Wie Assauer

Schalke-Legende Asamoah plant Boss-Rolle: „Ich will Manager werden“

Nach nur einem Jahr in der 2. Liga hat Gerald Asamoah mit Schalke 04 den Wiederaufstieg in die Bundesliga geschafft. Vor dem Saisonstart spricht „Asa“ im tz-Interview über seinen Job und seine Zukunftspläne.

Gelsenkirchen – Der FC Schalke 04 freut sich auf den ersten Bundesliga-Spieltag nach über einem Jahr. Zum Auftakt der neuen Saison ist Königsblau beim 1. FC Köln (7. August, 17.30 Uhr) zu Gast. Vor der Partie hat tz-Reporter Johannes Ohr mit Schalkes Lizenzspielerleiter Gerald Asamoah gesprochen.

Gerald Asamoah im Interview: „Für Schalke 04 geht es nur um den Klassenerhalt“

Wann spielt Schalke wieder Champions League?
Asamoah: Schalker träumen gerne (lacht). Aber wenn du als Aufsteiger in die Bundesliga kommst, musst du auf dem Teppich bleiben. Für uns geht es einzig und allein darum, dass wir möglichst schnell viele Punkte sammeln und mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Es geht in den nächsten beiden Jahren nur um den Klassenerhalt.
Haben Sie den Aufstieg schon verarbeitet?
Asamoah: Das war gar nicht so leicht. Als der Aufstieg feststand, konnte ich es zunächst gar nicht fassen. Der Druck, die Rückkehr in die Bundesliga schaffen zu müssen, war sehr groß. Es ist nicht einfach, draußen zu sitzen, nicht auf dem Platz zu stehen und nicht eingreifen zu können. Am Ende war die Freude riesengroß.
Wie kann Schalke in der Bundesliga bestehen?
Asamoah: Im vergangenen Jahr sind wir mit großer Demut an die Sache rangegangen. Viele Externe haben erwartet, dass wir durch die 2. Liga marschieren. Aber es war nicht einfach. Viele Vereine waren gerade gegen uns besonders motiviert. Deshalb war es wichtig, dass wir eine Mannschaft haben, die versteht, um was es geht und in welcher Liga wir spielen. Das hat sich jetzt nicht verändert. Wir brauchen ein Team, dass Lust auf die Aufgabe ‚Klassenerhalt‘ hat. Wir werden keinen Zauberfußball, nicht Hacke, Spitze, 1,2,3 spielen. Das kannst du als Aufsteiger nicht machen. Es geht darum, als Kollektiv zu funktionieren und dem Gegner den Kampf anzusagen.

Schalke 04 setzt auf Parkplatzordnung – Gerald Asamoah verrät Hintergrund

Wie wichtig werden die Fans dabei?
Asamoah: Enorm wichtig. Die Verbindung zwischen Fans und Spielern ist sehr gut, deswegen hoffe ich, dass sie es uns verzeihen, wenn wir Spiele verlieren. Wir wollen, dass sich die Jungs den Hintern aufreißen. Du kannst ein Spiel 0:3 verlieren, aber die Fans müssen sehen, dass wir alles gegeben haben.
Nach dem Abstieg gibt es jetzt erneut einen Umbruch...
Asamoah: Wir sind bisher sehr zufrieden, weil alle gut mitziehen. Den Teamgeist, den wir im Vorjahr aufgebaut haben, wollen wir beibehalten. Auf Schalke haben wir eine Parkplatzordnung eingeführt, die wir erneut verändert haben. Ältere, verdiente Spieler parken ganz vorne, die jüngeren weiter hinten. Das sind Kleinigkeiten, über die man vielleicht schmunzelt. Aber solche Details haben uns dabei geholfen, eine Hierarchie in der Mannschaft aufzubauen.
Gerald Asamoah (r.) ist mit der Saisonvorbereitung bei Schalke 04 zufrieden.
Wann werden Sie richtig sauer?
Asamoah: Ich bin das Bindeglied zwischen Trainerteam, Sportdirektor, Vorstand und Spielern. Ich bin bei jedem Training dabei, beobachte viel und habe auch selbst gespielt. Wenn ich merke, dass jemand versucht, uns auszutricksen oder sich nicht an die Regeln hält, werde ich auch mal sauer. Wir haben aber eine Truppe, die bislang alles so umgesetzt hat, wie wir uns das gemeinsam vorgenommen haben.

Gerald Asamoah will bei Schalke 04 Werte von Rudi Assauer und Huub Stevens vermitteln

Haben Sie als Leiter der Lizenzspielerabteilung Ihren Platz gefunden? Oder streben Sie nach mehr?
Asamoah: Ich bin Schalke und Sportvorstand Peter Knäbel für die Chance sehr dankbar, in meiner Position Erfahrung sammeln zu können. Trotzdem reizt es mich natürlich, irgendwann auch mal selbst noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich möchte mich immer weiterbilden. Ab Oktober werde ich deshalb am DFB-/DFL-Lehrgang ‚Management im Profifußball‘ teilnehmen.
Das heißt, Sie wollen auf lange Sicht als Manager arbeiten?
Asamoah: Ja. Das war ich ja auch schon in einem kleineren Rahmen bei der U23 auf Schalke 04. In der Zusammenarbeit mit Rouven kann ich von einem der Besten lernen. Ich arbeite daraufhin, dass ich in Zukunft in einer ähnlichen Position arbeiten kann.
Arbeiten bei Schalke 04 eng zusammen: Gerald Asamoah (l.) und Rouven Schröder
War Rudi Assauer ein Vorbild für Sie?
Asamoah: Er war ein besonderer Typ. Seine emphatische Art und Weise hat mich geprägt. Er war ein Vorbild für mich, wie man mit Menschen umgeht. Aber auch Huub Stevens hat mich geformt. Als ich zu Schalke kam, waren Pünktlichkeit und Disziplin nicht so mein Ding. Wenn du jedoch einen Trainer wie ihn hast, lernst du das fast automatisch. Das versuche ich jetzt auch der Mannschaft zu vermitteln.

Gerald Asamoah über S04-Legende Rudi Assauer: Wäre stolz auf den „kleinen Asa“

Was würde Assauer über den Manager Asamoah denken?
Asamoah: Ich glaube, er wäre stolz und würde gleichzeitig schmunzeln. Dass der kleine Asa, den er damals aus Hannover geholt hat, so lange im Verein geblieben ist und Schalke heute mitgestaltet.
In der Bundesliga gibt es aktuell einen Generationswechsel in der Management-Ebene. Wie oft tauschen Sie sich mit Kehl, Rolfes oder Schäfer aus?
Asamoah: Der Kontakt ist da, aber wir sprechen nicht täglich miteinander. Dass diese Wechsel von Völler zu Rolfes oder Zorc zu Kehl irgendwann stattfinden, war abzusehen. Ich bin noch nicht ganz da, wo die anderen sind. Das ist aber eines meiner langfristigen Ziele. Aktuell gehe ich in meiner Rolle als Leiter Lizenz auf Schalke voll auf.
Gerald Asamoah (r.) glaubt, dass Schalke-Legende Rudi Assauer stolz auf den „kleinen Asa“ wäre.
Zurück zur Bundesliga. Wird Bayern wieder Meister?
Asamoah: Dass Robert Lewandowski den Verein verlassen hat, ist ein Verlust für Bayern und die Bundesliga. Gleichzeitig ist es auch eine Chance für die anderen. Bayern hatte über Jahre einen Stürmer, der in jeder Saison 40 Tore geschossen hat. Ich habe Respekt davor, wie strukturiert sich der BVB verstärkt hat. RB Leipzig hat es mit Domenico Tedesco bislang auch gut macht. Leverkusen hat ebenfalls eine gute Truppe. Dieses Jahr wird sehr spannend. Ich will mich aber nicht festlegen, wer Meister wird.

Gerald Asamoah schwärmt von S04-Coach Frank Kramer: „Kommunikativ überragend“

Die Münchner stehen vor der 11. Meisterschaft in Folge. Muss die DFL über die Einführung von Playoffs nachdenken?
Asamoah: Die Bayern haben sich das erarbeitet. Für die anderen Mannschaft besteht der Reiz, da hinzukommen, wo sie schon sind. Ich bin von unserem Modell komplett überzeugt und glaube, dass es das Beste für die Liga ist.
Wo steht Schalke im Idealfall in fünf Jahren? Im gesicherten Mittelfeld?
Asamoah: Wenn wir bis dahin die Stabilität geschafft hätten, Platz neun bis zwölf zu belegen, würde ich das sofort unterschreiben. Die vergangenen Jahre waren mit dem Abstieg als Tiefpunkt nicht einfach. Heute hier zu sitzen und über Schalke in der Bundesliga zu sprechen, ist sehr schön. Wir tun alles dafür, dass wir die Liga halten.
Gerald Asamoah (r.) traut Frank Kramer den Posten als Cheftrainer von Schalke 04 zu.
Warum ist Frank Kramer der richtige Trainer für Schalke?
Asamoah: Weil er die nötigen Qualitäten mitbringt, die ein Chef-Trainer auf Schalke braucht, sportlich wie menschlich. Und weil er zu den Typen passt, die Schalke hat und die den Verein leben. Zu Mike Büskens, zu Rouven Schröder, zu Matthias Kreutzer (Co-Trainer, Anm.d.Red.), auch zu mir. Er ist kommunikativ überragend und zudem ein Mensch, der es schafft, alle mitzunehmen.

Schalkes Lizenzspielerleiter Gerald Asamoah erlebte prägenden Besuch in Ghana

Sie waren in der Sommerpause mit Ihrer Stiftung in Ihrem Geburtsland Ghana. Was haben Sie dort gemacht?
Asamoah: Wir sind gemeinsam mit der Organisation „kinderherzen“, mit Ärzten und Mitarbeitern meiner Stiftung für herzkranke Kinder nach Ghana geflogen, um dort Gespräche mit Krankenhäusern zu führen, mit denen wir zukünftig zusammenarbeiten könnten. Der Hintergrund ist folgender: Wenn ein Kind aus Ghana in Deutschland operiert werden muss, kostet das schnell rund 40.000 Euro. Eine OP vor Ort dagegen nur rund 5000 Euro. Unsere Idee ist, Ärzten zum Beispiel aus Deutschland in Ghana ehrenamtliche Arbeit zu ermöglichen, aber wir wollen langfristig vor allem einheimische Ärzte unterstützen, damit sie die Operationen selbst durchführen können.
Helfen einem solche Reisen, demütig zu bleiben?
Asamoah: Definitiv. Ich bin Gott dankbar, dass ich heute hier sitzen darf. Wenn du in Ghana bist und siehst, wie es den Menschen dort geht, müssen wir uns umso glücklicher schätzen, was wir hier haben. Deswegen ist mein Appell an alle: Denkt an die Menschen in Not. Spendet, wenn ihr könnt. Wir alle können etwas von unserem Glück zurückgeben.

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