Kabak, Todibo, Miranda und Co.

Kommentar: Schalkes Verjüngungskur ist riskant und alternativlos zugleich

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Der FC Schalke 04 setzt auf junge Talente wie Rabbi Matondo (l.) und Jean-Clair Todibo.

Der FC Schalke 04 setzt voll auf junge Talente aus dem In- und Ausland. Ein riskantes Vorhaben, bei dem der S04 allerdings kaum eine Alternative hat. Ein Kommentar von RUHR24-Redakteur Christian Keiter.

  • Der FC Schalke 04 setzt in Sachen Transfers voll auf junge Talente.
  • Mit Jean-Clair Todibo steht ein weiterer 20-Jähriger vor einem Wechsel zum S04.
  • Die Transferpolitik ist alternativlos und birgt Risiken, denen der Klub allerdings vorbeugen kann.

Gelsenkirchen - Mit einem Altersschnitt von 24,9 Jahren hat der FC Schalke 04 bereits jetzt die drittjüngste Mannschaft der Bundesliga. Die bevorstehende Verpflichtung von Jean-Clair Todibo (20) , die RUHR24-Redakteur Raphael Wiesweg übrigens als überragenden Clou von S04-Sportvorstand Jochen Schneider (49) ansieht, wird diesen Schnitt nicht anheben - im Gegenteil.

FC Schalke 04 schraubt am jüngsten Altersschnitt der Liga

Dass der FC Schalke 04 auf junge Talente, wie den bescheidenen S04-Liebling Ahmed Kutucu (19), setzt, ist nichts Neues. Meistens entstammen diese allerdings aus der vereinseigenen "Knappenschmiede".

Neu ist hingegen, dass der S04 nun auch zahlreiche Talente aus dem In- und Ausland verpflichtet. Ozan Kabak (19), Juan Miranda (19), Markus Schubert (21), Rabbi Matondo (19) und der unmittelbar vor einem Wechsel zum FC Schalke 04 stehende Jean-Clair Todibo sind nur einige Beispiele.

FC Schalke 04: Enges finanzielles Korsett zwingt den S04 zur Talente-Jagd

Dass Jochen Schneider (49) und Co. diesen Weg einschlagen, überrascht wenig. Die vergangene Chaos-Saison hat dem FC Schalke 04 nicht nur Nerven, sondern auch eine Menge Geld gekostet. Ohne regelmäßige finanzielle Einnahmen aus dem internationalen Geschäft kann sich Königsblau die fertig ausgebildeten Stars schlichtweg nicht leisten.

Auch wenn die internationalen Plätze in der laufenden Saison überraschenderweise noch voll in Sichtweite sind, ist nicht davon auszugehen, dass der FC Schalke 04 in den kommenden fünf Jahren regelmäßig die Europa League oder gar die Champions League erreicht.

Junge Talente günstig einzukaufen und zu einem späteren Zeitpunkt für möglichst viel Geld weiter zu transferieren, ist deshalb eine logische und alternativlose Einnahmequelle für den S04. Allerdings birgt eine solche Transferpolitik Risiken.

Den Blick einige Kilometer Richtung Westen zu lenken, ist der beste Beleg dafür. Auch Borussia Dortmund hat in jüngerer Vergangenheit zahlreiche junge Talente nach Westfalen gelotst und sie zum Teil für astronomische Summen (Ousmane Dembele wechselte für 125 Millionen Euro zum FC Barcelona) weiterverkauft.

FC Schalke 04 muss ausgerechnet aus den Fehlern des BVB lernen

Allerdings musste der BVB auch, zum Teil schmerzlich, feststellen, dass Talente alleine nicht ausreichen, um die sportlichen Ziele zuverlässig zu erreichen. Nicht selten fehlte Schwarz-Gelb in großen Spielen der nötige Punch, weil nicht genug Spieler auf dem Platz standen, die mit solchen Situationen aufgrund ihrer Erfahrung umzugehen wussten.

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Borussia Dortmund hat darauf, wenn auch etwas spät, reagiert. Unter anderem wurden mit Mats Hummels (31) und Axel Witsel (31) nach und nach erfahrene Spieler verpflichtet, die eine Stütze im Kader und gleichermaßen Vorbild für die jungen Talente waren. Der FC Schalke 04 befindet sich in einer wesentlich komfortableren Position.

Denn die erfahrenen Spieler hat der S04 im Kader, er muss sie nicht einmal für viel Geld einkaufen. Mit Bastian Oczipka (31), Daniel Caligiuri (31), Benjamin Stambouli (29) und Co. haben die "Knappen" genau die nötige Erfahrung in den eigenen Reihen - allerdings befinden sich alle drei Akteure in ihrem letzten Vertragsjahr.

Es wird sich bis zum 30. Juni 2020 zeigen, ob die sportliche Führungsriege um Jochen Schneider und Michael Reschke (62) aus den Fehlern des BVB lernt. Denn Vertragsverlängerungen mit den drei Spielern sind ähnlich alternativlos, wie die momentane Transferpolitik.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.