Nahverkehr im Ruhrgebiet ein "Armutszeugnis": Experte fordert Einheitsgesellschaft für Bus und Bahn

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Haltestelle in Mengede: Der öffentliche Nahverkehr im Ruhrgebiet war Thema bei Frontal21. Foto: Bianca Hoffmann/RUHR24

Der öffentliche Nahverkehr im Ruhrgebiet war am Dienstag Thema beim ZDF. Frontal 21 befragte Verkehrsexperten. Und die kamen zu keinem guten Zeugnis.

Das investigative ZDF-Magazin Frontal 21 hat sich den öffentlichen Nahverkehr im Ruhrgebiet genauer angeschaut. In einem Flickenteppich aus zahlreichen Verkehrsverbünden würde laut Experten nur eines helfen: Eine Einheitsgesellschaft wie in Berlin.

Nur zehn Prozent aller Wege im Ruhrgebiet werden mit Bus und Bahn zurückgelegt. Und nicht alle Strecken sind gleich gut ausgebaut. So benötigen Bahnfahrer teilweise länger von Dortmund bis Dinslaken als von Dortmund bis Hamburg. Das hat unter anderem der Regionalverband Ruhr (RVR) untersucht.

Bürger sind über die Stadtgrenzen hinaus unterwegs

Und auch Verkehrsexperten bestätigen diese Ergebnisse gegenüber Frontal 21. Vor allem sind die Zuständigkeiten bei den vielen Städten und Landkreisen mit jeweils eigenen Verkehrsbetrieben vielen ein Dorn im Auge.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) sagt gegenüber dem ZDF: "Ich würde mir schon wünschen, dass die großen Oberbürgermeister aus dem Ruhrgebiet ein Stück dem Rechnung tragen würden, wie ihre Bürger heute mobil sind, nämlich über Stadtgrenzen hinaus."

Ruhrgebiet: Öffentlicher Nahverkehr ist ein "Armutszeugnis"

In dem Bericht von Frontal 21 werden vor allem schlechte Zusammenarbeit der jeweiligen Stadtverbände wie der DSW21 in Dortmund oder der Bogestra in Bochum genannt. Dazu kommen die exorbitant hohen Gehälter der Geschäftsführer der Verbände.

Für Rudolf Juchelka, Wirtschaftsgeograf an der Universität Duisburg-Essen, ist das ein "Armutszeugnis für Politik und Verkehrsplanung im gesamten Ruhrgebiet".

Die Verkehrsexperten fordern bei Frontal 21 eine Einheitsgesellschaft im Ruhrgebiet, wie es zum Beispiel in Berlin mit der BVG oder in Wien mit den Wiener Verkehrsbetrieben längst der Fall ist.