Mega-Krise beim FC Schalke 04

Jochen Schneider droht beim S04 das Aus: Warum der Sportvorstand um seinen Job bangen muss

Jochen Schneider trat im März 2019 den Posten als Sportvorstand beim FC Schalke 04 an. Die Meinungen über ihn gehen auseinander. Ein Blick auf beide Seiten.

Gelsenkirchen – Der FC Schalke 04 geht aktuell wohl durch die schwerste Krise in der Bundesliga seit dem Abstieg im Jahr 1988. Die Serie von 25 Spielen ohne Sieg nagt am gesamten Verein. Seit Sportvorstand Jochen Schneider (50) Anfang März 2019 seine Arbeit beim S04 aufnahm, konnten die Königsblauen erst elf von 54 Spielen in der Liga gewinnen.

NameJochen Schneider
Geboren13. September 1970 (Alter 50 Jahre), Mutlangen
Funktion beim FC Schalke 04Sportvorstand

FC Schalke 04: Jochen Schneider ist nicht alleinverantwortlich für die Krise des S04

Natürlich kann man dem Sportvorstand die aktuelle Krise nicht komplett ankreiden. Der 50-Jährige ist bemüht, zuletzt plauderte Jochen Schneider sogar eine offenbar geheime und zugleich wichtige Vertragsverlängerung beim FC Schalke 04 in einer Talkrunde aus. Dazu kommt die finanzielle Situation des S04. Ein Sparkurs war unumgänglich, um die Königsblauen überhaupt am Leben zu halten.

Dazu kommt, dass Jochen Schneider als Verantwortlicher mit einem Team konfrontiert wurde, dass den Transfer-Summen, die für die Spieler in der Vergangenheit gezahlt wurden, nicht gerecht wird. Ein Beispiel: Nabil Bentaleb (26), bei dem dem FC Schalke 04 ein Transfer-Verlust und sogar eine Klage droht. Einst war der Algerier für insgesamt 19 Millionen Euro zum S04 gewechselt.

FC Schalke 04: Jochen Schneider verleiht Sebastian Rudy und spart Geld beim S04

Auch dafür, dass Sebastian Rudy (30) knapp 5 Millionen Euro auf Schalke verdienen soll, kann Jochen Schneider nichts. Der Deal mit der TSG Hoffenheim, dass der S04 einen Teil des Gehalts weiter bezahlt, obwohl der 30-Jährige an den Ligakonkurrenten ausgeliehen ist, wirkt auf den allerersten Blick nicht nachvollziehbar. Jedoch sparen die Königsblauen dadurch viele Millionen Euro.

Die Trennung von Michael Reschke (63), für den vier Nachfolger inklusive einer Vereinsikone beim FC Schalke 04 gefunden wurden, wirft allerdings Fragen auf. Ursprünglich war der 63-Jährige als Kaderplaner mit einem großen Netzwerk angepriesen worden, wodurch sich viele S04-Fans durchaus interessante Transfers erhofften. Der große Rivale BVB macht es den Königsblauen in der Nachbarschaft mit Spielern wie Jude Bellingham (17), Giovanni Reyna (18), Jadon Sancho (20) oder Erling Haaland (20) vor.

Jochen Schneider ist seit März 2019 beim FC Schalke 04 als Sportvorstand tätig.

„Letztlich hatten wir eine unterschiedliche Auffassung über die sportliche Zukunft des Vereins“, erklärte Jochen Schneider die Trennung von Michael Reschke. Die Sport Bild beschrieb das mit der Zeit immer angespanntere Verhältnis der beiden Verantwortlichen als „professionell“.

FC Schalke 04: Jochen Schneider stellt Michael Reschke mit „großem Fachwissen“ vor

Durchaus kurios mutet daher die Vorstellung von Michael Reschke am 19. Mai 2019 auf der Homepage des S04 an. Damals sagte Jochen Schneider: „Er ist durch seine jahrzehntelange Arbeit im Profibereich auf nahezu allen Ebenen hervorragend vernetzt. Dazu besitzt er großes Fachwissen und Erfahrung – gerade im Bereich der Personalplanung im Profibereich.“

Innovative Ideen bei Transfers, vor allem als aufgrund der Corona-Krise das Geld auf Schalke nahezu komplett ausging, gab es so gut wie gar nicht. Der Wechsel von Ozan Kabak (20) vom VfB Stuttgart zum S04 klappte aufgrund der Verbindung von Michael Reschke zu seinem ehemaligen Arbeitgeber, die Leihe von Jonjoe Kenny (23) war auch ein kluger Schachzug. Michael Gregoritsch (26), Jean-Clair Todibo (20) und Juan Miranda (20) erwiesen sich aber als Fehl-Investitionen, wenngleich sie nur ausgeliehen waren.

Hinzu kommen die Transfers in der Saison 2020/21: Mit Goncalo Paciencia (26) betreibt der FC Schalke 04 sogar ein gefährliches Millionen-Spiel. Vedad Ibisevic (36) wurde nach nur 82 Tagen wieder vor die Tür gesetzt. Die Leihe von Frederik Rönnow (28) erwies sich als richtig, während der Leihvertrag mit Kilian Ludewig (20) letztlich wohl nur aufgrund von Trainer Manuel Baum (41) zustande kam.

FC Schalke 04: Jochen Schneider möchte seit März 2019 den S04-Kader umstrukturieren

Die Verantwortung der Transfers lag letztlich bei Jochen Schneider, dem Michael Reschke zuarbeiten sollte. Somit hat der Sportvorstand einen Anteil an der Misere. Denn die Liste der Negativ-Aspekte, die man dem 50-Jährigen zuschreiben kann, ist damit noch nicht abgeschlossen.

So hatte Jochen Schneider seit März 2019 die Möglichkeit, den Kader umzustrukturieren. Ein Blick auf die Aufstellung des FC Schalke 04 beim ersten Spiel unter der Ägide des neuen Sportvorstands am 8. März 2019 in Bremen zeigt: Von 18 Spielern, die damals auf dem Spielberichtsbogen des S04 standen, stehen zehn Akteure immer noch in Gelsenkirchen unter Vertrag.

Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider bemüht sich seit März 2019 den FC Schalke 04 wieder in die Erfolgsspur zu führen.

Übrigens unbeachtet der Tatsache, dass unter anderem mit Suat Serdar (23), Hamza Mendyl (23), Amine Harit (23) und Alessandro Schöpf (26) einige Spieler an diesem Tag fehlten, die ebenfalls im Dezember 2020 noch beim S04 unter Vertrag stehen.

FC Schalke 04: Jochen Schneider verlängert mit Guido Burgstaller und löst dann den Vertrag auf

Dazu kommen diskutable Vertragsverlängerungen und Transfer-Entscheidungen. Mit Guido Burgstaller (31) bis Juni 2022 sowie Bastian Oczipka (31) und Benjamin Stambouli (30) bis jeweils Juni 2023 verlängerte der FC Schalke 04 mit drei Spielern langfristig.

Bastian Oczipka ist der einzige Stammspieler dieses Trios, Guido Burgstaller hat den Verein mittlerweile sogar ablösefrei inklusive Abfindung verlassen – knapp anderthalb Jahre nach der Verlängerung im März 2019, eine der ersten Amtshandlungen von Jochen Schneider.

Video: Jochen Schneider: „Es ist ok, dass wir auf die Fresse kriegen“

Dazu kommt der Abgang von Daniel Caligiuri (32), dem beim FC Schalke 04 die Wertschätzung fehlte. In Augsburg zeigt der Offensivmann nun mit drei Toren und einer Vorlage in neun Bundesliga-Spielen, wie wertvoll er auch noch mit 32 Jahren sein kann.

Mit Trainer David Wagner (49) schien Jochen Schneider zunächst einen guten Fang gemacht zu haben. Doch nach 16 Spielen ohne Sieg in der Bundesliga beendete der FC Schalke 04 die Saison 2019/20 nur auf dem zwölften Rang. Der Sportvorstand hielt am Trainer fest – und stellte ihn letztlich nach dem zweiten Spieltag der Spielzeit 2020/21 frei.

FC Schalke 04: Jochen Schneider setzt sich bei der Trainer-Suche gegen den Aufsichtsrat durch

Die Verpflichtung von Manuel Baum unterliegt ebenfalls der Verantwortung des Sportvorstands. Dabei galt angeblich Jesse Marsch (47) von RB Salzburg als Favorit des Aufsichtsrats des FC Schalke 04. Verbessert hat sich die Lage des S04 unter dem neuen Trainer bislang nicht.

Die Liste der Kritikpunkte an Jochen Schneider ist lang. Er tauschte die Athletiktrainer aus und erhoffte sich eine Verringerung der Verletzungen. Aktuell hat der S04 jedoch zehn Ausfälle zu beklagen. Neuestes Beispiel von Mittwoch (2. Dezember): Ozan Kabak verletzte sich im Training des S04 und wurde mit einem Golf-Kart abtransportiert.

FC Schalke 04: Warum Jochen Schneider beim S04 das „ärmste Schwein“ sein könnte

Der FC Schalke 04 hält dennoch an seinem Sportvorstand Jochen Schneider fest. Letztlich wird auch der 50-Jährige am Erfolg oder Misserfolg des S04 gemessen. Zuletzt bezeichnete Schalke-Stürmer Mark Uth in einem Frust-Interview live im TV den Trainer Manuel Baum als „ärmstes Schwein“.

Diese Bezeichnung könnte auch auf Jochen Schneider angewandt werden. Schließlich übernahm er im März 2019 einen Klub, der bereits damals in einer Negativ-Spirale gefangen war. Die Bemühungen, den S04 langfristig wieder in die Erfolgsspur zu führen, scheiterten jedoch (bislang).

FC Schalke 04: Warum Jochen Schneider um seinen Job beim S04 bangen muss

Sollte die Krise des S04 weiter anhalten, dürften auf den Sportvorstand weitere unruhige Wochen auf Schalke zukommen. Er selbst sagte zuletzt im ZDF: „In so einer Situation verlassen Sie nicht die Brücke. Das macht man nicht. Sondern man stellt sich der Aufgabe und versucht, da im Team herauszukommen.“

Scheitert Jochen Schneider jedoch mit seiner Mission beim S04, wäre die gesamte Zukunft des Klubs gefährdet. Im Falle des Abstiegs würde der FC Schalke 04 vor einem XXL-Umbruch stehen, 13 Spieler hätten keinen Vertrag für die 2. Liga. Der Posten des Sportvorstands wäre wohl spätestens dann auch vakant.

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