Tragische Entwicklung des Keepers

S04-Torwart Ralf Fährmann nur Ersatz: Warum es auf Schalke nicht zum Stammplatz reicht

Ralf Fährmann und der FC Schalke 04 haben gegen RB Leipzig das Nachsehen.
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Schalke-Torwart Ralf Fährmann muss seit Jahren immer wieder neue Rückschläge verkraften.

Verletzungspech und starke Konkurrenz: Ralf Fährmann kann sich bei den Königsblauen einfach nicht durchsetzen. Die tragische Entwicklung des Schalke-Torwarts.

Gelsenkirchen – Gerade in Zeiten, in denen beim FC Schalke 04 die Mentalität der Mannschaft regelmäßig infrage gestellt wird, sollte er ein Fels in der Brandung sein. Eine Identifikationsfigur für den S04. Doch Ralf Fährmann (32) schreibt die Misserfolgsgeschichte eines Malochers.

SpielerRalf Fährmann
Geboren27. September 1988 (32 Jahre)
VereinFC Schalke 04
Größe1,96 Meter

Ralf Fährmann beim FC Schalke 04: S04-Torwart kann sich nicht durchsetzen

Torwart Ralf Fährmann ist ein Schalker Eigengewächs. Seit 2003 spielt er bei den Königsblauen. Erst in der Knappenschmiede. Dann seit 2007 bei den Profis.

Er erlebte mit dem S04 Höhenflüge, aber auch Tiefschläge. Wobei die aktuelle Talfahrt wohl zu den schwärzesten Stunden der Königsblauen zählt. Dem S04 droht der Abstieg und ein XXL-Problem, da viele Verträge in der 2. Liga nicht gelten.

Ralf Fährmann (S04): Torwart bei Schalke spielt nur zweite Geige

Aber nicht nur der Verein durchläuft gerade eine Krise. Auch Ralf Fährmann ist wieder einmal nur Nummer zwei zwischen den Pfosten. Gesetzt ist laut S04-Trainer Manuel Baum (41) Leihgabe Frederik Rönnow (28). Doch das ist nur die Spitze einer Geschichte voll Verletzungspech und Rückschlägen.

Unter den Profi-Fußballern sind die Torhüter diejenigen, die am meisten von äußeren Entwicklungen und Vorfällen abhängig sind. Es kann nur einen geben, der zwischen den Pfosten steht. Und da, wo im Feld auch durch Verletzungen und Rote Karten automatisch immer eine große Rotation entsteht, kann ein Torwart manchmal über Jahre seinen Stammplatz im Kasten haben.

Ralf Fährmann: Schalke-Torwart wird Opfer unglücklicher Umstände

Bei Ralf Fährmann sind viele unglückliche Umstände zusammengekommen. Immer wieder musste der Schalke-Torhüter auf die Ersatzbank. In seiner ersten Profisaison war er die dritte Wahl nach Stammtorhüter Manuel Neuer (34) und Ersatzmann Mathias Schober (44), dem heutigen Sportlichen Leiter der U9 bis U15.

2009 wechselte er dann zur Eintracht nach Frankfurt, konnte sich dort aufgrund von Verletzungspech aber auch nicht durchsetzen. 2011 trat Ralf Fährmann die Rückkehr zum FC Schalke 04 an. Doch seine Misere nahm kein Ende. Er verletzte sich wieder und spielte nach seiner Genesung erneut nur eine Nebenrolle.

FC Schalke 04: Ralf Fährmann von Verletzungspech verfolgt

Die S04-Torhüter Lars Unnerstall (30), Timo Hildebrand (41) und Mathias Schober wurden ihm vorgezogen. Erst im November 2013, am 14. Spieltag, schaffte es Ralf Fährmann, sich an die Spitze zurückzukämpfen. „Ich habe lange auf meine Chance gewartet“, sagt er. „Fast zwei Jahre, das ist eine lange Zeit“, sagte er damals im Tagesspiegel.

Ralf Fährmann verletzte sich beim Spiel gegen RB Leipzig. Jetzt ist Frederik Rönnow die Nummer 1 bei Schalke.

Doch Ralf Fährmann wäre nicht Ralf Fährmann, wenn dem Erfolg nicht wieder Verletzungspech folgen würde. 2015, im Trainingslager, zog er sich wieder eine Blessur am Kreuzband zu. Diese wog aber nicht allzu schwer. Er wurde nach seiner Genesung wieder Schalkes Nummer 1.

Ralf Fährmann: S04-Leihe nach England als persönlicher Tiefpunkt

Bis Domenico Tedesco (35) 2017 Trainer bei S04 wurde. Ralf Fährmann verlor den Zweikampf gegen Alexander Nübel (24) und spielte fortan wieder nur die zweite Geige.

Auch bei seiner Leihgabe nach Norwich in der Premier League hatte er kein Glück, sodass das Leihgeschäft nach nur einem halben Jahr wieder abgebrochen wurde, weil er nicht zum Zug kam. Noch unglücklicher verlief es dann beim norwegischen Club Brann Bergen. Er kam nur auf eine Halbzeit in einem Testspiel, ehe wegen Corona der Saisonbeginn verschoben werden musste und der Schlussmann deswegen seine Heimreise zum FC Schalke 04 antrat.

S04-Torwart Ralf Fährmann: Comeback in Gelsenkirchen beim FC Schalke 04

Die wenigen Einsätze über einen längeren Zeitraum sorgten für Frust beim Schalke-Torwart. Doch Ralf Fährmann zeigte bei den Königsblauen wieder Leistung. David Wagner (49), der zu Beginn der Saison 2020/21 noch S04-Trainer war, lobte ihn ausdrücklich.

„Seit seiner Rückkehr nach Gelsenkirchen vor fünf Monaten hat er sich - nach einem für ihn persönlich schwierigen Jahr mit wenig Spielzeit - kontinuierlich gesteigert. Gerade in den vergangenen Wochen hat Ralle bewiesen, dass auf ihn zu 100 Prozent Verlass ist“, so Wagner. Ralf Fährmann habe zu alter Stärke zurückgefunden.

Schalke-Torwart Ralf Fährmann: Verletzungspech hält an – Torhüter wieder nur Nummer 2 bei S04

Doch das Glück und das Vertrauen hielt nicht lange an. Bei der 0:4-Pleite vom FC Schalke 04 gegen RB Leipzig am 3. Spieltag verletzte sich Ralf Fährmann schon wieder. Frederik Rönnow kam ins Tor – und ist seitdem gesetzt. Ralf Fährmann war und ist wieder nur die Nummer 2.

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Der erneute Rückschlag war nicht leicht. Schalke-Trainer Manuel Baum verriet gegenüber der WAZ die Reaktion des 32-Jährigen: „Er ist da professionell mit umgegangen. Dass er sehr enttäuscht war, ist normal und gut. Das Wichtige war die Reaktion im Training - und da haben wir nicht gemerkt, dass er den Kopf runternimmt. Im Gegenteil: Der hat weiter Gas gegeben.“

Ralf Fährmann: Leidensgeschichte beim FC Schalke 04

Was die Sache bei Ralf Fährmann allerdings noch ein wenig problematischer macht: Ein Wechsel täte ihm besonders weh. Denn der FC Schalke 04 ist für ihn mehr als nur ein Arbeitgeber.

Er macht keinen Hehl aus seiner tiefen Verbundenheit mit diesem Verein, die für einen Fußball-Profi eher untypisch ist. Schalke ist für ihn nicht nur ein Brötchengeber. Schalke ist für ihn eine emotionale Heimat.

Wie es für den S04-Torwart weitergeht, steht in den Sternen. Sicher ist aber, dass kaum ein Profi im Verlaufe seiner Karriere so viel Pech gehabt haben dürfte wie Ralf Fährmann.