Kommentar

Christian Gross ohne Zukunft auf Schalke: Warum der neue Trainer nur eine Zwischenlösung ist

Christian Gross soll den FC Schalke 04 vor dem Abstieg retten. Der neue Trainer des S04 kennt Abstiegskampf, trotzdem ist er lediglich eine Zwischenlösung. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen – Der FC Schalke 04 ist auf der Suche nach einem neuen Coach fündig geworden. Die Trainer-Verpflichtung von Christian Gross (66) steht beim S04 fest. Innerhalb von nur drei Monaten wird der Schweizer somit bereits der vierte Trainer bei den Königsblauen. Doch für RUHR24-Redakteur Marcel Witte wird der 66-Jährige auch nur eine Zwischenlösung sein.

NameChristian Gross
Geboren14. August 1954 (Alter 66 Jahre), Zürich, Schweiz
Position als SpielerMittelfeld
Trainer seit1988

FC Schalke 04: Jochen Schneider feuerte Manuel Baum einen Tag vor dem Bielefeld-Spiel

Die Trennung von Manuel Baum (41) schadet dem FC Schalke 04 in der Mega-Krise nur. Eine Kurzschlusshandlung von Sportdirektor Jochen Schneider (50) vor dem Bundesliga-Spiel des S04 gegen Arminia Bielefeld. Warum der 50-Jährige erst einen Tag vor der Partie handelte, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Auf der Pressekonferenz am Freitag (18. Dezember) sagte Jochen Schneider: „Das hat mit der Entscheidungsfindung zu tun. Bis spät abends gab es noch keine Entscheidung.“ Andernfalls hätte es laut dem Sportdirektor Gespräche über Manuel Baum rund um Weihnachten gegeben.

FC Schalke 04: Auch Huub Stevens konnte dem S04 kurzfristig nicht helfen

Huub Stevens (67) sprang mal wieder ein, der wohl verdienteste Schalke-Coach aller Zeiten. Schließlich prägte er rund um den UEFA-Cup-Sieg im Jahr 1997 eine Ära beim S04. Doch auch der von den Fans ernannte Jahrhundert-Trainer konnte gegen Arminia Bielefeld nichts bewirken. Die Königsblauen verloren mit 0:1 und beenden das Jahr 2020 mit 29 Bundesliga-Spielen in Folge ohne Sieg. Schlechter wäre es unter Manuel Baum wohl auch nicht gelaufen.

Nun aber soll Christian Gross beim FC Schalke 04 die Kohlen aus dem Feuer holen. Der Abstieg ist bedrohlich nah, dem S04 droht ein XXL-Umbruch. Doch mit dem Schweizer möchten die Königsblauen den Trend stoppen.

Jochen Schneider wirkt nachdenklich. Der Sportvorstand des FC Schalke 04 muss schon wieder einen neuen Trainer suchen und ist wohl in Christian Gross fündig geworden.

Dass der 66-Jährige überhaupt beim S04 anheuert, hat er Sportdirektor Jochen Schneider zu verdanken. Die frühere Stuttgart-Verbindung lässt grüßen. In der Saison 2009/10 gelang Christian Gross mit dem VfB der Klassenverbleib und sogar der Einzug in die Europa League nach einer starken Rückrunde. Doch in der Folge-Saison entließen die Schwaben den Schweizer nach sieben Spieltagen.

FC Schalke 04: Christian Gross rettete sowohl den VfB Stuttgart als auch die Tottenham Hotspurs

Gleiches Spiel zuvor bei den Tottenham Hotspurs in der Spielzeit 1997/98. Christian Gross ging als Retter in England auf, die Spurs blieben in der Premier League. Wenige Wochen später wurde der heute 66-Jährige nach lediglich drei Spieltagen entlassen.

Wirklichen Erfolg hatte Christian Gross nur in der Schweiz – mit den Serienmeistern Grasshopper Club Zürich (27 Meistertitel) und FC Basel (20 Meisterschaften). Überraschend war hingegen lediglich der Titel mit Al-Ahli in Saudi-Arabien im Jahr 2016, der erste Gewinn seit 1984.

Vielleicht ist die Wahl von Christian Gross, neben dem auch einige andere Trainer-Kandidaten auf Schalke zur Auswahl standen, nicht verkehrt. Der Schweizer kennt die Situation im Abstiegskampf, er gilt als harter Hund, was beim S04 mit Blick auf die vielen Probleme im Team ein Vorteil wäre. Manuel Baum konnte diese nicht lösen, David Wagner (49) zuvor bereits auch nicht.

FC Schalke 04: Warum Christian Gross nur eine Zwischenlösung beim S04 ist

Womöglich kann Christian Gross den FC Schalke 04 wieder in die Spur bringen und mit dem S04 den lang ersehnten ersten Sieg in der Bundesliga seit Januar 2020 feiern. Wenn ihm gar der große Coup mit dem Klassenverbleib gelingen würde, wären die Fans der „Knappen“ dem Trainer wohl auf ewig dankbar.

Laut übereinstimmenden Medienberichten erhält Christian Gross beim S04 nur einen Vertrag bis zum Ende der Saison mit einem niedrigen Grundgehalt und einer hohen Prämie im Falle des Klassenverbleibs. Das Ziel ist klar. Doch aktuell erscheint es unwahrscheinlich, dass der Schweizer das undisziplinierte Team des FC Schalke 04 in den Griff bekommen kann.

Scheitert er, wird Christian Gross nicht der letzte Trainer in dieser Saison beim S04 bleiben. Auch im Falle eines Erfolgs dürfte der 66-Jährige im Sommer Platz machen für einen neuen Coach, um einen möglichen Neuaufbau bei den Königsblauen zu betreiben. So oder so, der Schweizer ist in Gelsenkirchen nicht mehr als eine Zwischenlösung.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Yasuyoshi Chiba

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