Kommentar

Schalke-Bosse fordern mehr Transfer-Budget – doch das Problem ist der Trainer

Gelingt Schalke 04 der Klassenverbleib? Die S04-Bosse fordern offenbar Geld für weitere Transfers. Das Problem liegt aber woanders. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen – Der FC Schalke 04 hat sich das Saisonziel Klassenerhalt ganz dick auf die Fahne geschrieben. Als Bundesliga-Aufsteiger ist das keine Tiefstapelei, sondern purer Realismus. Doch kann der S04 das Ziel mit dem aktuellen Kader und Trainer Frank Kramer erreichen? RUHR24-Redakteur Marcel Witte fordert Veränderungen, ansonsten stehen die Chancen schlecht.

VereinFC Schalke 04
Gründung4. Mai 1904
OrtGelsenkirchen
StadionVeltins-Arena

Schalke-Bosse fordern höheres Transfer-Budget – doch der Trainer ist das Problem

Die sportliche Leitung des S04 schlägt aufgrund des Sparzwangs Alarm. Schon nach der 1:6-Niederlage gegen Union Berlin Ende August sollen Rouven Schröder, Frank Kramer und Mike Büskens um eine Erhöhung des Transfer-Budgets für kurzfristige Neuverpflichtungen gebeten haben. Wie Ruhr Nachrichten und Bild berichten, soll das Trio Zweifel daran haben, dass dem Kader den Klassenerhalt gelingt.

Doch der Aufsichtsrat und Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers lehnten die Bitte ab, der eingeschlagene finanzielle Weg solle nicht verlassen werden. Schließlich gäbe es mit höheren Ausgaben auch keine Garantie auf einen Erstliga-Verbleib. Denn der Kader kann den Klassenerhalt schaffen – die aktuelle Spielweise gibt aber zu Denken.

Schalke 04 verteidigt solide und kämpft – aber die Offensive ist zu harmlos

Man muss der Mannschaft des FC Schalke 04 zugutehalten: Sie kämpft bis zum Spielende, was im Gegensatz zur Abstiegsmannschaft der Saison 2020/21 schon ein enormer Fortschritt ist. Sie verteidigt – das Union-Spiel mal außen vor gelassen – auch ordentlich. Frank Kramer hat das Team in Sachen Fitness und Defensivverhalten gut eingestellt.

Was fehlt, ist aber ein funktionierendes Offensivspiel. Das Derby in Dortmund war ein Paradebeispiel für die Harmlosigkeit der S04-Offensive: Die Königsblauen brachten keinen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor. Kreative Ideen? Fehlanzeige! Mit-Aufsteiger Werder Bremen zeigte beim 3:2 gegen den BVB, dass es auch anders geht.

Schalke-Trainer Frank Kramer setzt beim S04 auf eine defensive Spielweise.

Schalke-Profis können für besondere Momente sorgen – spielen aber nicht

Die Spieler für ein attraktives Offensivspiel hätte der FC Schalke 04 aber. Rodrigo Zalazar, Marius Bülter oder Jordan Larsson etwa, die richtig eingesetzt für besondere Momente sorgen könnten. Ersterer kam aber zuletzt kaum zum Einsatz.

Auch auf der rechten Abwehrseite offenbart sich ein Dilemma. Frank Kramer hält lieber an seiner defensiven Spielweise fest und brachte in den vergangenen Partien Henning Matriciani als Rechtsverteidiger. Der 22-Jährige macht seine Sache in der Rückwärtsbewegung gut, es fehlt aber der Drang nach vorne. Diese Unbekümmertheit würde Mehmet Aydin bieten, der aber in der Bundesliga bislang nur einmal zum Einsatz kam – für drei Minuten gegen den VfL Wolfsburg.

Schalke-Trainer fehlt der Mut: Kein Risiko im Spiel des S04

Selbst wenn die S04-Bosse im Aufsichtsrat und Vorstand einer Erhöhung des Transfer-Budgets zustimmen würden, wäre das keine Garantie, dass es beim FC Schalke 04 unter Trainer Frank Kramer besser laufen würde. Die destruktive Spielweise, hinten gut stehen und auf Balleroberungen mit schnellen Umschaltmomenten lauern, würde bleiben. Ein Risiko geht der Coach nicht ein.

Schalke-Trainer Frank Kramer wollte mit dem S04 in Dortmund einen Punkt mitnehmen.

Gegen Dortmund nahm der 50-Jährige nach 58 Minuten den einzigen Akteur vom Platz, der zuvor mit seiner hohen Endgeschwindigkeit auf sich aufmerksam machte: Jordan Larsson. Für ihn betrat mit Kenan Karaman kein klassischer Flügelspieler den Rasen. Der Trainer beraubte seinem Team die Möglichkeit, über Tempo zum Erfolg zu kommen.

Nach 75 Minuten brachte Frank Kramer mit Alex Kral sogar einen Sechser für Offensivspieler Marius Bülter ins Spiel. Die Nachricht an das Team war unmissverständlich: „Wir gewinnen hier nicht, lasst uns den Punkt sichern.“

Drei Minuten später fiel das 1:0 für den BVB. Erst dann kam Rodrigo Zalazar ins Spiel und mit ihm neuer Schwung. Zuvor war eine Einwechslung des Uruguayers das Risiko offenbar nicht wert. Weitere Transfers würden also nur Sinn ergeben, wenn Frank Kramer diese Spieler auch zielbringend einsetzen würde.

Schalke 04 muss sparen: Ohne mutiges Auftreten ist der Klassenverbleib gefährdet

Ein gewisses Risiko auf dem Transfermarkt könnte dem FC Schalke 04 guttun. Doch die wirtschaftliche Sanierung des hochverschuldeten Klubs steht über allem. Wetten auf die Zukunft soll es nicht mehr geben.

Vor allem auf dem Platz braucht der S04 ein mutigeres Auftreten. Dass Schalke 04 Gegner wie den BVB oder den FC Bayern unter Druck setzen kann, scheint aktuell unter Trainer Frank Kramer nicht möglich – anders, als Mit-Aufsteiger Werder Bremen oder auch der FC Augsburg es tun. Halten die Königsblauen an ihrem Gesamtkonzept fest, drohen sie das Ziel Klassenverbleib selbst zu gefährden.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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