Ruhrgebiet: Immer mehr Bahnhöfe haben große Mängel - ein Problem nervt besonders

Haltepunkt Mengede S-Bahnhof Dortmund. Foto: Bianca Hoffmann/RUHR24
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Haltepunkt Mengede S-Bahnhof Dortmund. Foto: Bianca Hoffmann/RUHR24

Immer mehr Bahnhöfe im VRR-Gebiet zeigen graviernde Mängel auf. Das ist das Ergebnis eines Tests des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr.

61 von insgesamt 296 Bahnhöfen im Bereich des Verkehrsverbundes Rhein Ruhr (VRR) haben erhebliche Mängel. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des VRR. Vor allem ein Punkt ärgert den Verbund und die Fahrgäste.

44 der 61 Bahnhöfe mit gravierenden Mängeln sind S-Bahn-Haltestellen. Vor einem Jahr waren es noch 54 Bahnhöfe, die negativ auffielen.

Das größte Ärgernis für die Prüfer des Verkehrsverbundes sind Graffiti in den Eingängen und an den Bahnsteigen. Sie tragen laut dem Verkehrsunternehmen "erheblich dazu bei, dass Fahrgäste einen negativen Eindruck von einer Station gewinnen."

Dafür habe es laut VRR in Sachen Sauberkeit vergleichsweise wenig zu bemängeln gegeben.

DB betreibt viele S-Bahnhöfe

Zum Hintergrund: Die meisten S-Bahnhöfe werden in der Regel von der Deutschen Bahn Station&Service AG betrieben. Das Unternehmen wäre demnach in der Pflicht, seine Bahnhöfe in Schuss zu halten.

Das Problem: Zwischen dem VRR und der DB gibt es keine direkte vertragliche Beziehung. Der Verkehrsverbund kann also nicht viel mehr tun, als öffentlich Kritik auszuüben - wie etwa mit dem Stationsbericht. Vier Mal im Jahr prüfen sogenannte "Profi-Tester" des Verkehrsverbundes dafür die 296 Bahnhöfe und Haltepunkte im VRR-Gebiet.

"Die Unternehmen sind selbst verpflichtet, sich ihrer Verantwortung zu stellen", sagt Ronald R. F. Lünser, Vorstandssprecher des VRR.

Sicherheitskräfte kämpfen gegen Sprayer

Ganz untätig scheint die Bahn nicht zu sein. Um effektiv gegen die Schmierereien vorzugehen, arbeiteten die DB-eigenen Sicherheitskräfte eng mit der Bundespolizei zusammen, heißt es vom Unternehmen. Außerdem pflege die Deutsche Bahn einen engen Kontakt zu den Landespolizeien. Eine Strategie, die zumindest an den kleineren S-Bahnhöfen nicht aufzugehen scheint.

Immerhin: Die Bahn erstatte grundsätzlich bei jedem Vandalismusdelikt Strafanzeige. Alle Verschmutzungen würden dokumentiert: „Tags“ und „pieces“ würden fotografiert, um sie den Tätern zuzuordnen und Schadensersatz fordern zu können.

Das waren die Stationen mit den schlechtesten Bewertungen in Dortmund und ihre größten Mängel:

  • Dortmund-Kurl: Mängel an Zugängen sowie Graffiti
  • Dortmund-Körne-West: Graffiti
  • Dortmund-Lütgendortmund: Graffiti
  • Dortmund-Nette/Oestrich: Graffiti
  • Dortmund-West: Graffiti

Den kompletten Bericht mit den übrigen Ruhrgebietsstädten gibt es hier .

Aber von Seiten des VRR gibt es nicht nur was zu meckern. Positiv hebt der Verkehrsverbund hervor, dass 2018 Hinweisschilder erneuert wurden und Aufzüge zuverlässiger liefen.

Auch die Bahnhofsgebäude selbst betitelt der VRR als "baulich in Ordnung", auch wenn es an 76 von 115 Gebäuden Verunreinigung durch Graffiti und an 67 Bahnhöfen Mängel in der Sauberkeit gab.

Kunden mäßig zufrieden

Unterdessen veröffentlichte der VRR Noten, die Kunden den Bahnhöfen in einer Umfrage gaben. Den Zustand der Bahnhöfe beurteilten die Kunden mit einer Durchschnittsnote von 2,8 unter Zugrundelegung des Schulnotensystems. Die eher mittelmäßigen Noten decken sich auch mit der Bewertung des Consumer Choice Center (CCC), das die Hauptbahnhöfe in Essen und Dortmund als mittelmäßig bis schlecht einstuft.

Das Ergebnis fiel damit etwas schlechter aus als ein Jahr zuvor. Auch was die Information der Verkehrsunternehmen bei Verspätungen betrifft, gibt es Luft nach oben. Die Kunden bewerteten die Fahrgastinformation an den getesteten Bahnhöfen im VRR-Gebiet mit der Note 3,07.

Das Fazit des VRR: DB und andere Eigentümer von Bahnhöfen "müssen dringend Maßnahmen ergreifen, um diesen negativen Trend im Interesse der Fahrgäste zu stoppen."

Der VRR und die Deutsche Bahn trennen sich übrigens. Für 28.000 Kunden im Ruhrgebiet gibt es drastische Änderungen. Ab dem 15. November übernimmt das Unternehmen Transdev den Verkauf von Tickets im Ruhrgebiet.

Einen Mangel besitzt auch derDortmunder Hauptbahnhof, wo mangelhafte Zustände für Flixbusse herrschen. Im ADAC-Test schneidet die Haltestelle schockierend schlecht ab.

Info

Erst jüngst hat der VRR einen Bericht zum Nahverkehr auf der Schiene veröffentlicht. Hier geht es zu den durchwachsenen Ergebnissen.