Kommentar

Die S04-Pleite in Frankfurt zeigt: Das Hauptproblem von Schalke 04 ist nicht die Offensive

Der S04 verliert in Frankfurt und kassiert drei Gegentreffer. Die Niederlage offenbart erneut das Hauptproblem des FC Schalke 04. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen/Frankfurt – Der FC Schalke 04 ist wieder auf den letzten Tabellenplatz der Bundesliga abgerutscht. Bei der 1:3-Niederlage des S04 bei Eintracht Frankfurt wurden einmal mehr die Probleme der Königsblauen deutlich. So ist das Hauptproblem der „Knappen“ nicht die Offensive, meint RUHR24-Redakteur Marcel Witte.

VereinFC Schalke 04
TrainerChristian Gross
StadionVeltins-Arena
Kapazität62.271 Zuschauer
OrtGelsenkirchen

FC Schalke 04: Der S04 kassiert die elfte Bundesliga-Niederlage bei Eintracht Frankfurt

Der S04 wartet auf seinen Retter: Die Schalke-Rückkehr von Klaas-Jan Huntelaar (37) verspricht mehr als nur Romantik. Doch ohne den Stürmer mussten die Königsblauen in Frankfurt antreten und kassierten die elfte Niederlage der Bundesliga-Saison 2020/21.

Dass der FC Schalke 04 bei der Eintracht verliert, war im Grunde erwartbar. Seit elf Jahren hat der S04 nicht mehr in Frankfurt gewonnen, überhaupt gelangen den Blau-Weißen in 53 Spielen nur 13 Erfolge bei den Hessen.

FC Schalke 04: Matthew Hoppe nutzte die einzige Großchance des S04

Mit 13 Toren glänzt der S04 nicht gerade mit einer offensiven Durchschlagskraft. Allerdings zeigte das Spiel in Frankfurt auch: Die beste Chance nutzte Matthew Hoppe (19) prompt zum 1:1-Ausgleich. 4:17-Torschüsse gleichen einem Armutszeugnis, doch diese Statistik ist auch ein Beweis dafür, warum die Königsblauen nicht nur in die Offensive investieren sollten.

Denn mit Klaas-Jan Huntelaar, der sogar nur Plan B beim FC Schalke 04 sein soll, wäre das Hauptproblem immer noch nicht gelöst. Womöglich schießt der S04 dann zwar das eine oder andere Tor mehr, Gegentore wird der Niederländer aber als Stürmer auch nicht verteidigen können. Gerade wenn es um Gegentore geht, wie sie die Königsblauen gegen Frankfurt kassierten.

Sead Kolasinac konnte dem FC Schalke 04 bei Eintracht Frankfurt keine defensive Stabilität verleihen.

Eintracht-Neuzugang Luka Jovic (23) kam, schoss zweimal aufs Tor und erzielte zwei Treffer. Seine Spielzeit von rund 32 Minuten inklusive Nachspielzeit nutzte der Stürmer perfekt. Der S04 machte es ihm aber auch viel zu leicht.

FC Schalke 04: Die Innenverteidiger stehen viel zu weit weg vom Stürmer Luka Jovic

Beim Treffer zum 2:1 standen die S04-Innenverteidiger Matija Nastasic (27) und Ozan Kabak (20) meterweit entfernt vom Angreifer aus Serbien, obwohl eine Flanke in den Strafraum segelte. Luka Jovic nahm per Volleyschuss Maß und traf. Dementsprechend schlechte Noten gab es auch in der Einzelkritik des FC Schalke 04 gegen Frankfurt.

Beim 3:1 der Frankfurter ließ sich Schalke ganz leicht auskontern. Wie in der Schlussphase bei einem Rückstand üblich, rückte der S04 weit nach vorne auf. Das Gegentor war dennoch vermeidbar und hätte mit besserem Stellungsspiel verhindert werden können.

Letztlich war Eintracht Frankfurt einfach zu stark für den FC Schalke 04, dennoch zeigte nicht nur Niederlage am Sonntag (17. Januar) deutlich, dass der S04 in der Defensive nachlegen muss. Auch bereits beim 4:0-Erfolg über die TSG Hoffenheim hätten sich die Königsblauen nicht beschweren können, wenn sie zur Halbzeitpause mit 0:3 zurückgelegen hätten. In Frankfurt war das ähnlich.

FC Schalke 04: Der S04 muss wieder hin zum Motto „Die Null muss stehen“

Viele Schalke-Fans sind müde, immer wieder das alte Kredo von Jahrhundert-Trainer Huub Stevens (67) zu hören. Doch sein Motto „Die Null muss stehen“ wäre etwas, was der S04 wieder erstreben müsste, um langfristig Erfolg zu haben. Nicht umsonst haben die Blau-Weißen bereits 42 Gegentore. Selbst ohne die 0:8-Niederlage in München stände Schalke in dieser Statistik auf dem letzten Platz der Bundesliga.

Denn eine defensive Grundordnung ist bei den „Knappen“ nicht zu erkennen. Dass Eintracht Frankfurt den S04 nicht höher abschoss, war einzig und allein Torhüter Ralf Fährmann (32) zu verdanken. Auch gegen die TSG Hoffenheim rettete er den FC Schalke 04 mehrmals vor dem Rückstand.

Luka Jovic (l.) entschied das Spiel Eintracht Frankfurt gegen Schalke 04. Die S04-Defensive bekam den Stürmer überhaupt nicht in den Griff.

Selbst Rückkehrer Sead Kolasinac (27) konnte dem S04 gegen Eintracht Frankfurt keine Stabilität bringen, wobei Rechtsverteidiger Timo Becker (23) noch viel größere Mühe hatte. Gegen Filip Kostic (28) sah der 23-Jährige kein Land, der Serbe bereitete das 2:1 und das 3:1 für die Hessen vor.

FC Schalke 04: Zu viele haarsträubende Fehler in der Defensive des S04

Die Innenverteidigung des S04 wankt bereits seit mehreren Monaten. Ozan Kabak begeht immer wieder haarsträubende Fehler. Matija Nastasic verliert des Öfteren seinen Gegenspieler aus den Augen. Salif Sané (30) gehört zwar laut Statistik zu den kopfballstärksten Spielern der Bundesliga, doch die entscheidenden Duelle verliert er immer wieder.

Sollte sich das Transfer-Gerücht beim S04 um Rafinha (35) bestätigen, wäre das Problem auf der rechten Abwehrseite womöglich gelöst. Wobei der Brasilianer mit 35 Jahren auch nicht mehr der jüngste Spieler ist, um schnelle Außenbahnflitzer am Angriff zu hindern.

FC Schalke 04: Ralf Fährmann richtet den Fokus auf das Spiel gegen den 1. FC Köln

Schalke-Trainer Christian Gross (66) forderte noch zwei Transfers bei den Königsblauen. Ein Mann für die Abwehrzentrale ist nicht dabei. Womöglich fehlt dafür auch einfach das Geld, doch ohne einen Abwehrchef, der die eigenen Leute dirigiert, wird es der S04 sehr schwer haben, den Klassenverbleib zu schaffen.

Torwart Ralf Fährmann rief es daher auch schon richtig aus: „Der Fokus muss einfach auf Köln sein. Volle Konzentration, weil das ein ganz, ganz großes Spiel für uns ist.“

Am Mittwoch (20. Januar) empfängt der S04 den 1. FC Köln, das Schlusslicht gegen den Drittletzten. Wenn sich Schalke dort auf die Defensive konzentriert, kommen die Offensivaktionen automatisch. Mit 27 Gegentoren strotzen die Domstädter auch nicht vor Selbstvertrauen.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Tim Rehbein/RHR-FOTO/Kirchner-Media

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