Bild: Kai Remmers/dpa

Eine junge Lehrerin mit türkischem Namen zieht in eine Gelsenkirchener Wohnung. Als der Mietvertrag längst unterschrieben ist, bekommt sie einen Anruf von ihrer Vermieterin: Sie zweifelt ihren Arbeitsvertrag an. Die Lehrerin findet das rassistisch, teilt ihre Erfahrung auf Twitter und löst damit eine Diskussion über Rassismus im Alltag aus.

Bahar Aslan hat es geschafft: das zweite Staatsexamen ist bestanden, los geht ihre Karriere als Lehrerin. Die Kölnerin bekommt einen Job an einer Schule in Gelsenkirchen und beschließt, in den Pott zu ziehen.

Doch der Start ihres Lebens im Ruhrgebiet bekommt einen jähen Dämpfer, als ihre Vermieterin sie anruft und fragt, ob ihr Arbeitsvertrag „echt“ sei.

Vermieterin vermutet, der Arbeitsvertrag könne gefälscht sein

Für Bahar Aslan war dies ein Schlag ins Gesicht. Der Mietvertrag war schließlich längst unterschrieben, alles anscheinend geregelt. Und nun das. Sie fragt auf Twitter: Hätte die Vermieterin ihrem Arbeitsvertrag auch misstraut, wenn ihr Vorname Lisa wäre?

Laut Bahar Aslan soll ihre Vermieterin gesagt haben: „Ich möchte nur sichergehen, ob Sie auch tatsächlich Lehrerin sind. Wissen Sie, so einen Arbeitsvertrag kann man ja heutzutage im Internet herunterladen und selbst ausfüllen.“ Ihren Personalausweis im Original wollte die Frau auch sehen.

Aslan war davon völlig überrumpelt. Sie hatte eigentlich geplant, den Tag damit zu verbringen, ihre neue Wohnung zu putzen und einzurichten. Nun durfte sie trotz gültigem Mietvertrag und Schlüssel die Wohnung nicht betreten – denn vorher wollte ihre Vermieterin sicher gehen, dass ihre Angaben stimmten.

Anstatt Möbel einzuräumen, musste die Lehrerin also ihren Schulleiter benachrichtigen und um eine zusätzliche Bescheinigung bitten, in der drin stand, dass sie tatsächlich an dieser Schule unterrichtete.

Vermieterin habe ein „merkwürdiges Gefühl“ bekommen

Dabei hatte Aslan die Wohnung natürlich vor Abschluss des Mietvertrages im Beisein ihrer Vermieterin besichtigt. Die beiden Frauen gingen zusammen den Mietvertrag durch – da schien noch alles in Ordnung zu sein.

Später jedoch, als Aslan weg war, habe die Vermieterin ein „merkwürdiges Gefühl“ bekommen. Worauf dieses „Gefühl“ aber basierte, habe ihr die Vermieterin nicht sagen wollen.

Die Wohnung findet Bahar Aslan an sich sehr schön, doch die Lust auf das Einziehen ist ihr jetzt schon vergangen. „Ich frage mich, ob ich all diesen Stress wohl gehabt hätte, wenn mein Name Lisa oder Anna wäre und nicht Bahar“, schreibt sie auf Twitter.

Bahar Aslan: „Das macht echt müde.“

„Es schmerzt sehr, wenn man aufgrund seiner vermeintlich ‚fremden‘ Herkunft kriminalisiert wird. Warum muss ich mich als Akademikerin immer noch mit solchen Vorurteilen herumschlagen?“, fragt sie die Twitter-Community frustriert. Allein ihr Name erzeuge ein Bild, gegen das sie nicht ankämpfen könne. „Das macht echt müde“.

Das Verhalten der Vermieterin wurde daraufhin in den Kommentaren heiß diskutiert. War ihr Verhalten rassistisch, einfach nur überflüssig oder nachvollziehbar? Die Twitter-Community war darüber gespaltener Meinung.

Diese Nutzerin kann die Vermieterin in Teilen verstehen.

Eine weitere Userin schreibt unter den Tweet: „Ist natürlich doof und nicht zu entschuldigen. Andererseits klingt es, als hätte die Vermieterin persönlich keine Vorbehalte gehabt und sich dann verunsichern lassen. Auch doof, aber evtl ist sie persönlich keine Rassistin, sondern nur leicht zu beeinflussen.“

Andere „Gastarbeiter-Kinder“ teilen ihre Erfahrungen

Ein weiterer Nutzer rät Bahar Aslan, das Gespäch mit der Vermieterin zu suchen und ihr zu sagen, wie sie sich fühlt. „Ich glaube, da stecken Vorurteile dahinter und vielleicht ist die Vermieterin auch gar keine Hardcore-Rassistin. Ansonsten wird das komische Gefühl immer zwischen euch stehen.“

In den Kommentaren zeigt sich aber auch: Bahar Aslan scheint nicht die einzige zu sein, die solche Erfahrungen macht:

Auch eine andere Nutzerin teilt ihre Erfahrung: Ihr türkischer Chef habe sie einmal auf der Wohnungssuche gebeten, bei einem Vermieter anzurufen und sich als „Ayse“ vorzustellen. „Das war krass, wie rassistisch dieser Vermieter war und wie er mich beleidigt hat“, schreibt sie. Ihr Chef wollte wissen, ob alle mit türkischem Namen dort so diskriminiert werden würden.

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Eine andere Nutzerin schlägt vor, Aslan solle zum Gegenschlag ausholen: „Die Vermieter sollen mal nachweisen, dass die Wohnung wirklich ihnen gehört. Mit Grundbucheintrag, im Original. Ich hab da so ein komisches Gefühl…“

Kann man einen Mietvertrag noch kündigen?

Vertrag ist Vertrag – dass beide Seiten diese bindende Vereinbarung auch einhalten, ist schließlich der Sinn dahinter. Deshalb durfte die Vermieterin der Bahar Aslan zu dem Zeitpunkt, als der Mietvertrag unterschrieben war und Aslan auch die Schlüssel hatte, tatsächlich nicht mehr kündigen. Sie hatte das Recht, die Wohnung zu betreten.

Nur wenn Bahar Aslan falsche Angaben in dem Vertrag gemacht hätte, also „arglistig getäuscht“ hätte, hätte die Vermieterin ihren Vertrag anfechten können.