Kommentar

UEFA verbietet Regenbogen auf Allianz Arena: Die Protest-Antwort aus dem Ruhrgebiet ist verdient

Die Debatte um Regenbogenfarben am Stadion in München zeigt: Der Protest gegen die UEFA ist richtig, gerade weil der Fußball noch nicht so weit ist – meint RUHR24-Redakteur Florian Forth. Ein Kommentar.

Dortmund – Der Trubel um die Regenbogen-Beleuchtung am Münchener Stadion ist ein Paradebeispiel für den Streisand-Effekt: Der Europäische Fußballverband (UEFA) wollte die Debatte vor dem Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn herunterspielen und hatte die bunten Lichter kurzerhand verboten. Aber anstatt das Thema damit auszublenden, hebt die UEFA den Kampf gegen Homophobie umso stärker in den Fokus. Gut so.

Regenbogenfarben: Protest geschieht der UEFA vor EM-Spiel Deutschland - Ungarn recht

Denn jetzt leuchtet am Mittwochabend gefühlt in jeder deutschen Großstadt mindestens ein Gebäude in Regenbogenfarben – aus Protest. Auch im Ruhrgebiet: Die Stadt Dortmund lässt markante Gebäude anstrahlen, der VfL Bochum erklärt sich ebenfalls solidarisch. Die Zeche Zollverein in Essen schreibt: „Unter Tage sind alle Menschen gleich. Über Tage auch.“

Und auch BVB-Spieler Mats Hummels setzte bei der Pressekonferenz vor dem Spiel Deutschland gegen Ungarn am Mittwoch (23. Juni, 21 Uhr) ein entsprechendes Statement: „Love Unites“ stand auf seinem bunten T-Shirt. Das sind starke Statements für Toleranz, Akzeptanz und Gleichstellung. Und sie sind bitter nötig.

Deutschland gegen Ungarn: Gesetz von Viktor Orban laut von der Leyen „eine Schande“

Denn das Thema schlägt mittlerweile so hohe Wellen, dass der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban seinen Besuch beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn abgesagt hat. Zum Hintergrund: Der Rechtspopulist werkelt in seiner Heimat gerade an einem Gesetz gegen Homosexuelle. Es soll etwa Aufklärung über das Thema bereits in den Schulen unterbinden.

Beobachter fürchten, dass künftig sogar entsprechende Filme oder Werbung mit gleichgeschlechtlichen Paaren verboten sein könnten. Damit würde die homosexuelle Lebenswirklichkeit nahezu gänzlich aus dem öffentlichen Leben verbannt werden. Selbst EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte das Gesetz „eine Schande“.

UEFA: Allianz-Arena in München wird zu EM-Spiel nicht in Regenbogenfarben erleuchten

Dass die Allianz-Arena in München zum Länderspiel am Mittwoch trotzdem nicht bunt erleuchtet wird, liegt auch an der Struktur des europäischen Fußballs. Bei der UEFA bleibt es bei Lippenbekenntnissen, wenn es hart auf hart kommt. Echte Unterstützung sieht anders aus, wie auch Ex-Profi Thomas Hitzlsperger bereits kritisierte. Das fällt dem Verband jetzt zu Recht auf die Füße.

So wird das Stadion in München beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn wohl nicht aussehen.

Man darf nicht vergessen: Der Fußball ist ja nicht unpolitisch. Große Sportereignisse werden mindestens seit Jahrzehnten politisch (aus)genutzt – ob man das will oder nicht. Denn es geht ja auch immer um Geld, das auch aus Ländern wie Russland, Katar oder eben Ungarn kommt. Allesamt Länder, die die Rechte von Minderheiten noch immer mit Füßen treten.

Regenbogen-Streit der UEFA: American-Football-Liga NFL macht es besser

Der US-Football macht vor, wie es gehen kann. Erst diese Woche hat sich erstmals ein aktiver NFL-Spieler als schwul geoutet. Carl Nassib, ein zugegebenermaßen eher unbekannter Spieler der Las Vegas Raiders, machte das charmant: „Ich wollte nur kurz sagen, dass ich schwul bin. Ich wollte das schon eine ganze Weile tun, nun fühle ich mich bereit das loszuwerden“, schrieb er auf Instagram.

Die Reaktionen waren überwältigend positiv. Das Trikot des Spielers verkauft sich wie frisch geschnitten Brot, es gibt Zuspruch von der Liga, den Mannschaften und seinen Mitspielern. Ein schönes Zeichen, wenn die NFL als Ein-Land-Liga auch andere Voraussetzungen hat, als der Fußball in Europa. Trotzdem darf es als unwahrscheinlich gelten, dass sich in absehbarer Zeit irgendwo ein aktiver Fußballer outet.

Regenbogen-Streit der UEFA: Gut, wenn Rechtspopulisten abgeschreckt werden

Deshalb verwundert der Trubel um ein Zeichen wie das bunte Stadion in München leider gar nicht. Die Regenbogenfarben sind dabei viel mehr als ein paar bunte Streifen. Sie machen klar, dass eine Gesellschaft Minderheiten anerkennt und sie genau dieselben Rechte genießen, wie jeder andere auch. Und der Witz bei der Gleichstellung ist ja, dass niemandem etwas weggenommen wird. Ganz im Gegenteil.

In Dortmund sollen die Fliegenden Bilder am U-Turm in Regenbogenfarben leuchten.

Und so ist es gut, dass pünktlich zum Spiel der Deutschen Nationalmannschaft überall im Land Gebäude in Regenbogenfarben strahlen. Der Protest soll helfen, dass nicht nur in Deutschland künftig jeder so leben kann, wie er es für richtig hält; dass sich niemand verstellen muss, psychische Probleme bekommt oder gar verfolgt wird.

Und wenn der Protest dazu führt, dass ewiggestrige wie Viktor Orban doch nicht nach Deutschland reisen, um sich ein Fußballspiel anzusehen, dann war es ja am Ende doch noch für etwas gut. Noch besser wäre es, wenn auch die UEFA ihre Konsequenzen daraus ziehen würde. Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Ansicht des Autors und muss nicht zwingend die Meinung der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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