Bild: Bernd Thissen/dpa

Der Rassismus-Eklat um Clemens Tönnies (63) zieht weiter seine Kreise. Auch der Ex-Schalke-Spieler Kevin-Prince Boateng (32) hat eine eindeutige Meinung.

  • Kevin-Prince Boateng spielte einst 15 Monate für den FC Schalke 04.
  • Die rassistischen Aussagen von Clemens Tönnies verurteilt der Deutsch-Ghanaer scharf und fordert andere Konsequenzen.
  • 2013 verließ der heute 32-Jährige im Trikot vom AC Mailand den Platz, als er fortlaufend rassistisch beleidigt wurde.

Schalke 04: Kevin-Prince Boateng spielte einst auch für den BVB und AC Mailand

Es lief die 26. Spielminute, als Kevin-Prince Boateng sein Trikot auszog und das Spielfeld verließ. Seine Teamkollegen folgten ihm. Die Folge war ein Spielabbruch.

Die Rede ist vom 3. Januar 2013, als der AC Mailand ein Testspiel beim italienischen Viertligisten Pro Patria absolvierte. Fans der Gastgeber sorgten damals allerdings für einen Eklat.

AC Mailand brach das Spiel ab

Von Beginn an wurde Kevin-Prince Boateng provoziert und rassistisch beleidigt. Der damals 25-Jährige ließ sich das irgendwann nicht mehr gefallen.

Da brachte es auch nichts mehr, dass die Spieler des Gegners auf ihre Anhänger einredeten. Selbst der Präsident von Pro Patria, Pietro Vavassori, hatte Verständnis für die Reaktion des Spielers und verurteilte die rassistischen Rufe.

Ehrenrat von Schalke verteidigt Clemens Tönnies

Der rassistische Vorfall in dem damaligen Testspiel gegen Kevin-Prince Boateng ist in Italien kein Einzelfall. Erst vor wenigen Tagen wurde Romelu Lukaku (26, Inter Mailand) rassistisch beleidigt.

Affenlaute oder ähnliche Reaktionen sind in deutschen Stadien in diesem Ausmaß öffentlich nicht bekannt. Trotzdem ließ der Rassismus-Eklat um Clemens Tönnies, der von Peter Peters (57) und dem S04-Ehrenrat verteidigt wird, tief blicken.

Für Kevin-Prince Boateng stellt sich erst gar nicht die Frage, ob der Aufsichtsratsvorsitzende von Schalke eine Gelbe oder Rote Karte hätte bekommen sollen. „Ganz klar die Rote Karte“, sagt der 32-Jährige in einem Interview mit der Sport Bild.

„Einem Mann in seiner Position darf so etwas nicht passieren. Wenn gesagt wird, das sei ein Ausrutscher gewesen – ich weiß nicht, wie solche Sachen rausrutschen sollen“, so der Ex-Schalker in der aktuellen Print-Ausgabe des Sportmagazins weiter.

Kevin-Prince Boateng versteht die Auszeit von Tönnies auf Schalke nicht

Zwischen September 2013 und Dezember 2015 spielte Kevin-Prince Boateng für die Königsblauen. Trotz eines unschönen Endes blickt er zufrieden auf seine Zeit beim S04 zurück.

Über Tönnies hat der Deutsch-Ghanaer aber eine klare Meinung. „Seine drei Monate Pause, wem bringen die etwas? Niemandem! Da hätte man ein anderes Zeichen setzen müssen.“

Für Kevin-Prince Boateng wurde eine große Chance verpasst. „Die Möglichkeit war da, allen zu zeigen, dass so etwas nicht akzeptiert wird. Nicht in Deutschland. Nicht in der Bundesliga. Nicht in unserem Verein. Nirgendwo in der Welt werden wir so etwas durchgehen lassen. Punkt“, zitiert die Sport Bild weiter.

Dabei sieht der gebürtige Berliner es ähnlich wie viele Schalke-Fans: „Seine Äußerungen passen nicht zu den Werten Schalke 04, in dem viele Dunkelhäutige und Ausländer spielen. Das haben auch die Fans mit ihrer Rote-Karte-Aktion gezeigt. Man muss da eine Linie ziehen.“

Das ist Kevin-Prince Boateng

  • Er wurde am 6. März 1987 in Berlin geboren.
  • Zwischen 2004 und 2007 spielte er erst für die Amateure und dann für die Profis von Hertha BSC.
  • Zwischen 2001 und 2009 lief er von der U15 bis zur U21 für die Junioren-Nationalmannschaften für Deutschland auf.
  • Über Tottenham Hotspur, Borussia Dortmund, dem FC Portsmouth und AC Mailand landete er zwischen September 2013 und Dezember 2015 beim FC Schalke 04, ehe es für kurze Zeit zurück zu Milan ging.
  • Zwischen 2010 und 2014 absolvierte er 15 Länderspiele (zwei Tore) für Ghana und nahm an zwei Weltmeisterschaften teil.
  • Ehe er diesen Sommer zum AC Florenz wechselte, kamen noch Stationen bei UD Las Palmas, Eintracht Frankfurt, US Sassuolo Calcio sowie FC Barcelona hinzu.