Unfassbare Geschichte

Ehemaliger Maler aus dem Ruhrgebiet will Obdachlos werden - und soll jetzt plötzlich ins Gefängnis

Die Reste eines Joints wurden einem Obdachlosen aus Recklinghausen zum Verhängnis.
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Die Reste eines Joints wurden einem Obdachlosen aus Recklinghausen zum Verhängnis.

Ein ehemaliger Maler aus Recklinghausen wollte als Obdachloser leben. Durch einen Zufall muss er jetzt wohl ins Gefängnis.

  • Der ehemalige Maler kündigte seine Wohnung, um ein Experiment zu wagen.
  • Er wollte fünf Jahre als Obdachloser auf der Straße leben.
  • Ein doofer Zufall könnte ihn jetzt in den Knast bringen.

Recklinghausen - Weit weniger als ein Gramm Marihuana war es, die im Besitz eines Obdachlosen aus Recklinghausen gefunden wurden. So wenig, dass die Menge eigentlich nach einem Passus im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) straffrei hätte bleiben können. Stattdessen droht dem Mann aus Recklinghausen nun eine hohe Geldstrafe - oder ersatzweise mehr als ein Monat im Knast

Recklinghausen: Haftstrafe wegen Drogenbesitzes

Es ist § 31a des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) der besagt, dass der Besitz einer geringen Menge Betäubungsmittel - wie zum Beispiel Marihuana - folgenlos bleiben kann. Zum Beispiel dann, wenn die Drogen nur für den Eigenbedarf genutzt werden und es sich wirklich um eine kleine Menge handelt. Die Menge, die dabei als "klein" angesehen wird, variiert von Bundesland zu Bundesland. In NRW liegt die Grenze bei Cannabis beispielsweise bei etwa 10 Gramm. 

Video: Cannabis in Deutschland: Ein Jahr nach der Legalisierung

Wer nur soviel und nicht mehr besitzt, kann damit rechnen, dass keine Strafverfolgung stattfindet. Doch die Betonung liegt auf "kann"! Denn auch eine so geringe Menge Drogen zu besitzen, ist laut Gesetz zunächst trotzdem eine Straftat. Der § 31a des BtMG lässt lediglich die Möglichkeit offen, dass die Staatsanwaltschaft in einem solchen Fall von einer Strafverfolgung absieht. Zum Beispiel um sich auf die wirklich schweren Fälle rund um Drogenhandel und -besitz fokussieren zu können. 

Doch genau dieses Detail wurde einem Obdachlosen nun zum Verhängnis: Obwohl er laut Bild nur 0,01 Gramm Marihuana besaß, muss er nun womöglich für 40 Tage in den Knast - oder 400 Euro Strafe zahlen. Unverhältnismäßig findet das zumindest sein Anwalt. 

Obdachloser aus Recklinghausen besaß Reste eines Joints

Das Problem: Zwar war es nur eine winzig kleine Menge Drogen, die bei dem 40-jährigen Obdachlosen gefunden wurde. Doch die fandlaut Bild eine Gefängniswärterin, während der Obdachlose in Remscheid einsaß. "Die Drogen wurden in der Justizvollzugsanstalt gefunden", bestätigt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Zeitung. Und da würde eine harte Linie gefahren. Heißt: Jede noch so kleine Straftat, die im Knast begangen wird, wird angeklagt. 

Für den Obdachlosen, der nun wegen Drogenbesitzes verurteilt wurde, kam der Strafbefehl völlig unerwartet:  Den Vorfall hatte er längst vergessen, erzählte er der Bild. Seinem Experiment als Obdachloser dürfte das zunächst ein jähes Ende setzen. Denn eigentlich hatte der ehemalige Maler vor vier Jahren seine Wohnung gekündigt, um eine neue Sicht auf die Welt zu entdecken. Dafür wollte er mindestens fünf Jahre auf der Straße leben.

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