus freien Stücken hat die DFL in der Zwischenzeit ein Konzept zur Wiederaufnahme der beiden höchsten deutschen Spielklassen ausgearbeitet, das führende Politiker überzeugt hat und aus Sicht der Virologen umsetzbar ist.

Die dafür nötigen rund 20.000 Labortests werden von vielen kritisiert. Es könne nicht sein, dass Profifußballer regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden, während der Rest der Bevölkerung in Ungewissheit leben muss. Warum nicht? Der Fußball beschafft sich die Testkits auf dem Weltmarkt selbst und kommt dafür auf, die Kapazitäten in den Laboren sind ohnehin bei weitem nicht ausgeschöpft. Kein Fußballer des Landes wird also irgendjemandem "etwas wegnehmen."

In anderen Bereichen der Gesellschaft werden die ergriffenen Maßnahmen auch sukzessive gelockert, sofern ein entsprechendes Schutz- und Hygienekonzept vorhanden ist. Dem Profifußball das nicht zu erlauben wäre in gewisser Weise auch eine Sonderbehandlung - eine unverhältnismäßige Benachteiligung.

Ein Abbruch der laufenden Spielzeit könnte für den finanziell angeschlagenen FC Schalke 04 den K.o. bedeuten.

Fan-Ansammlungen bei Geisterspielen in der Bundesliga vor dem Stadion? Es ist sowieso verboten

Ähnlich albern ist die Befürchtung, dass bei einer Fortsetzung der Bundesliga mit Geisterspielen die Fans vor den Stadien zusammenkommen und das Kontaktverbot sprengen würden. Zum einen haben etliche Fanszenen in Stellungnahmen davon bereits Abstand genommen. Zum anderen ist es ohnehin verboten.

Natürlich lädt ein Geisterspiel dazu ein, sich mit Freunden zu treffen und gemeinsam die eigene Mannschaft zu unterstützen. Genauso lädt das schöne Frühlingswetter dazu ein, im Park den Grill anzuschmeißen und gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen. Dennoch ist beides nicht erlaubt.

Setzt die Bundesliga mit Geisterspielen trotz Coronavirus fort - es geht um Existenzen

Die Vereine der Bundesliga sind letztlich auch nur Unternehmen, die bemüht sind, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise so gut es geht abzufedern. Mit Geisterspielen ist das möglich. Wenn Vereine wie der FC Schalke 04 Insolvenz anmelden müssen, geht es dabei um unzählige Arbeitsplätze und damit um Existenzen.

Video: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke befürchtet heftige Auswirkungen der Corona-Krise

Zu bemitleiden sind dabei nicht die hoch dotierten Spieler und Trainer der Lizenz-Kader, sondern viel mehr die unzähligen, normal verdienenden Mitarbeiter in anderen Bereichen der Vereine. Allein die Bundesliga zählt vereinsübergreifend zehntausende Beschäftigte. Deren Existenz unter dem Deckmantel der Solidarität unnötig zu gefährden, ist das genaue Gegenteil von solidarischem Handeln. "Ludi incipiant" ("Die Spiele mögen beginnen") - lieber heute als morgen.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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