Erneute Anschuldigungen

Polizei Essen: Rassistische Gewalt? Polizei kassierte massive Vorwürfe von Familie

Polizisten im Einsatz bei einer Demonstration gegen Rassismus. (Symbolbild)
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Polizisten im Einsatz bei einer Demonstration gegen Rassismus. (Symbolbild)

Erneut wird der Polizei Essen rassistisches Verhalten im Einsatz vorgeworfen. Die Beamten weisen jede Schuld von sich.

  • Eine dunkelhäutige Familie aus Essen wirft der Polizei rassistische Gewalt vor.
  • Das Polizeipräsidium bestreitet die Vorwürfe.
  • Nun hat die Polizei Bochum die Ermittlungen übernommen.

Update, Mittwoch (29. April), 17.43 Uhr: Essen - Nur wenige Wochen nach den Vorwürfen der Polizeigewalt in Essen hat eine Familie aus dem Stadtteil Bochold der Polizei ähnliches vorgeworfen. Die Beamten sollen bei einem nächtlichen Einsatz brutal und beleidigend gegen die Familie vorgegangen sein. Die Polizei währt sich. Jetzt ermittelt die Polizei Bochum in der Angeleinheit.

Erstmeldung, Montag (9. März), 17 Uhr:  Eine dunkelhäutige Frau geht in Essen zur Polizei, um den Diebstahl ihrer Geldbörse anzuzeigen. Doch statt die Sorgen der Frau ernst zu nehmen, lachen die Beamten sie nur aus. Anschließend schlagen sie sogar noch auf die 50-Jährige und ihre Tochter ein. Zu dieser unglaublichen Situation soll es am Mittwoch (4. März) gekommen sein. Zumindest, wenn man den Schilderungen des Opfers und ihrer Familie glaubt.

Rassismus in Essen? Polizei widerspricht Vorwürfen

Die Polizei widerspricht den Rassismus-Vorwürfen, den sich jetzt auch der Sänger Xavier Naidoo (48) nun stellen muss. Sie sieht die Sache etwas anders: In einer offiziellen Stellungnahme distanziert sich das Polizeipräsidium Essen von jeder Form rassistischer Gewalt. Vielmehr hätten die Angehörigen der mutmaßlich beklauten Frau Beamte beleidigt und randaliert. Die beschuldigten Einsatzkräfte reagierten aus Sicht des Polizeipräsidiums angemessen.

Doch zurück auf Anfang: Die Frau, um die sich der Vorfall hauptsächlich dreht, erschien am Mittwoch (4. März) in der Polizeiinspektion Mitte in Essen. Soweit sind sich beide Parteien einig. Doch dann entwickeln sich die Darstellungen in verschiedene Richtungen.

Rassismus-Vorwurf in Essen: "Wenn es dir nicht passt, dann geh raus aus unserem Land"

Denn aus Sicht der 50-jährigen Frau kam es zu rassistischen Übergriffen. Wie ihr Sohn über soziale Netzwerke berichtet, hätten die Beamten seine Mutter nicht ernst genommen und sogar ausgelacht. Danach hätten die Polizisten die Frau und ihre Tochter sogar geschlagen.

Als der Sohn sich später über das Vorgehen der Beamten beschweren wollte, sei er selbst "brutal geschlagen" worden und musste schließlich sogar im Krankenhaus behandelt werden. Gegen seinen Einwand, man könne Menschen so nicht behandeln, hätten die Polizisten aus Essen entgegnet: "Wenn es dir nicht passt, dann geh raus aus unserem Land."

Rassismus in Essen? Kritik an der Polizei

Diese Darstellung der Geschehnisse teilte schließlich die Berliner Journalistin Anna Dushime auf Twitter. "Die Geschichte klingt so unglaublich und so krass, dass man das nicht wahrhaben möchte", schreibt sie. Der Tweet verbreitete sich viral und viele Menschen äußerten Kritik an dem mutmaßlich rassistischen Vorgehen der Polizei Essen.

Doch die beschreibt die Vorkommnisse auf der Polizeiwache ganz anders. In dem Statement, dass das Polizeipräsidium Essen am Montag (9. März) veröffentlicht hat, heißt es, dass die Anzeige wegen Diebstahls zunächst aufgenommen worden sei. Währenddessen hätten sich im Vorraum der Polizeiwache zwei Frauen aufgehalten, die offenbar zu der 50-Jährigen gehörten.

Polizei widerspricht Rassismus-Vorwurf: Wer ist Opfer und wer Täter?

Die Frauen seien verbal aggressiv aufgetreten und hätten die Arbeit der Polizisten erschwert. Schließlich sollen die 16- und 17-Jährigen die Beamten sogar beleidigt. Alle drei Frauen wurden laut Polizei, nachdem die Anzeige aufgenommen worden war, mit einem Platzverweis aus dem Gebäude verwiesen.

"Zu einem späteren Zeitpunkt erschienen zwei männliche Bekannte der Anzeigenerstatterin auf der Polizeiwache Mitte, die in einem sehr aggressiven Ton Informationen zum Vorfall erhalten wollten", schreibt die Polizei weiter. Die Männer hätten den Betrieb der Wache erheblich gestört und seien deshalb mit einem Platzverweis ebenfalls aus dem Gebäude verwiesen worden.

Essen: Polizei setzt Schlagstöcke ein - Männer fliehen

Dem seien die Männer aber nicht nachgekommen. Laut Polizei sollen sie lautstark geschrien und mit ihren Fäusten gegen die Glasscheibe der Polizeiwache geschlagen haben. Die Beamten hätten daraufhin versucht, die beiden vermeintlichen Randalierer unter Einsatz ihrer Schlagstöcke unter Kontrolle zu bringen. Daraufhin seien die Männer in Richtung Hauptbahnhof geflohen.

Video: So gehen Betroffene mit Alltagsrassismus in Deutschland um

Kurze Zeit später wurde einer von ihnen - offenbar derjenige, der den Vorfall öffentlich gemacht hatte - am Europaplatz festgenommen. Da der Mann über Schmerzen klagte, sei er mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden. Nach ambulanter Behandlung habe er die Klinik wieder verlassen können.

Gegen die beiden Männer wurde laut Polizei Anzeige erstattet. Am Sonntag (8. März) habe man in Essen dann erstmals von den Rassismus-Vorwürfen erfahren. Diese weisen die Beamten von sich - auch eine Beschwerde oder Anzeige der vermeintlich Geschädigten liege nicht vor.

Rassismus bei der Polizei Essen? Bochumer Beamten ermitteln

Wie die WAZ berichtet, wird den Rassismus-Vorwürfen gegen die Polizei-Beamten dennoch nachgegangen. Die Ermittlungen hat demnach aus Neutralitätsgründen die Polizei Bochum übernommen. Diese ermittelt auch in einem weiteren Fall, in dem ein Türke mit libanesischen Wurzeln der Essener Polizei grundlose Gewalt und rassistische Beleidigung vorwirft. Auch diePolizei Gelsenkirchen muss sich nun mit dem Thema Rassismus in den eigenen Reihen beschäftigen.

Und noch ein weiterer Rassismus-Vorwurf beschäftigt die Polizei Essen: Ende Februar hatte das Aktionsbündnis "Essen stellt sich quer" vermeintlich rassistische Polizeikontrollen im Stadtteil Altrendorf angeprangert. Das Polizeipräsidium hatte daraufhin Anzeige erstattet.

Wer im aktuellen Fall die Wahrheit sagt, sollen die Ermittlungen der Polizei Bochum zeigen. Das dort ermittelt wird, bestätigte ein Sprecher der WAZ.

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