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Bereits am Samstag (6. Juli) berichteten Medien von der Vergewaltigung in Mülheim, so auch RUHR24. Mülheims Oberbürgermeister Scholten postete derweil noch am Sonntagmorgen (7. Juli) ein Foto von einem Picknick. Dafür erntete er harsche Kritik auf Facebook.

  • Ein offizielles Statement zu dem Vorfall veröffentlichte die Stadt Mülheim am Montag (8. Juli).
  • Der Oberbürgermeister gibt an, erst am Sonntag von der Vergewaltigung erfahren zu haben.
  • Viele Facebook-Nutzer äußern ihr absolutes Unverständnis nach dem Picknick-Post des OB.

Eine junge Frau war am vergangenen Freitagabend (5. Juli) von mehreren Jugendlichen und Kindern vergewaltigt worden. Ein 14-Jähriger Tatverdächtiger ist inzwischen in Haft. Ebenfalls dringend tatverdächtig ist ein 12-Jähriger.

Der 14-Jährige ist zudem schon länger den Behörden bekannt – er bereits wegen sexueller Übergriffe aufgefallen.

Mülheim: Scholten reagierte zu spät auf die Nachricht vom Missbrauch

Während die Meldung über den furchtbaren Missbrauchsfall bereits am Samstag durch die Medien ging, erfuhr Oberbürgermeister Ulrich Scholten scheinbar erst am Sonntag von der Tat, die sich in „seiner“ Stadt zugetragen hat.

Wie die NRZ berichtet, habe Scholten am Sonntag, am Rand des Sommerpicknicks, von der Vergewaltigung erfahren. Zu dem von ihm besuchten Picknick hatte der OB noch am Sonntagmorgen per Facebook-Post alle Mülheimer Bürger eingeladen. Die Nachrichten von der Vergewaltigung hatte er dabei scheinbar nicht gelesen.

Guten Morgen liebe Mülheimerinnen und Mülheimer, ich mache mich jetzt auf dem Weg zum Sommerpicknick in der Freilichtbühne und würde mich freuen, wenn Sie sich noch spontan dazu entschließen, vorbei zu schauen.

Gepostet von Ulrich Scholten am Sonntag, 7. Juli 2019

Chronik der Meldungen sorgt für Wut bei Bürgern

Es ist die Chronik der Posts, Meldungen und Nachrichten, die auf Facebook die Kritik an Ulrich Scholten überkochen lassen. Der Vorwurf: Während am Samstag in vielen Medien bereits über die Vergewaltigung berichtet wird und sich Mülheimer Bürgerinnen aus Angst kaum noch auf die Straße trauten, bereite sich ihr Bürgermeister auf ein Sommerpicknick vor.

Picknicken oder überhaupt Aufenthalte in der Natur erscheinen mir als Frau im sichersten NRW aller Zeiten nicht mehr empfehlenswert.

Lena E.

Alle Zeitungen berichten und da sollte doch bitte mal Herr Oberbürgermeister Ulrich Scholten auch mal zu äußern.

Peter K.

Warum schweigen Sie zu dem schlimmen Geschehen in Ihrer Stadt?

A Josef S.

Als am Montag (8. Juli) auf Facebook ein offizielles Statement des Oberbürgermeisters gepostet wird, kann das die Enttäuschung mancher Bürger nicht mildern.

Stellungnahme des OB kam zu spät

In der Stellungnahme zeigt sich Scholten schockiert und kündigt „Null Toleranz“ gegenüber solcher Taten an. Für viele bleibt dennoch die Frage: Warum hat der OB nicht früher reagiert?

Warum kommt so etwas erst auf Nachdruck? Was erwarten Sie für Strafen/Konsequenzen? Und natürlich zum wiederholten Male die Frage die bisher nie beantwortet wurde, auch wenn diese nichts mit dem Fall zu tun hat… Was haben Sie bisher für Mülheim und fürs Volk getan?

Chris M.

Auf Facebook antwortet Ulrich Scholten, er habe erst am Montagabend die Gelegenheit gehabt, die Kommentare auf Facebook zu lesen. Er appelliert an die Kritiker: „Sie werden verstehen, die Belange des Opfers und die Klärung der Fakten hatten heute Priorität und nicht Facebook!“

Neben dem Mülheimer Oberbürgermeister, erntete auch ein Psychologe, der sich zum Mülheimer Vergewaltigungsfall geäußert hatte, harsche Kritik und sogar Drohmails.

Keine Gnade für OB nach Stellungnahme

Dieser Versuch der Klarstellung erhielt 59 Likes auf Facebook. Doch nicht alle besänftigen die Äußerungen des OB.

Zitat:“…und meine Aufmerksamkeit und Kraft stattdessen nicht haarsträubenden Kommentaren und Drohungen, wie jenen auf meiner Facebookseite, widmen. Befremdlich ist es allerdings schon, dass das Leid anderer Menschen für persönliche Angriffe missbraucht wird.“
Die Menschen haben Angst, Herr Scholten. Sie fühlen sich hilflos. Von Drohungen habe ich nichts gelesen. Kritik an Ihrer Person als „persönlichen Angriff“ zu bejaulen, empfinde ich als peinlich. In Ihrem Amt ist mit so etwas immer zu rechnen.

Kerstin B.