Nach tödlichen Schüssen auf 74-Jährigen: Ermittlungen gegen Polizisten laufen

Mann in Bochum bei Einsatz von der Polizei erschossen. Foto: dpa
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Mann in Bochum bei Einsatz von der Polizei erschossen. Foto: dpa

Die Polizei hat am Sonntag einen Mann in Bochum erschossen. Der 74-Jährige sollte zuvor von der Polizei kontrolliert werden, zückte dann einen Gegenstand.

Weil ein Mann bei einer Polizei-Kontrolle in Bochum einen "Gegenstand" aus der Tasche zog, schossen Beamten am Sonntag auf den Mann. Er starb an seinen Verletzungen.

Update, Freitag (21. Dezember), 15.44 Uhr:Nach dem Tod eines Bochumer Rentners durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe wird gegen den Beamten wegen Totschlags ermittelt. Er sei der einzige Beschuldigte in dem Verfahren, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag. Die Vernehmung von Zeugen des Vorfalls auf der Straße von einem Mehrfamilienhaus laufe. Ob der Beschuldigte Angaben machte, war zunächst offen. Er und seine Kollegen waren nach dem Vorfall medizinisch-psychologisch betreut worden.

Update, Montag (17. Dezember), 13.38 Uhr:Inzwischen haben auch die Staatsanwaltschaft Essen in Zusammenarbeit mit der Polizei Bochum eine offizielle Erklärung abgegeben. Demnach sei es schon den gesamten Tag über, vor den tödlichen Schüssen, zu Einsätzen der Polizei am Wohnort des 74-Jährigen gekommen.

Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei soll der 74-Jährige trotz klarer Warnung eines 35-jährigen Polizisten in seinen Hosenbund gegriffen haben. Mit einer kleinen, augenscheinlichen Schusswaffe soll er laut Aussage der Staatsanwaltschaft auf den Polizisten gezielt haben, der daraufhin mehrfach auf den Mann schoss. Auf die vorherige Aufforderung, die Waffe sofort fallen zu lassen, soll er nicht reagiert haben.

Bei dem waffenähnlichen Gegenstand handelt es sich nach derzeitigem Kenntnisstand der Polizei um keine scharfe Schusswaffe.

Die eingesetzten und zum Teil traumatisierten Polizeibeamten werden ärztlich betreut.

Update, Montag (17. Dezember), 11.30 Uhr: Inzwischen hat sich auch Stephan Hegger von der Gewerkschaft der Polizei zum Vorfall geäußert. Für Beamte sei es enorm schwierig, in diesen oder ähnlichen Situation abzuwägen. "Kommt eine als Gefahr eingeschätzte Person auf kurze Distanz auf den Beamten zu, muss er selbst entscheiden." Meistens seien die Schüsse dann nicht auf Arme oder Beine gerichtet, denn eine Verletzung an den Gliedmaßen könne noch eine Gegenreaktion hervorrufen. "Man muss zuverlässig treffen, man hat möglicherweise keine zweite Chance", sagte NRW-GdP-Sprecher Hegger.

Erstmeldung:

Es ist dunkel, vor einem Mehrfamilienhaus an der Velsstraße in Bochum steht Sichtschutz, der Tatort ist mit Polizeiband abgesperrt: Ein Polizist hat bei einem Einsatz einen 74 Jahre alten Mann erschossen.

Die Beamten seien am Sonntagabend (16. Dezember) gerufen worden und hätten den Mann kontrollieren wollen, sagte ein Sprecher der Bochumer Polizei der deutschen Presse Agentur.

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Schüsse in Bochum

Der Mann habe plötzlich einen - nicht näher genannten - Gegenstand gezogen. Daraufhin habe einer der Polizisten nach ersten Erkenntnissen mehrere Schüsse abgegeben, der Mann sei tödlich verletzt worden. Es sei noch versucht worden, ihn wiederzubeleben - vergeblich.

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Aus Neutralitätsgründen übernahm eine Mordkommission aus Essen die Ermittlungen.

Warum die Polizisten an den Einsatzort in Bochum gerufen worden waren, war zunächst unklar. Staatsanwaltschaft und Polizei wollen am Montagvormittag eine gemeinsame Erklärung abgeben. (dpa)