Doch keine Eurobahnen als S1 und S4 im Ruhrgebiet - VRR sorgt für Schock!

Eine S-Bahn in Dortmund. Foto: Feuerwehr Dortmund
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Eine S-Bahn in Dortmund. Foto: Feuerwehr Dortmund

Der VRR hat wenige Monate vor der Vergabe der Linien S1 und S4 an Keolis (Eurobahn) den Vertrag gekündigt. Diese Auswirkungen hat das für die Fahrgäste.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat wenige Monate vor der Vergabe der Linien S1 und S4 an Keolis (Eurobahn) den Vertrag gekündigt. Diese Auswirkungen hat der Schritt für die Fahrgäste:

  • Der VRR bemängelt die Personalrekrutierung bei Keolis.
  • Die S1 und S4 hätten ab Dezember ursprünglich in die Hände des Eurobahn-Betreibers gehen sollen.
  • Die Vergabe wird nun neu ausgeschrieben.

Keine Eurobahnen als S1 und S4 - VRR kündigt Vertrag

Vor allem den Studenten in Dortmund ist die S1 bestens bekannt. Sie bringt viele Studis täglich zur TU - ist aber aufgrund von Verspätungen, Zugausfällen und fehlenden Waggons nicht die beliebteste Linie in Dortmund.

Aktuell wird die Linie von der DB Regio betrieben. Das sollte aber nur bis zum 15. Dezember dieses Jahres der Fall sein. Danach hatte der Verkehrsbetrieb Rhein-Ruhr (VRR) eigentlich geplant, die Linien in die Hand von Keolis - also dem Betreiber der Eurobahn - zu geben.

Doch daraus wird jetzt nichts. Der VRR hat den Vertrag kurzfristig gekündigt. Bei Keolis ist man deshalb mehr als verdutzt. "Wir sind zutiefst enttäuscht und schockiert, diese wichtige Information den Medien entnehmen zu müssen", schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme.

Hat Keolis Planstellen nicht besetzen können?

Der VRR ging den drastischen Schritt, weil "in den seit Anfang des Jahres 2019 regelmäßig stattfindenden Statusgesprächen mit Keolis deutlich wurde, dass das Unternehmen etwa die Hälfte der notwendigen Planstellen nicht mit Triebfahrzeugführern besetzen und damit keinen für den Fahrgast zuverlässigen Betrieb der Linien ab Mitte Dezember garantieren kann."

Demnach hätten bei Keolis rund 60 bis 80 Mitarbeiter gefehlt. "Umso unverständlicher", so VRR-Vorstandssprecher Ronald R.F. Lünser, sei es, "dass seit Vertragsabschluss im Jahr 2016, das Unternehmen nicht in der Lage ist, die notwendigen Rekrutierungen von Personalen umzusetzen."

Um die Daseinsvorsorge aufrecht zu erhalten, habe sich der VRR also dazu entschieden, die Linien S1 und S4 per Notvergabe an die DB RegioAG zu vergeben. Es bleibt vorerst also alles beim Alten. Zum Einsatz kommen dabei die aktuell auf den Linien verkehrenden redesignten Fahrzeuge des Typs ET 422.

Bei Keolis, die laut eigenen Angaben über Online-Medien von der Kündigung erfuhren, ist man laut Magali Euverte, Vorsitzende der Geschäftsführung, "sehr überrascht und tief enttäuscht über diese Entscheidung.“

Seit 2016 sei das Unternehmen mit den Planungen zur Übernahme der Linien S1 und S4 aktiv. In dieser Zeit sei unter anderem Personal rekrutiert und die Fahrzeugreinigung und -instandhaltung organisiert worden.

Die EVG auch im Jahr 2020 wieder zu Streiks im Tarifstreit mit der Eurobahn auf. Die Streiks sorgen nicht nur für Zugausfälle.

"Verstehen diese Entscheidung noch viel weniger"

Der Herausforderung des Fachkräftemangels, offenbar der Hauptgrund für die Kündigung des Vertrags, habe sich Keolis angenommen. "Gerade weil wir innerhalb der Branche mit allen Partnern intensiv zusammenarbeiten und Lösungen zugunsten unserer Fahrgäste erarbeiten, verstehen wir diese Entscheidung noch viel weniger“, ergänzt Euverte.

Beim VRR scheint man dem aber keinen Glauben zu schenken. Die beiden S-Bahn-Linien sollen parallel zur Notvergabe im Rahmen eines europaweiten wettbewerblichen Vergabeverfahrens neu ausgeschrieben werden.

VRR-Vorstandssprecher Ronald R. F. Lünser: "Insbesondere nach der durch den NWL und dem VRR ausgesprochenen Abmahnung von Keolis Ende des letzten Jahres müsste deutlich geworden sein, dass wir durchaus bereit sind auch konsequente Schritte zu gehen, um die Qualität im SPNV (Schienenpersonennahverkehr, Anmerkung der Redaktion) zu sichern."

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