Nach CO-Vergiftung in Bochum: Das sagt ein Arzt zur Gefahr von Shisha Bars

Shisha-Bar. Foto: dpa
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Shisha-Bar. Foto: dpa

Sechs Verletzte durch Kohlenstoffmonoxid sind Bilanz eines Abends in einer Shisha-Bar in Bochum. Wie kommt es dazu - und wie gefährlich sind Shisha-Bars?

Sechs Verletzte durch das giftige Kohlenstoffmonoxid sind die Bilanz eines Abends in einer Shisha-Bar im Bochumer Bermuda Dreieck. Wie kommt es dazu - und wie gefährlich sind Shisha-Bars wirklich?

Update 14. November (18:35 Uhr): Dass schon das passive Rauchen einer Shisha lebensgefährlich ist, erklärt PD Dr. Schaaf. "Der Tabak in einer Wasserpfeife wird nicht wie bei einer Zigarette direkt verbrannt, sondern bei niedrigen Temperaturen verschwelt. Dabei entstehen Gifte wie Acetaldehyd, Acrolein oder Benzol in hohen Konzentrationen", erklärt er.

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Der Rauch einer Shisha sei sogar giftiger als filterlose Zigaretten, meint PD Dr. Schaaf vom Klinikum Dortmund. Zudem gebe es ein sehr hohes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.

Ursprungsmeldung: Wer auf der Brüderstraße in Bochum unterwegs ist, der merkt schnell - hier ist Bochums neues Shisha-Zentrum. Gleich vier Shisha-Bars gibt es auf der knapp 150 Meter langen Straße, die ins Bermuda Dreieck führt.

Eine dieser Bars geriet am 10. November in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Sechs Menschen wurden dort durch das giftige Gas Kohlenstoffmonoxid (CO) verletzt.

Eine Frau hatte vor dem Einsatz der Feuerwehr über Unwohlsein geklagt. Daraufhin mussten 120 Personen die Bar verlassen.

Stark erhöhte CO-Werte in Shisha-Bar

Bei Messungen stellte die Feuerwehr stark erhöhte CO-Werte fest. Kohlenstoffmonoxid ist ein farb-, geruch- und geschmackloses sowie giftiges Gas. Es ensteht zum Beispiel bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen. Etwa der Kohle, die zum Anheizen der Shishas genutzt wird.

Wird eine Bar, in der besonders viele Wasserpfeifen dampfen, schlecht gelüftet, steigt die Konzentration des CO in der Luft. Das kann dann gefährlich werden.

Um Schlimmeres zu verhindern, ließ die Feuerwehr Bochum alle Besucher der Bar überprüfen, sechs von ihnen wurden durch das Gas verletzt. Später fand sie im Keller der Bar noch mehrere Eimer glühender Kohle. Die Stadt verhängte in der Shisha-Bar später ein Shisha-Rauchverbot. Sie ließ in der Folge Lüftungsanlagen und CO-Melder aller 16 Bochumer Shisha-Bars überprüfen.

Giftiges Gas

Muss man sich jetzt sorgen machen, in eine Shisha-Bar zu gehen? Und: Was passiert bei einer CO-Vergiftung? Immerhin handelt sich dabei um extrem giftiges Gas. Seine Wirkungen beginnen mit Kopfschmerzen, dann folgen Schwindel und Bewusstlosigkeit. Man spricht dann von einer Rauchgasvergiftung, im schlimmsten Fall mit Todesfolge.

Kritiker monieren derzeit, es gäbe für Shisha-Bars keine klaren Regelungen. Dabei regelt das Nichtraucherschutzgesetz zumindest, dass das Rauchen in Gaststätten untersagt ist.

Die legale Alternative: Shiazo- bzw. Dampfsteine oder getrocknete Früchte können in Shisha-Bars problemlos verwendet werden. Die Realität sieht aber oft anders aus. Laut Angaben der Stadt Dortmund liegt die Beanstandungsquote in Bezug auf Tabak während der Kontrollen bei fast 100 Prozent.

Shiazo-Steine und getrocknete Früchte werden also kaum oder nur vereinzelt von Shisha-Rauchern nachgefragt.

Betreiber sind gefragt

Und so dampfen viele ihre Shishas in den unzähligen Bars des Ruhrgebiets vor sich hin - und sind dabei auch auf das Verantwortungsbewusstsein der Betreiber angewiesen. Besonders abhängig von ihren Chefs sind Mitarbeiter, die mehrere Stunden in einer Shisha-Bar den erhöhten CO-Werten ausgesetzt sind.

Um solche CO-Vergiftungen wie in Bochum zu vermeiden, müssen Café-Betreiber einige Dinge beachten.

Warngeräte können Leben retten

Ein erster Schritt wäre die Anbringung von Kohlenstoffmonoxid-Warngeräten in der gesamten Bar. Vor allem in den Nebenräumen, in denen die Kohle zum Glühen gebracht wird, ist die Gefahr besonders groß, dass der CO-Wert schnell steigt. Und auch in den Gasträumen lässt die glühende Kohle in den Shishas den Anteil an Kohlenstoffmonoxid in der Luft steigen.

Sollten Besucher einer Shisha-Bar also keine Kohlenmonoxid-Gaswarngeräte an den Wänden hängen sehen, sollte das stutzig machen. Diese sehen ähnlich aus wie Rauchmelder.

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Damit die CO-Konzentration in Shisha-Bars nicht zu hoch wird, ist die Belüftung zudem besonders wichtig. Experten empfehlen Abluftventilatoren in den Gasträumen. Diese blasen die verbrauchte Luft nach außen. Geöffnete Fenster oder Türen sollten auch für ausreichende Frischluft sorgen. Allerdings kann es im Winter dadurch ziemlich kalt werden.

Solltet ihr also in einer Shisha-Bar sitzen, in der es weder CO-Warnmelder, noch Abluftventilatoren oder offene Fenster gibt, solltet ihr lieber schnell die Bar verlassen - und nicht wieder kommen.