Bild: Daniele Giustolisi/RUHR24

Die Bundeswehr sucht Personal – und macht deshalb über alle Kanäle Werbung dafür. Jetzt rollt sogar eine S-Bahn im Camouflage-Optik durch das Ruhrgebiet.

„Mach, was wirklich zählt“ oder „Grünzeug ist auch gesund für deine Karriere“: Mit Sprüchen wie diesen macht die Bundeswehr aktuell offensiv Werbung im Ruhrgebiet. Aktuell fährt eine S-Bahn der Deutschen Bahn in Tarnfarben und der großflächigen Werbung durch die Region – etwa die S1.

Eine S-Bahn der DB mit Werbung für die Bundeswehr steht am Bochumer Hauptbahnhof. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
Eine S-Bahn der DB mit Werbung für die Bundeswehr steht am Bochumer Hauptbahnhof. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Zum Hintergrund: Seit 2016 fährt die Bundeswehr verstärkt Werbekampagnen, wie etwa die Youtube-Videos „Die Rekruten“. Seit dem Ende der Wehrpflicht ringt sie um Personal. Werbeplakate und Banner spielen zudem mit Klischees, wollen bewusst provozieren. Doch Sprüche wie „Krisenherde löscht du nicht mit Abwarten und Teetrinken“ oder „Wahre Stärke findest du nicht zwischen zwei Hanteln“ kommen nicht überall gut an.

Bundeswehr sorgt zur Gamescom für Aufregung

Zur Gamescom in Köln etwa sorgte die Bundeswehr mit Plakaten im Stil von Videospielen und den Parolen „Multiplayer at its best!“ und „Mehr Open World geht nicht“ für Kritik. Die Bundeswehr verteidigte danach die Kampagne. Man wolle, so wie andere Arbeitgeber auch, mit jungen Menschen ins Gespräch kommen.

Plakat der Bundeswehr. Quelle: Bundeswehr
Mit diesen Plakaten wirbt das Militär um Personal. Quelle: Bundeswehr

Eine Argumentation, die nicht überall verstanden wird. „Die Bundeswehr betreibt seit Abschaffung der Wehrpflicht irreführende Reklame, um Jugendliche für den Wehrdienst zu gewinnen. Stets wird suggeriert, dass es dabei um Spaß und Abenteuer geht. Dass Soldaten bei Kriegseinsätzen hohen Risiken ausgesetzt sind und dabei unter Umständen Menschen töten müssen, wird nicht thematisiert“, sagte Albert Recknagel, Vorstandssprecher von terre des hommes im vergangenen Jahr.

Deutsche Bahn kooperiert mit Militär

Die Deutsche Bahn unterdessen zeigt sich der Bundeswehr nicht abgeneigt. Schon seit Jahren bietet sie ausgeschiedenen Soldaten eine berufliche Perspektive. 2014 wurde ein entsprechender Kooperationsvertrag unterschrieben.

In Potsdam sorgte Bundeswehr-Werbung auf Straßenbahnen unterdessen für erbitterte Diskussionen im Stadtrat. Die Fraktion „Die Andere“ behauptete laut Tagesspiegel,
dass der Anblick dieser Straßenbahn bei einer zuvor in Afghanistan stationierten Soldatin „eine posttraumatische Stresssituation ausgelöst“ habe. Auch in Oberhausen gab es entsprechende Diskussionen um Straßenbahnen in Camouflage-Optik.

Eine Anfrage an die Deutsche Bahn läuft aktuell, konnte bislang aber noch nicht beantwortet werden. Wir ergänzen die Stellungnahme, sobald sie da ist.