Idee aus Bochum

Irrer "Circle-Line"-Plan fürs Ruhrgebiet: VRR findet die Idee "sehr interessant", aber...

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Der VRR findet eine Circle-Line fürs das Ruhrgebiet interessant, aber unrealistisch.

Politiker aus Bochum fordern den Bau einer "Circle-Line" für's Ruhrgebiet. Was in Tokio und London klappt, findet auch der VRR interessant. Aber...

  • Ratsvertreter aus Bochum fordern eine Circle-Line fürs Ruhrgebiet.
  • Der Verkehrsverbund findet den Vorschlag interessant.
  • Doch das Modell aus London oder Tokio ist nicht ganz auf das Ruhrgebiet übertragbar.

Bochum - Alle vier Minuten in eine Bahn steigen und damit das ganze Ruhrgebiet erreichen - das Ganze in einer Ringlinie, die in Tokio oder London bereits als "Circle-Line" Realität ist: Geht es nach den "Stadtgestaltern" in Bochum, sollte das künftig im Pott möglich sein. Nur: Wie realistisch ist dieses Konzept?

Bochum: Ratsvertreter wollen Nahverkehr im Ruhrgebiet verbessern

Ziel der politischen Bochumer Rats-Gruppe ist es, dass Pendler im Ruhrgebiet möglichst wenig umsteigen müssen, wenn sie zum Beispiel von Wanne-Eickel nach Mülheim oder von Witten nach Oberhausen reisen müssen. 

Voraussetzung dafür sei laut der Wählergruppe eine eigene Trasse, auf der nur Bahnen dieser Circle-Line im Kreis verkehren würden. Um das Konzept zu ermöglichen, sei eine Ring- und eine Achtlinie nötig, wie diese Grafik zeigt:

So könnte künftig das Nahverkehrs-Netz im Ruhrgebiet aussehen.

Inzwischen hat sich auch der für das Rhein-Ruhr-Gebiet verantwortliche Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) zu Wort gemeldet und seine Meinung über das Projekt "Circle-Line" abgegeben. Experten des VRR bewerten in einer Stellungnahme gegenüber RUHR24.de den Vorschlag als "theoretisch sehr interessant, da völlig neue Sichtweisen auf SPNV-Konzeptionen im VRR vorgenommen werden."

VRR: Vorschlag aus Bochum fehlt "ganzheitliche Betrachtung"

Doch an eine Umsetzung der Pläne glauben die Fachleute des VRR offenbar nicht. Dem Vorschlag der Bochumer "Stadtgestalter" fehle es an einer "ganzheitlichen Betrachtung", heißt es in der Stellungnahme. 

Was der Verkehrsverbund an dem Konzept unrealistisch findet, klärt er auch in mehreren Aspekten auf:

  • Der notwendige Infrastrukturausbau der Strecken und Bahnhöfe, der erforderlich wäre, um eine 2-bis 4-Minuten-Taktung zu ermöglichen, sei unrealistisch.
  • Würden die Ringlinien auf einer eigenen Trasse fahren, müsste die Streckeninfrastruktur komplett neu gebaut werden - oder das Ruhrgebiet müsste auf S-Bahnen und Fernverkehr verzichten.

Circle-Line fürs Ruhrgebiet unnötig? Vorschlag aus Bochum erntet Kritik

Die Ringlinie halten die Fachleute des VRR zudem für nicht wirklich nötig, da laut ihrer Ansicht eine Vielzahl der von einer Circle-Line ermöglichten Verbindung schon heute als Direktverbindung vorhanden sei.

Auch ein Kritikpunkt des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr: Die Circle-Line würde den Menschen im Ruhrgebiet vielleicht einen Mehrwert bringen, aber den Bahn-Nutzern im Umland würde dieses Modell wohl mehr Umstiege und Reisezeitverlängerungen bringen.

Circle-Line: Vorschlag aus Bochum kommt nicht ohne Opfer aus

Zur Erinnerung: Die "Stadtgestalter" hatten in ihrem Vorschlag bereits zugegeben, dass eine Circle-Line fürs Ruhrgebiet nicht ganz ohne Opfer zu machen sei.

So sei denkbar, dass ICEs oder ICs, die nicht durch das Ruhrgebiet führen, sondern hier starten oder enden, nur noch bis/ab Dortmund oder Duisburg fahren. Außerdem müssten Regionallinien, die Städte außerhalb des Ruhrgebiets anfahren, nicht mehr durchs Ruhrgebiet fahren, sondern könnten bis zu einem Haltepunkt der Circle-Line fahren.

Vorschlag aus Bochum: Züge müssten Fahrtrichtung wechseln

Einen Punkt, den die Stadtgestalter aus Bochum offenbar nicht auf dem Schirm hatten: Ganz so einfach mit dem Fahren im Kreis ist es nicht. Denn etwa in Dortmund müssten Züge einen Fahrtrichtungswechsel vornehmen, um danach weiter in Richtung Witten fahren zu können. Dadurch würde viel Zeit verloren gehen.

Übrigens: Dortmund bekommt einen neuen S-Bahnhof, der besonders Pendlern zugutekommt. 2020 gehen die Bauarbeiten los. 

Das Fazit des VRR: "Selbstverständlich sind dichte Takte von Linien für den Kunden immer attraktiv, die angedachte Taktfolge der Ringlinie ist aber nicht als realistisch zu bezeichnen."

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