Ehemaliger S04-Aufsichtsrat

Clemens Tönnies: Ex-Schalke-Boss wirbt Flüchtlinge an – krasser Vorwurf folgt

Ex-Schalke-Vorstand Clemens Tönnies ist erneuter Kritik ausgesetzt. Dieses Mal geht es um den Ukraine-Krieg.

Rheda-Wiedenbrück – Die Bilder vom Krieg in der Ukraine erschüttern die Menschen. Flucht, Leid und Angst wurden für viele zum Alltag. Der Fassungslosigkeit folgte eine Welle der Solidaritätsbekundungen in Deutschland.

PersonClemens Tönnies
Geboren27. Mai 1956 (Alter 65 Jahre), Rheda, Rheda-Wiedenbrück
EhepartnerinMargit Tönnies
KinderMaximilian Tönnies, Julia Tönnies

Ukraine-Krieg: Ex-Schalke-Boss wirbt Flüchtende an – Tönnies reagiert auf Kritik

Privatmenschen sammelten Spenden, Prominente positionierten sich öffentlich. Auch Schalke 04 lief mit einem Sonder-Trikot auf, um die Ukraine zu unterstützen. Vorsicht gilt aber, wenn die Solidarität als Deckmantel für den eigenen Profit dient. Diesem Vorwurf muss sich jetzt Clemens Tönnies, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04, stellen.

Wie das ARD-Politikmagazin Panorama berichtete, hat der größte Schlachtbetrieb Deutschlands, „Tönnies“ – dessen Eigentümer Clemens Tönnies ist –, versucht, im polnischen Grenzort Przemyśl Flüchtlinge anzuwerben. Das Unternehmen bestätigte die Versuche bereits.

Schalke 04: Ex-Boss Tönnies wirbt Ukraine-Flüchtlinge an – Unternehmen kassiert Kritik

Die Arbeitsbedingungen wurden Flüchtlingen auf einem Handzettel mitgeteilt: Elf Euro Stundenlohn, Zuschlag zu Wochenend-, Feiertags- und Nachtarbeit, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, 24 Tage Urlaub, die Kosten für eine Unterkunft (254 Euro) werden vom Lohn abgezogen.

Das Problem: Das vermeintliche Hilfsangebot richtete sich offenbar nur an diejenigen, die auch bei Tönnies arbeiten können – nicht an Kinder und Ältere. Das erklärte Patrick Walkowiak, Mitarbeiter der Flüchtlingshilfsorganisation Friends of Medyka, dem Politikmagazin. Die Folge: Immer heftigere Kritik prasselte in den vergangenen Tagen auf Clemens Tönnies ein, er würde sich am Leid anderer bereichern. Jetzt reagierte das Unternehmen des Ex-S04-Vorstandes.

Ex-Schalke-Boss Clemens Tönnies gerät wieder in Kritik. Dieses Mal im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg.

Ex-S04-Boss Clemens Tönnies: Nach Kritik bezieht Unternehmen Stellung

Zwar äußerte sich Unternehmenssprecher Fabian Reinkemeier auf ARD-Nachfrage zunächst mit Unverständnis auf den Vorwurf, auf dubiose Weise Ukraine-Flüchtlinge anwerben zu wollen: „Wir helfen den Kriegsflüchtlingen vor Ort und bieten ihnen eine Zukunftsperspektive. Wir bereichern uns nicht an der Not der Flüchtlinge. Das ist eine völlig irre Aussage. Wir tarnen auch nichts als gute Tat“, erklärte er.

Jetzt ruderte Fleisch-Fabrikant Tönnies aber doch zurück. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen, dass es das Angebot vorerst eingestellt habe. Clemens Tönnies habe eine Initiative des Europaabgeordneten Dennis Radtke (CDU) unterstützt und Lebensmittel sowie Hygieneartikel für Babys und Kleinkinder nach Südpolen gebracht. Diese wurden vor Ort von der Caritas an die Kriegs-Flüchtenden verteilt. Vor Ort sei der Wunsch geäußert worden, schnell einen Job zu finden, Geld zu verdienen, um ihr Haus in der Ukraine wieder aufzubauen.

Ukraine-Krieg: Clemens Tönnies distanziert sich von Russland-Chef Putin

Daraus ist die Idee entstanden. „Die Dankbarkeit für das Angebot bei den Flüchtlingen war sehr hoch“, heißt es in der Mitteilung. Was der ganzen Angelegenheit besondere Brisanz verleiht: Clemens Tönnies galt lange als Freund Putins, fädelte einst für Schalke 04 den Gazprom-Deal ein.

Nach der Invasion des Russland-Oberhaupts in die Ukraine erklärte er dem Handelsblatt: „Ich habe mich wie viele andere in ihm getäuscht.“ Beim FC Schalke 04 legte Clemens Tönnies im Juni 2020 sein Amt nieder, als im Rahmen eines Corona-Ausbruchs in seinem Unternehmen auch widere Arbeitsbedingungen ans Tageslicht kamen.

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