Eine enorme Entlastung für Pendler

Nahverkehr wie in Japan: Neues Konzept könnte den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren

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Verrücktes Projekt fürs Ruhrgebiet - kommt künftig das Tokio-Konzept?

Ein neues Nahverkehrskonzept könnte bald den öffentlichen Nahverkehr im Ruhrgebiet verändern - Gibt es zwischen Dortmund und Düsseldorf bald eine Circle-Line? 

  • Ratsvertreter aus Bochum fordern eine Umgestaltung des Nahverkehrs im Ruhrgebiet.
  • Die Politiker orientieren sich an Metropolen wie London oder Tokio.
  • Geplant ist eine sogenannte Circle-Line, also eine Ringlinie durch das Revier.

Update, Sonntag (19. Januar), 12 Uhr: Bochum - Mittlerweile hat sich der VRR zu den Plänen der Circle-Line im Ruhrgebiet geäußert. Das Statement überrascht. Denn grundsätzlich ist man daran interessiert. Doch es gibt einen Haken. 

Erstmeldung, Donnerstag (9. Januar): Im 4-Minuten-Takt durch das Ruhrgebiet: Geht es nach den Vorstellungen der "Stadtgestalter" aus Bochum, könnte das künftig Realität zwischen Dortmund und Duisburg sein. Die Wählergruppe, die auch im Rat der Universitätsstadt sitzt, ist bekannt für verrückte Ideen, die verlockend klingen. Nur: Wie realistisch ist dieses Konzept?

Bochum: Stadtgestalter wollen im Ruhrgebiet Nahverkehr wie in Tokio

Konkret stellen sich die Stadtgestalter für das Ruhrgebiet künftig ein ähnliches Konzept für den Nahverkehr vor, wie es in Weltstädten wie Tokio oder London bereits Realität ist. Dort verkehrt eine sogenannte Circle-Line, also eine Ringlinie, an der die wichtigsten Bahnhalte liegen. Im Ruhrgebiet fehlt eine solche Linie, die (fast) alle wesentlichen Städte des Ruhrgebietes miteinander verbindet.

Das Ziel der Stadtgestalter: Möglichst wenige Umstiege soll es für Pendler im Ruhrgebiet künftig geben. Voraussetzung dafür sei laut der Wählergruppe eine eigene Trasse, auf der nur Bahnen dieser Circle-Line verkehren würden. Um das Konzept zu ermöglichen, sei eine Ring- und eine Achtlinie nötig, wie diese Grafik zeigt:

So könnte künftig das Nahverkehrs-Netz im Ruhrgebiet aussehen.

Mit der Achtlinie, so die Hoffnungen, würden 4,2 Millionen Menschen verbunden, die entlang der 28 Halte der Linie wohnen. Der Plan: Beide Linien, orange und grün, könnten in einem 4-Minuten-Takt verkehren. Der Vorteil wären nicht nur enge Taktungen, sondern auch weniger Umstiege für Pendler.

ICEs und ICs würde im Ruhrgebiet nur in Dortmund oder Duisburg enden/starten

Ganz ohne Opfer sei dieser Plan allerdings nicht umzusetzen. So sei denkbar, dass ICEs oder ICs, die nicht durch das Ruhrgebiet führen, sondern hier starten oder enden, nur noch bis/ab Dortmund oder Duisburg fahren. Außerdem müssten Regionallinien, die Städte außerhalb des Ruhrgebiets anfahren, nicht mehr durchs Ruhrgebiet fahren, sondern könnten bis zu einem Haltepunkt der Circle-Line fahren. 15 bis 20 Jahre, so die Rechnung der Stadtgestalter aus Bochum, könnte die Planung einer solchen Circle-Line dauern.

Ob das dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in die Karten spielt? Immerhin setzt der Verkehrsverbund aktuell voll auf das Projekt "RRX". Im 15-Minuten-Takt sollen dessen Züge künftig Menschen auf der Kernstrecke zwischen Dortmund und Köln miteinander verbinden. Damit das Projekt realisiert werden kann, ist allerdings ein umfangreicher Aus- und Umbau der Schienenstrecken notwendig, der viele Jahre  - voraussichtlich sogar bis 2035 - dauern wird. Schwer vorstellbar, dass die Planer das Projekt ad acta legen, um eine Circle-Line ins Leben zu rufen.

Stadtgestalter aus Bochum halten RRX durch das Ruhrgebiet für nicht ausreichend

Die Stadtgestalter machen keinen Hehl daraus, was sie vom RRX halten: nämlich nicht ganz so viel. Die Frequenz sei zu gering, ist ein Kritikpunkt. Ein anderer lautet: Städte, die nicht an der Achse Hamm - Köln lägen, seien nur mit Abstrichen zu erreichen. 

In anderen Metropolen, so die Wählergruppe, lägen die Takte der Züge, die die Hauptstationen verbinden, bei fünf Minuten und weniger. "Sollen die Einwohner des Ruhrgebietes zukünftig einen wesentlichen Teil (25 bis 30 Prozent) ihrer Wege mit dem ÖPNV zurücklegen, dann muss auch im Ruhrgebiet in 20 Jahren ein solcher Takt erreicht werden", lautet die Forderung.

Alle fünf Minuten ein Regionalexpress - für die Menschen im Ruhrgebiet klingt die Forderung verlockend. Am Ende bleibt die Frage, ob sie realisierbar ist.

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