Polizei blickt zurück

Silvester im Ruhrgebiet: Bilanz der Neujahrs-Nacht – Ausschreitungen in Essen

In Bottrop verlief die Silvesternacht vergleichsweise ruhig.
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In Bottrop verlief die Silvesternacht vergleichsweise ruhig.

Der Jahreswechsel ist im Ruhrgebiet größtenteils ruhig verlaufen. Dennoch mussten Polizei und Feuerwehr zu bemerkenswerten Einsätzen ausrücken.

Essen – Die Silvesternacht im Ruhrgebiet ist äußerst ruhig verlaufen. Nahezu übereinstimmend berichten Polizei und Feuerwehr von einem ruhigen Jahreswechsel. Auch die Corona-Regeln seien an Silvester größtenteils eingehalten worden. Dennoch gab es Ausschreitungen in Essen. In Gelsenkirchen nahmen die Beamten ein streitendes Pärchen in Gewahrsam. Alle Infos zum Coronavirus in NRW gibt es im Live-Ticker.

Silvester im Ruhrgebiet: Ausschreitungen auf Markt in Essen

Anwohner des Altenessener Markts riefen in der Silvesternacht gegen 0.40 Uhr die Polizei. Auf dem Markt würden rund 50 Personen randalieren und den Markt verwüsten, so die Meldung. Als die Beamten eintrafen, rannte die zerstörungswütige Gruppe davon.

Zertrümmerte Haltestellen, zerschlagene Werbetafeln und abgetretene oder brennende Mülleimer zeugten von der Verwüstung“, berichtet die Polizei Essen am Neujahrstag (1. Januar 2021). Vier mutmaßliche Täter konnten festgehalten werden. Nachdem ihre Personalien festgestellt waren, wurden sie entlassen.

Essen: Jugendliche werfen Böller auf Polizisten

Bereits gegen 0.20 Uhr hatte eine etwa 30-köpfige Gruppe Jugendlicher auf der Steeler Straße in Essen mehrere Mülleimer mit Brandbeschleuniger angezündet. Als die Polizisten eintrafen, wurden sie mit Böllern beworfen.

Nach Ausschreitungen an Silvester in Essen gab es mehrere Festnahmen.

Die Feuerwerkskörper waren laut Polizei nur für den professionellen Gebraucht gedacht. Verletzt wurde niemand. Ein 16-Jähriger, der Böller geworfen haben soll, wurde vorläufig festgenommen und später seinen Eltern übergeben.

Die Coronaschutzregeln seien in Essen „größtenteils“ eingehalten worden. Die Polizei war dazu in Mülheim und Essen „mit verstärkten Kräften im Einsatz“.

Gelsenkirchen: Schreckschusswaffen als Ersatz für „Böllerei“

Auch die Polizei Gelsenkirchen spricht von einem „relativ ruhigen“ Jahreswechsel. Unter den rund 100 Einsätzen waren unter anderem zehn Körperverletzungen. Sechs Gelsenkirchener mussten die Nacht im Gewahrsam verbringen.

Darunter war auch ein betrunkenes Pärchen, das sich in seiner Wohnung gestritten hatte. Die Polizei sollte den Streit schlichten, weil auch ein Messer gezeigt worden sei. Statt einer Waffe fanden die Beamten bei dem Pärchen jedoch nur Drogen.

Daraufhin traten und spuckten die Beiden nach den Beamten. „Keine gute Idee, denn nun ging es gefesselt zum Gewahrsam“, berichten die Beamten von dem Einsatz. Statt bei einer Silvesterparty erlebte das Paar den Jahreswechsel in einer Zelle.

Größere Zusammenkünfte habe es an Silvester in Gelsenkirchen nicht gegeben, berichten die Beamten. Es wurden jedoch drei Schreckschusswaffen sichergestellt. „Offenbar sollten diese als Ersatz für die ausgefallene ‚Böllerei‘ dienen“, vermuten die Beamten.

Silvester in Hagen: Feuerwerk und Ansammlungen sorgen für Einsätze der Polizei

Auch in Hagen wurden an Silvester trotz Verbots Böller und Raketen auf öffentlichen Plätzen gezündet. Die Polizei musste insgesamt 115 Mal ausrücken, 22 Personen bekamen einen Platzverweis. Sechs Hagener landeten im Gewahrsam.

Darunter auch zwei Männer (25 und 28), die an der Altenhagener Straße mit einer Schreckschusspistole geschossen hatten. Auch bei weiteren Zwischenfällen sei die Polizei Hagen „mit starken Kräften“ schnell vor Ort gewesen. Trotz einiger Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung ziehen die Beamten ein positives Resümee: „Die Silvesternacht in Hagen verlief weitestgehend friedlich.“

Silvester: Fast 300 Einsätze in Bochum, Herne und Witten

Auch in Bochum, Herne und Witten ist der Jahreswechsel „verhältnismäßig ruhig“ verlaufen, berichtet die Polizei. 289 Einsätze wurden an Silvester und Neujahr insgesamt gemeldet. Darunter waren unter anderem:

  • Körperverletzungen: 9 Fälle
  • Illegales Feuerwerk: 8
  • Sachbeschädigung: 16
  • Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: 1
  • Personen in Gewahrsam: 6
  • Verstöße gegen Corona-Regeln: 29

Ein Einsatztrupp der Polizei nahm einen Bochumer (26) fest, der mit einer Schreckschusswaffe gefeuert hatte. Zeugen hatten kurz vor dem Jahreswechsel Schüsse in Bochum-Weitmar gemeldet. Diese hörten auch die Beamten, bevor ein Böller in der Nähe des Einsatzwagens explodierte.

Als sich die Zivilbeamten als Polizisten zu erkennen gaben, wollte der 26-Jährige davonrennen. Die Beamten stoppten ihn, wogegen er sich erheblich gewehrt haben soll. Dabei wurde der Mann leicht verletzt. Bei der anschließenden Durchsuchung fanden die Beamten die Schreckschusswaffe sowie illegale Böller.

Zudem musste die Polizei Bochum in der Nacht zwei größere Personengruppen auflösen.

Polizei und Feuerwehr in Dortmund melden „sehr ruhiges“ Silvester 2020

In Dortmund scheint der Silvesterabend ebenfalls vergleichsweise ruhig verlaufen zu sein. Auf Anfrage sagte die Polizei Dortmund zunächst, es gebe nichts Berichtenswertes. „Es war sehr ruhig“, sagte ein Sprecher am Freitag (1. Januar 2021) gegenüber RUHR24.de. Später meldete die Polizei jedoch, dass bei Krawallen an Silvester in Dortmund-Hörde Rettungskräfte attackiert wurden. Abgesehen davon sei es jedoch ruhig geblieben.

Ähnlich sah das am frühen Neujahrsmorgen auch die Feuerwehr Dortmund. Sie meldete in der ersten Stunde des neuen Jahres nur 17 Einsätze. „Der Start ins neue Jahr verlief für uns ruhig“, schreibt die Feuerwehr auf Twitter.

Silvester im Ruhrgebiet: Mehrere Brände in Bottrop

In Bottrop brannte es an Silvester gleich mehrfach. Nachdem zunächst Feuerwerk für einen Fehlalarm an der Horsterstraße gesorgt hatte, mussten gegen 1 Uhr brennende Feuerwerksrückstände in Bottrop-Boy gelöscht werden.

In Bottrop verlief die Silvesternacht vergleichsweise ruhig.

Wenige Minuten später brannte ein Kleidercontainer an der Burgstraße aus. Im Zusammenhang mit Silvesterfeiern musste der Rettungsdienst nur dreimal ausrücken. Meist handelte es sich um Betrunkene, Verletzungen durch Feuerwerk wurden nicht gemeldet. Laut Feuerwehr Bottrop verlief der Jahreswechsel „ohne besondere Vorkommnisse und ohne erhöhtes Einsatzaufkommen“.

Silvester im Kreis Unna: Betrunkener fährt in Selm gegen Hauswand

Auch in Unna fällt die Bilanz nach Silvester positiv aus: Es habe nur 38 Einsätze mit Bezug zu den Feierlichkeiten gegeben, berichtet die Kreispolizeibehörde Unna am Freitag.

In Kamen schlugen Unbekannte gegen 0.40 Uhr die Schaufensterscheiben von vier Geschäften ein. Trotz Fahndung konnten die Beamten die Täter nicht mehr fassen.

In Selm fuhr ein Betrunkener gegen 5 Uhr nach einem missglückten Überholmanöver gegen einen Zaun und eine Hauswand. Der Wagen blieb auf dem Dach liegen. Der Fahrer kam verletzt ins Krankenhaus.

Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung habe es nicht gegeben. „Wir sind mit der Einsatzbilanz zufrieden. Bis auf ein paar Unbelehrbare hat sich die große Mehrheit der Bevölkerung im gesamten Kreis Unna in der Silvesternacht vorbildlich verhalten“, resümiert Landrat Mario Löhr. Wir berichten weiter.