Einnahmen steigen trotzdem

Günstig parken im Ruhrgebiet: Warum das in vielen Städten der Fall ist

Parken ist in Städten des Ruhrgebiets, wie hier in Dortmund, noch relativ günstig.
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Parken ist in Städten des Ruhrgebiets, wie hier in Dortmund, noch relativ günstig.

Parken ist im Ruhrgebiet günstig. Gleichzeitig zeigen sich Städte wie Dortmund in vielerlei Hinsicht ahnungslos. Was ist da los?

Dortmund - Das Ruhrgebiet ist Autoland. Daran hat sich selbst in Zeiten der Klimakrise nichts geändert. Umso erstaunlicher erscheint es da, dass die Städte im Pott Autofahrer noch mit günstigen Parkgebühren in die Citys locken - oder, wie in Bochum, Autofahrer während der Corona-Pandemie mit Gutscheinen in die Innenstadt holen.

Ort

Ruhrgebiet

Einwohner

Rund 5 Millionen

Bevölkerungsdichte

1152 Einwohner pro km²

Parken im Ruhrgebiet: Niedrige Gebühren locken Autofahrer

Während man in Münchens Innenstadt um die 2,50 Euro und in Stuttgart vier Euro pro Stunde hinblättern muss, erscheint das Ruhrgebiet als wahres Parkplatz-Paradies.

Laut einer aktuellen Recherche von Correctiv seien etwa in Dortmund die Parkplatzgebühren seit 30 Jahren nicht erhöht worden. Inflationsbereinigt hätten sich die Kosten seit 1993 sogar "in etwa halbiert", zitiert das Recherche-Netzwerk einen Stadtsprecher.

Ruhrgebiet: Autofahrer reagieren empfindlich auf höhere Gebühren

Wer mit dem Auto in die Innenstadt von Dortmund fährt, zahl derzeit innerhalb des Wallrings 1,50 Euro die Stunde. Da können Einwohner von Amsterdam oder Stockholm nur müde lachen, werden in diesen Metropolen teils bis zu fünf Euro pro Stunde fürs Parken genommen.

Warum erhöhen Städte wie Dortmund also nicht einfach die Preise fürs Parken und sorgen dafür, dass mehr Menschen mit Bus und Bahn ins Zentrum fahren? Der Grund dafür sei laut Stadt Dortmund "der deutsche Autofahrer". Er reagiere bei diesem Thema empfindlich.

Und so kommt es, dass in Städten wie Bottrop sogar nur fünf Prozent aller innenstädtischen Parkplätze am Straßenrand bewirtschaftet werden. Beim Rest genügt eine Parkscheibe hinter der Windschutzscheibe.

Video: BHG-Urteil: Abstreiten schützt nicht vor Knöllchen

Wer dennoch einen gebührenpflichtigen Parkplatz in Bottrop erwischt, muss einen Euro die Stunde im Parkhaus und 75 Cent am Straßenrand berappen. Nur wenig teurer sind die Parkgebühren in Gelsenkirchen und Recklinghausen.

NRW: Immer mehr Autos werden zugelassen

Dabei könnten die Kommunen durchaus mehr Geld fürs Parken verlangen, angesichts der steigenden Auto-Zulassungen in NRW. Den leeren Stadtkassen würde eine striktere Preispolitik zudem auch guttun. Zum Hintergrund: Zwölf Millionen Kraftfahrzeuge waren in NRW am 1. Januar 2020 laut Statistischem Landesamt gemeldet.  Je 1000 Einwohner gab es zu diesem Stichtag 673 Fahrzeuge.

Wie viele Autos gibt es im Ruhrgebiet pro Einwohner? Die Grafik zeigt die Zuwächse zwischen 2013 und 2019

Und wie viele Parkplätze stehen für Autos und Co. im Ruhrgebiet zur Verfügung? Teils wird das gar nicht erfasst. Gegenüber Correctiv hieß es von der Stadt Dortmund, eine genaue Anzahl bzw. die Fläche für alle Parkplätze in der Stadt könne nicht angegeben werden.

Ruhrgebiet: Kommunen wie Duisburg schreiben fleißig Knöllchen

Trotz niedriger Parkgebühren im Ruhrgebiet schreiben die Kommunen aber dennoch fleißig Knöllchen. Was die Einnahmen betrifft, gibt es zwischen den Städten allerdings beträchtliche Unterschiede.

So hoch waren die Bußgeldeinnahmen zwischen 2017 und 2019 in einigen Städten des Ruhrgebiets.

Essen etwa hat mit 2,5 Millionen Euro Bußgeldern im Jahr 2019 etwa drei mal so viel Geld eingenommen wie Dortmund (900.000 Euro). Dabei haben die Stadt ähnlich viele Einwohner und Autos. Ein Sprecher der Stadt Essen vermutet, die Anzahl der Kontrolleure und die Höhe der Bußgelder könnte miteinander zusammenhängen.

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In Duisburg scheinen die Kontrolleure besonders strikt oder besonders häufig zur Tat zu schreiten. 6,3 Millionen Euro nahm die Stadt in 2019 aufgrund von verhängten Bußgeldern ein.