Gesetz zu Gefahrentieren

Nach Kobra-Jagd in Herne (NRW): Besitzer darf wieder Schlangen halten

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Im August war ihm mutmaßlich eine Kobra entwischt. Jetzt darf ein Mann aus Herne wieder Schlangen halten. (Symbolbild)

Im August hatte eine entflohene Kobra die Stadt Herne in Atem gehalten. Jetzt wurde öffentlich: Der Besitzer des Reptils darf wieder Schlangen halten. 

  • Im August war einem Mann aus Herne mutmaßlich eine giftige Kobra entwischt.
  • Die Schlange soll er als Haustier gehalten haben.
  • Trotz einer geplanten Gesetzesänderung darf der Mann jetzt wieder Schlangen halten.

Herne - Tagelang gab es in Herne im August 2019 nur ein Thema: Eine giftige Schlange war in einem Wohnhaus gesichtet worden - mutmaßlich einem privaten Halter entflohen. Mehrere Häuser waren daraufhin evakuiert worden, berichtet RUHR24*.

Entwischte Kobra in Herne: Schlagzeilen in ganz Deutschland

In ganz Deutschland machte die entflohene Kobra Schlagzeilen. Erst nach mehreren Tagen konnte ein Experte sie einfangen. Sie und die 21 anderen Schlangen, die die Polizei in der Wohnung des Besitzers in Herne gefunden hatte, leben mittlerweile bei einem Reptilienexperten in Recklinghausen.

Doch nun berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa): Der Mann, dem die Kobra im August entwischt war, darf erneut Schlangen halten. Das gehe aus einem Schreiben des Innenministeriums an den Landtag hervor, das der Agentur vorliege.

Mutmaßlicher Besitzer der entwischten Kobra in Herne darf wieder Schlangen halten

Ob der Mann sich tatsächlich wieder Schlangen angeschafft hat, ist unklar. Theoretisch dürfte er das aber. Und das, obwohl zahlreiche Politiker - darunter auch Frank Dudda, der Oberbürgermeister von Herne - nach dem Fall von August eine Verschärfung der Vorschriften gefordert hatten.

Im Landtag von NRW war daraufhin die Einführung eines Gesetzes über die Haltung von sogenannten "Gefahrentieren" diskutiert worden. Ein solches fehlt im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands bisher. 2020 will die schwarz-gelbe Landesregierung es aber durchsetzen.

Entwischte Kobra in Herne: Grüne kritisieren Landesregierung

Im Fall des Schlangen-Halters aus Herne dürfte aber auch das geplante Gesetz wenig ändern, kritisiert der Tierschutzexperte der Grünen-Fraktion im Landtag, Norwich Rüße. Denn dieses enthalte einen "Bestandsschutz". Heißt: Wer bereits vor der Einführung des Gesetzes Schlangen besitzt, darf diese auch danach behalten.

"Wir sind der Auffassung, dass Gifttiere nur von Personen gehalten werden sollten, deren Sachkunde erwiesen ist. CDU und FDP müssen daher dringend ihren Gesetzentwurf nachbessern", sagte Rüße der dpa.

Besonders brisant im Fall der entflohenen Schlange in Herne ist ein weiterer Teil des Schreibens des Innenministeriums. Demnach war der Besitzer der Kobra noch im Juni 2019 "tierschutzrechtlich" kontrolliert worden - ohne Beanstandungen.

Halter der entwischten Kobra in Herne wurde kontrolliert

Auch nach der Flucht des Tieres habe man dem mutmaßlichen Halter keine Tierschutz-Verstöße nachweisen können: Daher wurde auch kein Schlangenhalteverbot auf Grundlage tierschutzrechtlicher Rechtsvorschriften gegen den Tierhalter erlassen.

Unangenehme Konsequenzen hat der Zwischenfall für den Mann dennoch. Im September stellte die Stadt Herne klar: "Der Schlangen-Halter ist voll verantwortlich für die Geschehnisse rund um die Ende August entwischte Kobra. Es bestehen keine signifikanten Zweifel, dass die am 30. August wieder eingefangene Schlange aus dem Fundus des Hausbewohners stammt."

Entwischte Kobra in Herne: Stadt fordert fünfstellige Summe vom Halter

Deshalb fordert die Stadt von dem Mann eine "mittlere fünfstellige Summe" - Kosten, die durch die entwischte Schlange entstanden seien. Der Mann bestreitet jedoch, dass es sich um sein Tier gehandelt habe. Bereits während des Einsatzes hatte der mutmaßliche Besitzer der Kobr a, in dessen Wohnung noch weitere Schlangen gefunden wurden, immer wieder angegeben, die entflohene Kobra stamme nicht von ihm. mit dpa-Material

mn

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