Polizei und Stadt berichten

Raser-Hochburg Ruhrgebiet: Wie eine Stadt erfolgreich das Problem löste

Auf Zeche „Ewald“ und Zeche „Schlägel und Eisen“ im Herzen des Ruhrgebiets hat es in der Vergangenheit Probleme mit der illegalen Tuner- und Raserszene gegeben. Wie hat die Stadt den Missstand in den Griff bekommen?

Recklinghausen/Herten – Das Problem ist nicht final gelöst, aber es hat sich verbessert: Der Kreis Recklinghausen und speziell die Stadt Herten haben in der Vergangenheit große Probleme mit illegalen Tunern und Rasern gehabt. Die Lösungen sind vielfältig – und teils sehr erfolgreich.

KreisRecklinghausen
StadtHerten
GeländeZeche Ewald / Zeche Schlägel und Eisen
ProblemIllegale Tuner- und Raserszene

Ruhrgebiet: Zechen im Kreis Recklinghausen sind ideale Treffpunkte für illegale Raser und Tuner

Die Gelände der Zechen Ewald und Schlägel und Eisen in der kleinen Ruhrgebietsstadt Herten (61.821 Einwohner) sind ideale Treffpunkte und Ausflugsziele. Das nutzen viele Menschen an den Wochenenden, denn es gibt auch einen Biergarten, ein Café samt Bäckerei (Ewald) oder einen Kiosk (Schlägel und Eisen).

Zudem gibt es zahlreiche Parkplätze und an der Zeche Ewald zwei lange, gerade Straßen. Die vierspurige Ewaldstraße und die näher an den Parkplätzen und auf dem Zechengelände gelegene Albert-Einstein-Allee eignen sich ideal, um zu rasen und Beschleunigungsrennen zu veranstalten. Das zieht, ähnlich wie am Phoenix See in Dortmund, die illegale Raser- und Tunerszene an.

Rennen auf der Ewaldstraße, Treffen mit lauten Motorengeräuschen, Beschleunigungstests, störende Musik und hinterlassener Müll auf dem Gelände der Zeche Ewald, häufig bis in die Nacht – die Anwohner hatten es satt.

Die Zeche Ewald in Herten (Kreis Recklinghausen) in NRW. 

„Ja, besonders an der Zeche Ewald hat sich die illegale Raser- und Tunerszene in den Sommermonaten getroffen. Das hatte Eventcharakter und sorgte für große Bürgerbeschwerden“, blickt Andreas Wilming-Weber, Leiter der Pressesteller der Polizei Recklinghausen im Gespräch mit RUHR24 zurück.

Illegale Raser und Tuner: Stadt Herten und Polizei Recklinghausen mussten auf massive Probleme reagieren

Doch was ist seitdem passiert? Im Kreis Recklinghausen hat die Polizei ihre Mitarbeiter speziell geschult. Die, so der Polizeisprecher, würden sich nun mit der illegalen Tuner- und Raserszene sehr gut auskennen.

In Zusammenarbeit mit der Stadt hat es in den vergangenen Jahren zudem bauliche Veränderungen gegeben, die den Rasern den Spaß nehmen sollten. So gibt es aktuell (Stand: März 2021) zwei Blitzer auf der vierspurigen Ewaldstraße sowie Barrieren auf der Albert-Einstein-Allee.

Zudem habe die Polizei die Kontrollen mit dem Ordnungsamt verstärkt, wie die Stadt Herten gegenüber RUHR24 erklärt. „Wir müssen dabei auch immer differenzieren. Raser sind nicht gleich Tuner. Und illegale Tuner sind nicht mit den Autoliebhabern gleichzusetzen, die ihre Autos im Rahmen der Gesetze auftunen und sich friedlich verhalten“, so der Polizeisprecher des Kreises Recklinghausen.

Eine Blockade auf Zeche Ewald in Herten (Kreis Recklinghausen), um Rasern den Spaß zu nehmen.

Jetzt scheint an den ehemaligen Tuner-Hotspots im Kreis Recklinghausen weitestgehend Ruhe eingekehrt zu sein, so Andreas Wilming-Weber gegenüber RUHR24. Zuletzt beobachtete man hier aber, dass sich die Dortmunder Szene der Raser und Tuner aufgrund des Drucks der Polizei Dortmund in Richtung Kreis Recklinghausen verschoben hätte. Die Polizei Recklinghausen reagierte darauf mit Kontrollen.

Illegale Raser und Tuner in Herten: Stadt und Polizei wollen Sommermonate 2021 zunächst abwarten

Calina Herzog von der Stadt Herten äußert sich im Detail gegenüber RUHR24 über die baulichen Maßnahmen. So habe man 2017 eine Barriere an der Albert-Einstein-Allee aufgestellt, die dann aber 2018 noch einmal abgebaut worden sei. Zudem habe man 2018 sogenannte Rüttelstreifen in den Asphalt gefräst.

Im Jahr 2020 habe sich die Situation verändert, zum Negativen. Man habe die Barrieren in der Folge wieder aufgebaut. „Wir bedauern, dass die Absperrungen auch Tuner getroffen haben, die sich dort friedlich getroffen haben“, so Calina Herzog.

Im Hinblick auf den Sommer 2021 gibt es eine Anordnung der Stadt Herten über ein Verbot auf dem Zechengelände Ewald für Kraftfahrzeuge aller Art in der Zeit von 21 Uhr bis 5 Uhr. Ähnliches sei auch für Schlägel und Eisen geplant.

Zudem habe man vor, Schwellen auf den Straßen auf dem Zechengelände einzubauen, die sich damit nicht mehr zum Rasen eignen. Pkw würde dadurch arg abbremsen müssen, verspricht sich die Stadt. Dies werde aber keinen Einfluss auf den Lkw-Lieferverkehr der Unternehmen dort haben.

Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber sieht aktuell keine Anzeichen einer ständigen Verlagerung der illegalen Tuning- und Raserszene in den Kreis Recklinghausen. Doch müsse man die kommenden Monate abwarten, in denen es wieder wärmer wird. Die Probleme aus Dortmund seien natürlich auch im Kreis Recklinghausen bekannt. Ein Vergleich sei jedoch nicht zielführend – dafür würden sich die örtlichen Gegebenheiten einfach zu sehr unterscheiden.

Rubriklistenbild: © Dennis Liedschulte; RUHR24, Polizei Dortmund / Collage: RUHR24