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Der Psychotherapeut Christian Lüdke hat nach seinem Auftritt bei der WDR-Sendung „Aktuelle Stunde“ Drohmails bekommen. In einem Interview äußerte er sich zur Vergewaltigung in Mülheim.

  • „Aktuelle Stunde“-Moderator interviewt Psychotherapeut Lüdke zur Vergewaltigung in Mülheim.
  • Eine Aussage zum Opfer der Tat stößt auf scharfe Kritik.
  • Er erhielt sogar heftige Drohmails.

Nach der Vergewaltigung in Mülheim an der Ruhr am 5. Juli stellt sich immer wieder die eine Frage: „Wie konnte das passieren?“. Um sie zu beantworten, war am Dienstag (9. Juli) der Psychotherapeut Christian Lüdke bei der WDR-Sendung „Aktuelle Stunde“ zu Gast.

Doch bereits kurz nach der Ausstrahlung wurde sein Auftritt in der Sendung in den sozialen Netzwerken scharf kritisiert. Und nicht nur das: Wie Lüdke berichtet, sollen er und seine Familie sogar heftige Drohungen und Hass-Nachrichten erhalten haben.

Nach WDR-Interview zu Vergewaltigung in Mülheim: Psychologe erhält Drohungen

Das Interview mit Lüdke folgte auf einen Bericht über die Vergewaltigung Anfang Juli in Mülheim an der Ruhr. Darin wurde unter anderem berichtet, wie es um die Verdächtigen steht. So befand sich einer der Jugendlichen schon vor der Tat in einer Maßnahme für Intensivtäter. Gegen ihn wurde wegen Wiederholungsgefahr Haftbefehl erlassen. Ausgewiesen werden können die Familien jedoch nicht.

In dem Interview mit dem Therapeuten kam die Moderatorin Susanne Wieseler auch auf das Opfer der Tat zu sprechen. „Wie geht das Leben weiter für eine 18-Jährige, die sowas erlebt hat?“, so die Frage von Wieseler.

„Eine 18-Jährige die so etwas erlebt hat, für die wird vieles im Leben nicht mehr so sein wie es vorher einmal war“, so Lüdke. Der Psychotherapeut arbeitet vor allem mit Kindern und Kriminalitätsopfern. Nach so einer Tat sei das „grundlegende Sicherheitsgefühl“ sowie das Vertrauen in die Menschen massiv erschüttert.

Deshalb sei es sehr wichtig, dass sie (das Opfer) jetzt stabile Menschen in ihrem Umfeld habe. Dann erklärt er weiter: „Sie wird dann später ein anderes Leben führen, als sie ohne diese Vergewaltigung geführt hat, aber dieses Leben muss nicht unbedingt schlechter sein, es ist einfach nur anders.“ Für diesen Satz erntete er jedoch scharfe Kritik.

Aussage zu Opfer sorgt für Shitstorm im Netz

Bereits auf Twitter und auf Facebook zeichnete sich erste Kritik an der Aussage Lüdkes ab.

Doch der Shitstorm im Netz war nur der Anfang. Nach der massiven Kritik im Netz erzählt der Psychotherapeut dem WDR auch von persönlichen Angriffen. „Diese Drohungen gehen nicht nur gegen mich. Meiner Frau und meinen Töchtern wird da gewünscht, dass sie auch vergewaltigt werden, oder dass man ihnen Beine und Arme abhackt“, so der Experte.

In Bezug auf die kritisierte Aussage erklärt er: „Diese Vergewaltigung wird immer ein ganz schrecklicher, ekelhafter Teil des Lebens der jungen Frau sein. Aber warum soll sie denn später nicht, nach Hilfestellungen von Therapeut, Familie und Freunden, unbeschwert am Leben teilnehmen? Man kann lernen, mit einem solchen Trauma zu leben.“

Der Psychotherapeut war jedoch nicht der Einzige, der im Zusammenhang der Vergewaltigung massive Kritik erntete. Auch der Mülheimer Oberbürgermeister musste sich kritischen Kommentaren stellen, weil er zu spät auf die Tat reagiert hatte.