Mit Schwermetallen belastet

Ruhrgebiet: Gefährlicher Abfall aus Raffinerien von Shell verbrannt - dutzende Städte betroffen

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Shell lieferte Ölpellets an das Steag Kraftwerk Herne. Foto: dpa

Im Ruhrgebiet verbrannten Kraftwerke jahrelang Ruß aus benachbarten Raffinerien von Shell. Jetzt ist klar: Es sind nicht nur drei, sondern 20 Kraftwerke betroffen

  • Ölpellets oder Petrolkoks bestehen aus Ruß, der mit Öl gebunden und anschließend gepresst wird.
  • Die Pellets enthalten die hochgiftigen Schwermetalle Vanadium und Nickel sowie Schwefel.
  • Grüne im Landtag sprechen von einem Skandal.

In Herne, Lünen und Gelsenkirchen haben Kraftwerke jahrelang mit Schwermetallen versetzte Rückstände aus den benachbarten Raffinerien von Shell verbrannt. Das Verfeuern der sogenannten Ölpellets im Ruhrgebiet ist hochumstritten. Jetzt kam heraus, dass der mittlerweile als Abfall bewertete Stoff nicht in drei, sondern in 20 Städten zum Einsatz kam.

Update, Dienstag (7. Januar 2020): Anders als zunächst vermutet, verbrannten im Ruhrgebiet nicht nur vier, sondern gleich 20 Kraftwerke und anderen Industrieanlagen die Ölpellets aus den Raffinerien. Die bei der Schwerölvergasung in der Shell-Raffinerie in Wesseling anfallenden Rückstände, weisen laut NRW-Umweltministeriums im Vergleich zu handelsüblichem Petrolkoks überhöhte Werte der Schwermetalle Vanadium und Nickel auf.

Shell: Belastete Rückstände in 20 Städten verbrannt

Zwar werden derzeit nach Angaben des Ministeriums keine Rückstände aus der Schwerölvergasung der Rheinland Raffinerie mehr in Kraftwerken in NRW verbrannt. Dennoch nennt SPD-Abgeordnete Michael Hübner die Zahl von 20 betroffenen Kommunen am Montag "erschreckend hoch". Die WAZ hatte zuerst berichtet.

Nachforschungen zur Verwendung des umstrittenen Petrolkoks aus Rückständen der Raffinerien waren angestoßen worden, nachdem es Unstimmigkeiten bei der Verwendung von Ölpellets aus der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen-Scholven gegeben hatte. Die Fackel der Raffinerie hatte im Januar für Aufsehen in Bochum gesorgt.

Erstmeldung, Donnerstag (17. Oktober 2019): Manche Ölpellets, auch Petrolkoks genannt, werden aus Rückständen, die in Raffinerien entstehen, gepresst. Der mit Öl gebundene Ruß ist mit Schwermetallen belastet und gilt daher als gefährlich für die Gesundheit.

Shell beliefert Lünen und Herne mit Petrolkoks

Shell und andere Ölkonzerne pressen ihre Raffinerie-Nebenprodukte - es entsteht sogenannter Petrolkoks. Und der konnte dann in verschiedenen Kraftwerken im Ruhrgebiet verfeuert werden.

Die Kraftwerke liegen im Umkreis von 20 bis 50 Kilometer um Dortmund. Ohne passende Filteranlagen an den Kraftwerken, wie Rechtsexperte für Abfall- und Verwaltungsrecht Prof. Dr. Martin Führ in einem Interview mit dem Stadtspiegel behauptet, würden die Schadstoffe die Luft im Umfeld der Kraftwerke belasten.

Ölpellets gelten als "gefährlicher Abfall"

Anwohner in Gelsenkirchen waren 2018 laut WR besonders in Sorge, da die aus Ruß und Schweröl bestehenden Pellets als krebserregend gelten würden.

Aus einer Antwort der Landesregierung auf eine "Kleine Anfrage" des NRW-Landtagsabgeordneten Norwich Rüße von den Grünen geht hervor, dass die "Ruß-Öl-Pellets" aufgrund ihrer Inhaltsstoffe Nickel und Vanadium als äußerst umweltgefährdend und krebserregend gelten. Sie werden zudem als "gefährlicher Abfall" eingestuft.

Kraftwerke im Ruhrgebiet verfeuern Pellets von Shell und BP

Betroffen sind mindestens vier Kraftwerke, auf jeden Fall aber die Steag-Kraftwerke in Lünen und Herne berichtet die WAZ, sowie das Uniper Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen-Scholven. Die Kraftwerke verfeuerten die Ölpellets zur Stromerzeugung.

Eine Recherche der WAZ ergab, dass die in den Steag-Kraftwerken in Lünen und Herne verbrannten Raffinerie-Rückstände mittlerweile als "gefährlicher Abfall" eingestuft werden. Sie stammen aus der Shell-Raffinerie Wesseling bei Köln.

Das Umweltministerium NRW will nun prüfen, ob die Verbrennung der Pellets strafrechtlich relevant ist; also ob der Vorgang möglicherweise illegal war.

Shell und BP machen aus Rückständen "Petrolkoks"

Problematisch ist in jedem Fall, dass Shell die Ruß-Rückstände zu Petrolkoks macht. Denn normalerweise enthält Petrolkoks laut WAZ deutliche geringere Mengen an Nickel, Vanadium und Schwefel, als die Raffinerie-Rückstände. Dennoch gab es lange die behördliche Genehmigung, den Abfall in den Kraftwerken zu verfeuern.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Norwich Rüße bezeichnete den Vorgang gegenüber der Zeitung als Skandal: "Schon das Umdeklarieren als Brennstoff ist rechtlich mehr als zweifelhaft." Nicht der einzige Skandal derzeit im Ruhrgebiet: Der Duisburger Hafen verschleuderte jahrelang Steuergelder.

Im Fall der Pellet-Verbrennung stand 2018 zunächst BP im Fokus der Medien. Die Raffinerie in Gelsenkirchen lieferte Ölpellets an das benachbarte Uniper-Kraftwerk. Erst als das in die Öffentlichkeit gelang, meldete sich auch Shell zu Wort. Die Shell-Raffinerie Wesseling beliefert Kraftwerke in Lünen und Herne.

In einer Stellungnahme gegenüber RUHR24 betonte ein Sprecher der Ruhr Oel GmbH (BP Gelsenkirchen), dass die Verwendung der Rußpellets im Kraftwerk seit jeher rechtmäßig sei. Sowohl für die Produktion der Rußpellets als Nebenprodukt, als auch für deren Einsatz im Kraftwerk lägen alle Genehmigungen vor. Die Pellets als Abfall zu bezeichnen sei zudem irreführend, stattdessen handele es sich um ein Nebenprodukt.

Verfeuerung in Gelsenkirchen rechtens

Im Fall Gelsenkirchen kam ein im Februar 2019 veröffentlichter Prüfbericht vom Umweltministerium tatsächlich zu dem Ergebnis, dass die Verbrennung der Ölpellets nicht illegal ist. Und das, obwohl die Filteranlagen des Kraftwerkes nicht auf die Verbrennung der Schadstoffe ausgerichtet seien. Das stellte der Rechtsexperte für Abfall- und Verwaltungsrecht Prof. Dr. Martin Führ, in einem Interview mit dem Stadtspiegel heraus.

Für die Verbrennung des Petrolkoks in Lünen und Herne gilt nun, dass das Umweltministerium alle Vorgänge erneut überprüft.

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