Kraftwerke im Ruhrgebiet verbrennen Abfall von Raffinerien von Shell und BP - hochgiftig und gefährlich?

+
Shell lieferte Ölpellets an das Steag Kraftwerk Herne. Foto: dpa

In Herne, Lünen und Gelsenkirchen verbrannten Kraftwerke jahrelang gefährliche Abfälle aus den benachbarten Raffinerien von Shell und BP. Ist das illegal?

In Herne, Lünen und Gelsenkirchen haben Kraftwerke jahrelang gefährliche Abfälle aus den benachbarten Raffinerien von Shell und BP verbrannt. Doch das Verfeuern der sogenannten Ölpellets im Ruhrgebiet ist hoch umstritten.

  • Ölpellets bestehen aus Ruß, der mit Öl gebunden und anschließend gepresst wird.
  • Die Pellets enthalten die hochgiftigen Schwermetalle Vanadium und Nickel sowie Schwefel.
  • Grüne im Landtag sprechen von einem Skandal.

Shell beliefert Lünen und Herne mit Petrolkoks

Die Ölpellets, auch Petrolkoks genannt, werden aus Rückständen, die in Raffinerien entstehen, gepresst. Der mit Öl gebundene Ruß ist mit Schwermetallen belastet und gilt daher als gefährlich für die Gesundheit.

Shell und BP pressen ihre Raffinerie-Rückstände - es entsteht sogenannter Petrolkoks. Und der konnte dann in verschiedenen Kraftwerken im Ruhrgebiet verfeuert werden.

Die Kraftwerke liegen im Umkreis von 20 bis 50 Kilometer um Dortmund. Ohne passende Filteranlagen an den Kraftwerken, wie Rechtsexperte für Abfall- und Verwaltungsrecht Prof. Dr. Martin Führ in einem Interview mit dem Stadtspiegel behauptet, würden die Schadstoffe die Luft im Umfeld der Kraftwerke belasten.

Ölpellets gelten als "gefährlicher Abfall"

Anwohner in Gelsenkirchen waren 2018 laut WR besonders in Sorge, da die aus Ruß und Schweröl bestehenden Pellets als krebserregend gelten würden.

Aus einer Antwort der Landesregierung auf eine "Kleine Anfrage" des NRW-Landtagsabgeordneten Norwich Rüße von den Grünen geht hervor, dass die "Ruß-Öl-Pellets bei der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen" aufgrund ihrer Inhaltsstoffe Nickel und Vanadium als äußerst umweltgefährdend und krebserregend gelten. Sie werden zudem als "gefährlicher Abfall" eingestuft.

Kraftwerke im Ruhrgebiet verfeuern Pellets von Shell und BP

Betroffen sind mindestens vier Kraftwerke, auf jeden Fall aber die Steag-Kraftwerke in Lünen und Herne berichtet die WAZ, sowie das Uniper Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen-Scholven. Die Kraftwerke verfeuerten die Ölpellets zur Stromerzeugung.

Eine Recherche der WAZ ergab, dass die in den Steag-Kraftwerken in Lünen und Herne verbrannten Raffinerie-Rückstände mittlerweile als „gefährlicher Abfall“ eingestuft werden. Die Abfälle stammen aus der Shell-Raffinerie Wesseling bei Köln.

Das Umweltministerium NRW will nun prüfen, ob die Verbrennung der Pellets strafrechtlich relevant ist; also ob der Vorgang möglicherweise illegal war.

Shell und BP machen aus Rückständen "Petrolkoks"

Problematisch ist in jedem Fall, dass Shell die Ruß-Rückstände als Petrolkoks umdeklariert. Denn normalerweise enthält Petrolkoks laut WAZ deutliche geringere Mengen an Nickel, Vanadium und Schwefel, als die Raffinerie-Abfälle. Nach der Umdeklarierung gab es die behördliche Genehmigung, den Abfall in den Kraftwerken zu verfeuern.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Norwich Rüße bezeichnete den Vorgang gegenüber der Zeitung als Skandal: "Schon das Umdeklarieren als Brennstoff ist rechtlich mehr als zweifelhaft." Nicht der einzige Skandal derzeit im Ruhrgebiet: Der Duisburger Hafen verschleuderte jahrelang Steuergelder.

Im Fall der Pellet-Verbrennung stand 2018 zunächst BP im Fokus der Medien. Die Raffinerie in Gelsenkirchen lieferte Ölpellets an das benachbarte Uniper-Kraftwerk. Erst als das in die Öffentlichkeit gelang, meldete sich auch Shell zu Wort. Die Shell-Raffinerie Wesseling beliefert Kraftwerke in Lünen und Herne.

Verfeuerung in Gelsenkirchen rechtens

Im Fall Gelsenkirchen kam ein im Februar 2019 veröffentlichter Prüfbericht vom Umweltministerium zu dem Ergebnis, dass die Verbrennung der Ölpellets nicht illegal ist. Und das, obwohl die Filteranlagen des Kraftwerkes nicht auf die Verbrennung der Schadstoffe ausgerichtet seien. Das stellte der Rechtsexperte für Abfall- und Verwaltungsrecht Prof. Dr. Martin Führ, in einem Interview mit dem Stadtspiegel heraus.

Für die Verbrennung des Petrolkoks in Lünen und Herne gilt nun, dass das Umweltministerium alle Vorgänge erneut überprüft.