Kritik von Betroffenen

Duisburg: Loveparade-Drama schafft es auf die Bühne - Termine für umstrittenes Stück stehen fest

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Brennende Kerzen erinnern an die Opfer der Loveparade in Duisburg. Jetzt soll die Tragödie als Theaterstück aufgeführt werden. Foto: Marcel Kusch/dpa

10 Jahre nach der Loveparade in Duisburg sollen die Geschehnisse auf die Bühne kommen. Die Verarbeitung des Unglücks sei wichtig, so das Theater. 

  • Ein Theaterstück über die Loveparade feiert in diesem Monat Premiere. 
  • Ein Verein, der sich für die Interessen der Opfer einsetzt, kritisiert das. 
  • Das Theater hingegen erachtet die Aufarbeitung als wichtig. 

Duisburg - Bei der Loveparade-Katastrophe 2010 in Duisburg kamen 21 Menschen ums Leben, weit über 500 Menschen wurden verletzt. Die Veranstaltung gibt es nicht mehr, das Verfahren gegen sechs Angeklagte und den Kreativdirektor wurde im Februar vergangenen Jahres eingestellt. Doch in Duisburg ist die Loveparade längst nicht verarbeitet.

Skandal um Loveparade-Theaterstück: Betroffene äußern sich

Das wird sich allzu schnell wohl auch nicht ändern, denn das Thema zeigt auch zehn Jahre nach dem Unglück Präsenz. Jetzt soll ein Theaterstück mit dem Namen "Parade 24/7" in Duisburg / Moers die Geschehnisse der Loveparade aufarbeiten. Das wiederum stößt bei den Betroffenen übel auf: Der Verein "Lopa 2010" kritisiert das Vorhaben des Theater s.

"Es ist unmoralisch, aus dem schlimmsten Tag der Betroffenen und Hinterbliebenen ein Theaterstück zu kreieren", heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins, der die Interessen vieler Opfer der Loveparade-Katastrophe vertritt.

Loveparade-Opfer: "Theater will sich an uns bereichern"

Ursprünglich wollte die Stadt Duisburg das Stück über die Loveparade finanziell unterstützen, gerade das sorgte für heftigen Widerstand von Lopa 2010. Der Betroffenen-Verein spricht von "Mitverantwortlichen", die keine Möglichkeit zur "adäquaten Aufarbeitung" geben würden.

Schlimmer noch: Der Verein wirft den Machern des Stücks vor, sich an ihrem Leid bereichern zu wollen. "Wieder einmal wird an unserem Unglück verdient und in die eigene Tasche gewirtschaftet", heißt es in dem Schreiben, das der Stadt eine "mangelhafte Nachsorge" nach der Katastrophe vorwirft.

Loveparade-Theaterstück thematisiert die Zeit vor der Tragödie 

Trotz vorherrschender Kritik feiert das Stück am 19. Februar am Schlosstheater Moers Premiere, die Spielzeiten des Loveparade-Stücks reichen bis Anfang April. Inhaltlich soll es aber nicht um die schlimmen Szenen des Unglücks von 2010 gehen, sondern um Versäumnisse bei der Planung der Großveranstaltung. 

"Es ist wichtig, dass man sich als Theater dazu äußert", sagte Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb gegenüber der Bild. Seit Mai 2019 habe das Team für "Parade 24/7" recherchiert, mit Augenzeugen gesprochen, Protokolle und Medienberichte durchforstet. "Wir bringen eine Collage an Zitaten auf die Bühne mit viel Bewegung. Ohne dabei Opfer oder Verantwortliche darzustellen", so Greb. Die Schuldfrage beantwortet das Stück nicht. "Wir können in der Kunst keine Antworten geben. Aber wir wollen Fragen aufwerfen."

Theaterstück über Loveparade trifft auf Akzeptanz

Der Intendant erklärte gegenüber der Bild sogar, dass das Theaterstück trotz Widerstand von Lopa 2010 auf allgemeine Akzeptanz treffen würde. Man suche den Dialog mit den Betroffenen und würde demnächst eine Probe für sie öffnen. 

Video: DJ Dr. Motte möchte die Loveparade wiederbeleben

Auch bei Techno-Fans ist das Thema Loveparade noch nicht abgeschlossen. So setzt sich DJ Dr. Motte aus Berlin derzeit für ein Comeback der einstiegen Mega-Party ein, wie RUHR24 berichtet. Sein gemeinnütziger Verein "Rave the Planet" sammelt fleißig Spenden, um die Loveparade wiederzubeleben. "Wir stellen die Frage: 'Wollt ihr eine neue Loveparade?' Über das Spendensammeln können wir herausfinden, ob das überhaupt gewollt wird von der Welt," so der DJ.

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