Kommentar

Zu wenig Flexibilität und Biss - Die erste Schalke-Krise unter Wagner

David Wagner und der FC Schalke 04 scheinen zur Zeit einfallslos. Wo ist die Flexibilität?
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David Wagner und der FC Schalke 04 scheinen zur Zeit einfallslos. Wo ist die Flexibilität?

Der FC Schalke 04 scheint Mitte Februar immer noch nicht aus der Winterpause zurück zu sein. Überzeugte die Mannschaft von David Wagner in der Hinrunde mit Leidenschaft, Kampf und Erfolg, fehlt nun die Flexibilität.

  • Der FC Schalke 04 konnte durch das Unentschieden in Mainz das vierte Spiel in Folge nicht gewinnen.
  • Den Knappen droht eine erste kleine Krise.
  • Dabei mangelt es David Wagner vor allem an Flexibilität, findet RUHR24-Redakteur Luis Friedrich. 

Gelsenkirchen - Seit dem beeindruckenden 3:0-Sieg beim Rückrundenauftakt gegen Borussia Mönchengladbach (17. Januar) konnte Schalke aus den darauffolgenden vier Spielen nur drei Punkte mitnehmen - und dabei sogar nur ein müdes Tor erzielen. Diese Ausbeute spricht Bände. Dabei müsste sich Trainer David Wagner (48) nur etwas trauen.

Schalke: Verletzungspech zeigt Schwäche auf bei David Wagner

Zugegeben: Bereits in der Vorrunde ereilte die Knappen immer wieder das königsblaue Verletzungspech. Zunächst Benjamin Stambouli (29) im Revierderby (26. Oktober), dann einen Spieltag darauf Salif Sané (29) gegen den FC Augsburg (3. November). Zwischenzeitlich nahmen die Probleme der Schalke-Defensive beinahe kafkaeske Züge an. Linksverteidiger Bastian Oczipka (31), sowie Allrounder Weston McKennie (21) mussten in der Innenverteidigung aushelfen. 

David Wagner schaffte es immer wieder, die Defensive umzustellen und durch den fast magischen Aufstieg vonOzan Kabak (19) zum Abwehrchef schienen diese Sorgen oftmals vergessen. Doch anders sieht es in der Offensive aus. Dort scheint einer nämlich besonders zu fehlen.

Suat Serdar reißt Loch in Schalke-Herzstück unter Wagner

Denn niemand Geringeres als der Toptorschütze der laufenden Saison musste gegen Hertha BSC in der Liga (31. Januar) verletzt vom Platz. Suat Serdar (22) verpasste seitdem zwei Partien seiner Mit-Knappen, das 1:1 gegen den Tabellenletzten SC Paderborn und die Schalke-Nullnummer in Mainz (hier zum Nachlesen im Ticker). Und der 22-Jährige wird nicht nur aufgrund seiner sieben Saisontreffer vermisst.

Denn neben Offensivkünstler Amine Harit (21) war Suat Serdar der heimliche Schalke-Held der Hinrunde, stand gemeinsam mit Neu-Kapitän Omar Mascarell (27) und Ozan Kabak wie kaum Andere für die neue königsblaue Leidenschaft. Doch sein Fehlen macht das Herzstück der Taktik von David Wagne r - die enge Mittelfeld-Raute - quasi zunichte.

Die Raute als Grundpfeiler - kann bei Schalke funktionieren

Der fleißige aber leider oft offensiv unbeholfen wirkende Alessandro Schöpf (26) und der omnipräsente Weston McKennie schaffen es nur schwer, das Loch in der Raute zu schließen. Letzterem fehlt vor allem das Stellungsspiel für ein solches System. Ohne seinen "Partner in Crime" Suat Serdar wirkt auch der sonst so magische Amine Harit eher menschlich.

Sind alle Protagonisten fit, funktioniert das System von David Wagner optimal - auch der wuchtige Michael Gregoritsch (25), den David Wagner zuletzt lobte, zeigte gegen Borussia Mönchengladbach, dass er darin funktionieren kann. Doch zuletzt schien auch er ideenlos und müde. Gerät das Konstrukt also ins Wanken, wirkt das Offensivspiel oftmals wie gelähmt.

Video: Wagner vor Freiburg: "Kampfmodus" statt "Weihnachtsstimmung"

David Wagner muss bei Schalke mehr auf Flexibilität setzen

Dennoch scheint David Wagner weiter stoisch an seiner Raute festzuhalten. Zwar wollte er gegen den FSV Mainz 05 gegen Ende der Partie "etwas über den Flügel kreieren", wie er gegenüber der WAZ erklärte. Doch so richtig flexibel scheint das Konstrukt Schalke unter David Wagner nicht zu sein.

Die Erfolgsgeschichte des FC Schalke 04 in der Hinrunde - vor allem nach der Katastrophensaison in der Spielzeit davor - ließ einige Fans schon von Größerem träumen. Mit zu wenig sollte man sich in der Tat nicht zufriedengeben, darf die Debakel-Saison doch nicht als Maßstab gelten. Ein Rennpferd misst sich schließlich auch nicht mit einem einbeinigen Mähre.

Dass über eine kurze Sommerpause keine Wunder passieren, das dürfte dabei jedem klar sein. Das Projekt David Wagner und Schalke ist ein hervorragendes und verdient definitiv mehr Zeit. Dennoch dürfte ein Wandel dem Spiel des S04 sicherlich guttun.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.