Kommentar

Schalke enttäuscht auf dem Transfermarkt: Tauschen ist nicht verstärken

Bislang enttäuscht Schalke 04 auf dem Winter-Transfermarkt. Statt sich zu verstärken, hat der S04 lediglich Spieler ausgetauscht. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen – Nach der langen Winterpause beginnt für den FC Schalke 04 am Samstag (21. Januar, 15.30 Uhr) mit dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt die große Aufholjagd im Jahr 2023. Mit dabei sind zwei externe und anderthalb interne Neuzugänge. Wirklich verbessert hat sich die Mannschaft dadurch aber nicht, meint RUHR24-Redakteur Christian Keiter.

Schalke enttäuscht auf dem Transfermarkt: Vom angekündigten „Nachrüsten“ ist nichts zu sehen

Dabei hatte S04-Sportvorstand Peter Knäbel bereits Ende Oktober angekündigt, das Transferfenster im Winter nutzen zu wollen. „Wir werden auf jeden Fall nachrüsten“ und „Es ist unsere Pflicht, den Kader zu verstärken“, sagte der 56-Jährige der Bild. Worten, denen allerdings nur wenige Taten folgten (Transfer-News zum S04 bei RUHR24).

Eine dieser Taten: Schalke verlieh Linksverteidiger Kerim Calhanoglu an den SV Sandhausen. Um die dadurch entstandene Lücke auf der Linksverteidiger-Position zu schließen, liehen sich die „Knappen“ ihrerseits Jere Uronen von Stade Brest aus. Der Finne tauschte den Abstiegskampf in Frankreich, wo er kaum zum Zug kam, gegen den Abstiegskampf in der Bundesliga ein.

Schalke-Transfers im Winter: S04 tauscht Calhanoglu gegen Uronen und Flick gegen Tauer

Ob Uronen als Ouwejan-Backup ein Upgrade im Vergleich zu Calhanoglu ist, bleibt abzuwarten. Die ersten Testspiel-Eindrücke waren zumindest ordentlich. Ob der 28-Jährige allerdings das Zeug zum Gamechanger für die Mission Klassenerhalt hat, darf bezweifelt werden.

Noch fragwürdiger ist der zweite Tausch, den die Gelsenkirchener in der Winterpause vorgenommen haben. Schalke gab U-Nationalspieler Florian Flick auf Leihbasis an den 1. FC Nürnberg ab, im Gegenzug kam U-Nationalspieler Niklas Tauer auf Leihbasis von Mainz 05 zum S04. Beide Spieler sind im defensiven Mittelfeld beheimatet.

Niklas Tauer (l.) soll für Schalke eine größere Hilfe sein als Florian Flick.

Die Verpflichtung von Tauer begründete Knäbel damit, dass der Spieler in den „relevanten Daten“ besser sei als Flick. Welche das sein sollen, bleibt vorerst abzuwarten. Eine Antwort darauf wird es frühestens im Februar geben. Bis dahin fällt der 21-Jährige mit einem Muskelfaserriss aus.

Skarke-Transfer zu Schalke geplatzt: Die größte Baustelle im S04-Kader ist noch immer offen

Bislang hat Schalke lediglich zwei Spieler ausgetauscht, statt den Kader wie angekündigt „nachzurüsten“. Doch das ist nicht einmal die größte Enttäuschung des bisherigen Winter-Transferfensters. Denn die wichtigste Baustelle in der eigenen Mannschaft wurde überhaupt nicht angegangen: die Außenbahn.

Dort fehlte es Schalke in den ersten 15 Bundesliga-Spielen an allem: Tempo, Torgefahr, gefährliche Flanken. Die Wunschlösung für diesen Missstand war früh kein Geheimnis mehr: Tim Skarke von Union Berlin sollte zum S04 wechseln. Mit dem Spieler war man sich seit Wochen einig und auch mit dem Verein soll, so hört man, zu Jahresbeginn eigentlich der Durchbruch in den Verhandlungen erzielt worden sein.

Der Wechsel von Tim Skarke zum S04 ist in letzter Sekunde geplatzt.

Siegessicher sprachen die Schalker Verantwortlichen in Interviews und sogar auf der eigenen Vereinshomepage bereits über Skarke, als würde er schon dem eigenen Kader angehören. Doch in letzter Minute schob Union-Trainer Urs Fischer dem Transfer einen Riegel vor. Der Wechsel von Skarke zu Schalke ist geplatzt.

Schalke 04 hat mit Soichiro Kozuki nur eine wirkliche Verstärkung für den Klassenerhalt

Dem S04 fehlt somit nicht nur weiterhin die dringend benötigte Verstärkung für die Außenbahn, der Klub hat zudem keine gute Figur in der Außendarstellung gemacht – wenngleich Union hier womöglich eine Teilschuld trifft. Natürlich bleibt formal noch Zeit, um sich um eine Alternative zu Skarke zu bemühen. Das Transferfenster schließt erst am 31. Januar.

Doch welcher Flügelspieler auch immer noch verpflichtet werden sollte, er wird auf Schalke mit dem Laster starten, nur die B-Lösung gewesen zu sein. Noch dazu kann ein Neuzugang schon jetzt nicht mehr vernünftig im Team integriert werden. Die Bundesliga startet bereits in wenigen Tagen. Mit fünf Punkten Rückstand muss Königsblau allerdings direkt angreifen – und nicht erst Anfang Februar, wenn der Kader komplett und eingespielt ist.

Schalke-Coach Thomas Reis muss die Aufholjagd im neuen Jahr ohne den gewünschten Flügel-Neuzugang bewältigen.

Soichiro Kozuki aus der Schalker U23 ist somit wenige Tage vor der schwierigen Auswärtspartie bei Eintracht Frankfurt der einzige „Neuzugang“, der den Kader tatsächlich verstärkt und nicht nur einen anderen Spieler ersetzt. Zwar wurde beim S04 auch Keke Topp aus der U19 befördert. Der 18-Jährige ist aber zunächst nur als temporärer Ersatz für den verletzten Sebastian Polter eingeplant.

Schalkes enttäuschender Transfer-Winter: Will der S04 den Abstieg überhaupt verhindern?

Nimmt man eine Bewertung der Schalker-Transferaktivitäten im Winter vor, muss natürlich berücksichtigt werden, dass der Zweitliga-Aufsteiger kaum Budget zur Verfügung hat. Doch mit kreativen Ideen und klugen Transfers lässt sich auch mit wenig Geld eine gute Mannschaft zusammenstellen. Das hat der geschiedene Sportdirektor Rouven Schröder nach dem Bundesliga-Abstieg 2021 bewiesen. Genau diese Kreativität lässt das aktuelle Schalker Transfer-Team um Sportvorstand Knäbel jedoch vermissen.

Vielleicht sind Peter Knäbel, René Grotus und André Hechelmann kein Rouven Schröder. Vielleicht gibt der Markt in diesem Winter tatsächlich nicht mehr her. Doch zunehmend stellt sich neben der Frage, ob Schalke sich den Klassenerhalt leisten kann, auch die Frage, ob Schalke sich den Klassenerhalt überhaupt leisten will.

Die Transfer-Bilanz von Peter Knäbel ist bislang überschaubar.

Es wirkt nicht so, als würden die „Knappen“ angesichts des drohenden Wiederabstiegs noch einmal „All-In“ gehen. Intern mag man das mit der finanziellen Vernunft und der Nicht-Gefährdung der Zweitliga-Lizenz begründen. Von außen wirkt es so, als hätte Schalke bereits resigniert und würde schon jetzt die neue Saison in der 2. Bundesliga planen.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Tim Rehbein/RHR-FOTO

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