Vergewaltigung in Mülheim: Familie des Tatverdächtigen (15) ist verschwunden

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Vergewaltigung einer jungen Frau in Mülheim: Die Beklagten werden die Schule wechseln. Foto: dpa

Nach der Vergewaltigung in Mühlheim im Juli 2019 ist die Familie des Hauptverdächtigen (15) kurz vor der Abschiebung spurlos verschwunden. Hier die Infos.

Ein 15-Jähriger sitzt derzeit in Mülheim in Untersuchungshaft. Er steht in Verdacht, maßgeblich an der Vergewaltigung einer jungen Frau in Mülheim beteiligt gewesen zu sein. Von seiner Familie fehlt jetzt jede Spur.

  • Nach der mutmaßlichen Vergewaltigung soll die Familie des Tatverdächtigen abgeschoben worden.
  • Sie wird seit 2018 betreut.
  • Der 15-Jährige nimmt an einer Präventivmaßnahme teil.

Vergewaltigung in Mühlheim: Familie des Tatverdächtigen verschwunden

Update, 25.10.2019, 13:35 Uhr: Laut Informationen von Der Westen fehlt derzeit von der Familie des 15-Jährigen-Hauptverdächtigen der Vergewaltigung in Mühlheim jede Spur.

„Die Familie ist nicht mehr an ihrer Meldeadresse in Mülheim“, so Volker Wiebels, Pressesprecher der Stadt Mülheim an der Ruhr. Ob sie in ihr Heimatland Bulgarien zurückgekehrt ist, ist derzeit noch unklar.

Familie des Verdächtigen aus Mühlheim soll abgeschoben werden

Die Familie des mutmaßlichen Vergewaltigers soll demnächst abgeschoben werden. Ab dem 5. November werden die Eltern und die beiden minderjährigen Kinder zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben. Werden sie danach in Deutschland ausfindig gemacht, wird ihr Standort der Stadt Mühlheim weitergeleitet.

„Die Familie wird nicht festgenommen“, erklärt Wiebels, „aber wir haben dann ein Bewegungsprofil“. Die Familie soll demnach sofort abgeschoben werden, wenn sie aufgefunden wird.

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Vergewaltigung erhoben

Eine Schwester des Hauptverdächtigen hat bereits vor einigen Monaten das Land freiwillig verlassen. Der Rest der Familie soll nun folgen, weil kein gültiges Arbeitsverhältnis vorliegt. Der Arbeitsvertrag, den der Vater der Stadt Mühlheim vorgelegt hatte, war eine Fälschung.

Der Tatverdächtige sitzt immer noch in U-Haft, er ist mittlerweile 15 Jahre alt. Mitte Oktober hatte die Staatsanwaltschaft gegen ihn und zwei weitere mutmaßliche Täter Anklage erhoben.

Vergewaltigung in Mülheim: Jugendlicher ist Wiederholungstäter

Erstmeldung, 10. Juli 2019, 20:43 Uhr: Der 14-Jährige, der zusammen mit zwei 12-Jährigen eine Frau vergewaltigt haben soll, befindet sich in der Maßnahme "Kurve kriegen". Er soll so aus dem "Strudel einer Intensivtäterschaft herausgeholt werden", so Stadtsprecher Volker Wiebels am Mittwoch (10. Juli).

Bereits seit 2018 bekommt die Familie Hilfe von einer professionellen Organisation. Im vergangenen Jahr habe es einen runden Tisch mit allen beteiligten Institutionen gegeben. Daran seien unter anderem Jugendamt, Polizei und die Schule des 14-Jährigen beteiligt gewesen.

Der 14-Jährigen sitzt wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. Er soll in der Vergangenheit in noch strafunmündigem Alter wegen zwei sexuellen Belästigungen aufgefallen sein. Das hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt.

Mittlerweile hat das Jugendamt außerdem Kontakt zu allen Familien der fünf minderjährigen Tatverdächtigen aufnehmen können. Zunächst hatten Mitarbeiter des Jugendamts nicht mit allen Eltern sprechen können.

Bei einem ähnlichen Fall soll sich ein Mann in Dortmund Zugang zur Wohnung einer Frau verschafft und sie dort vergewaltigt haben.

Familie kommt in engmaschige Betreuung

Beim Versuch einer Kontaktaufnahme am Montag, hatte mindestens eine Familie die angebotene Hilfe abgelehnt. Heute hätten aber "alle Familien sehr bereitwillig mit uns zusammengearbeitet", so Wiebels.

Zuletzt kochte die Wut auch gegen den Mülheimer Oberbürgermeister Scholten hoch. Er hatte sich zunächst nicht zu der Vergewaltigung geäußert. Auch ein Psychologe, der sich in einem WDR-Interview zum Opfer geäußert hat, musste scharfe Kritik einstecken. Er bekam sogar Drohmails.

Das Kindswohl der Verdächtigen und ihrer Geschwister sei nicht gefährdet. Davon konnten sich Jugendamts-Mitarbeiter nun ein Bild machen. Die Familien kommen jetzt in eine "engmaschige" Betreuung. Beratungsgespräche, eine psychologische Betreuung oder eine Familienhilfe zur Alltagsbegleitung sind denkbar.

"Kurve kriegen"

Die Präventivmaßnahme wurde 2011 ins Leben gerufen. Die Initiative soll Kindern und jungen Jugendlichen helfen, Wege aus der Kriminalität zu finden. Zielgruppe sind auffällige Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 15 Jahren. Bei der Maßnahme arbeiten pädagogische Fachkräfte mit der Polizei zusammen.

Die Polizei Mülheim ermittelt außerdem in einem weiteren Fall der mutmaßlichen sexuellen Belästigung. Eine Jugendlichen soll am vergangenen Sonntag (7. Juli) laut Duisburger Staatsanwaltschaft von fünf Tatverdächtigen eingekreist worden sein. Die Tatverdächtigen sind ein 11-Jähriger sowie vier 15 bis 17 Jahre alte Jugendliche. Mit dpa-Material